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Tod im Frühling Ein Fall für Guarnaccia von Nabb, Magdalen (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Tod im Frühling

Schnee im März - in Florenz etwas so Ungewöhnliches, dass niemand bemerkt, wie zwei Ausländerinnen mit vorgehaltener Pistole aus der Stadt entführt werden. Eine von ihnen taucht schnell wieder auf. Die andere, eine reiche Amerikanerin, bleibt spurlos verschwunden. Die Suche führt in die toskanischen Hügel, zu den sardischen Schafhirten - eine sehr verschlossene Gemeinschaft. Die Lösung des Falls ist so unerwartet wie Schneefall in Florenz im Frühling. Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 192
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257605891
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Death in Springtime
    Größe: 917 kBytes
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Tod im Frühling

[7] 1

Das ist ja nicht zu fassen! Heute ist doch schon der erste März ..."

"Aber es ist so, sieh doch selbst!"

"Das sind sicher irgendwelche Samen im Wind."

"Was für ein Wind? Ich sag dir, es ist Schnee!"

Die gesamte Bevölkerung von Florenz hatte sich beim Aufwachen vor Verwunderung und Verwirrung die Augen gerieben. Fensterläden wurden aufgestoßen, und das Phänomen wurde quer über Höfe und enge Straßen lautstark kommentiert.

"Es schneit!"

In den letzten fünfzehn Jahren hatte es in der Stadt nur ein einziges Mal geschneit, und das war mitten im Winter gewesen. Ein eisiger Wind aus der Russischen Steppe war über die italienische Halbinsel gefegt und hatte die Straßen unter einer lähmenden weißen Decke begraben. Aber heute war der erste März. Um es noch unglaublicher zu machen, war es in den letzten zwei Wochen sogar außergewöhnlich warm gewesen, die ersten Touristen - immer die Deutschen - schlenderten schon in hellen Kleidern durch die Stadt, und die Frauen boten der fiebrigen Februarsonne ihre fülligen weißen Arme dar. Normalerweise entledigten sich die Florentiner ihrer grünen Lodenmäntel frühestens Ende April, aber einige hatten sich diesmal täuschen lassen und bereits die ersten Blumentöpfe mit Geranien auf ihre Fensterbretter gestellt. Und an den milden Abenden waren schon viele halbgeöffnete Fensterläden zu sehen, und dahinter gelbe Lichtstreifen und die Silhouetten der Hausbewohner, die das Treiben auf der Piazza beobachteten, als wäre schon Sommer. Nur die Winzer und die Getreidebauern in den umliegenden Hügeln beklagten sich über das Wetter. Schließlich hätte [8] es zu dieser Jahreszeit regnen sollen. Aber es schneite, und die Menschen hätten nicht überraschter sein können, wenn Konfetti vom Himmel herabgerieselt wären.

Der morgendliche Stoßverkehr hatte um acht Uhr in einem fahlen, kalten Licht begonnen. Hoch oben in den erleuchteten Wohnungen drückten kleine Kinder ihre Nasen gegen die Fensterscheiben und wischten Hauchflecken weg oder malten mit einem Finger darin herum.

Der Himmel war so leer, daß der Schnee scheinbar aus dem Nichts herabfiel. Er erschien plötzlich zwischen den hohen Steingebäuden, in großen nassen Flocken, die auf die Straße schwebten und verschwanden. Auf den Gehsteigen und in den Rinnsteinen, die durch die Dachvorsprünge der Häuser geschützt waren, hinterließen sie nur einen feuchten, gesprenkelten Streifen.

Die Menschen, die auf der winzigen Piazza San Felice auf den Bus warteten, stellten mit einem besorgten Blick zum Himmel den Mantelkragen hoch und fragten sich, ob sie nicht besser Schal und Handschuhe angezogen hätten. Dabei war es nicht einmal kalt! Das ganze war vollkommen unerklärlich. An der Ecke ihnen gegenüber stand Wachtmeister Guarnaccia von der Carabinieri. Er postierte sich oft dort, wenn er seinen Kaffee in der Bar getrunken hatte. Gleich neben ihm stand eine Gruppe plaudernder Mütter. Sie hatten gerade ihre Kinder in die Obhut einer Nonne gegeben, die nun ihre Schützlinge in den Kindergarten neben der Kirche führte. Obgleich der Wachtmeister den Kragen seines schwarzen Uniformmantels mit einer automatischen Geste hochstellte, war er der einzige, der nicht auf den Schnee starrte. Seine Aufmerksamkeit galt der Trattoria auf der anderen Straßenseite. Die Lampen, die in Kugelbündeln von der Decke hingen, brannten noch, und der Sohn des Besitzers fegte in einer schmutzigen weißen Schürze lustlos den Boden und starrte mit leerem Blick hinaus auf das Wetter, nachdem er hinter der Glastür Sägespäne verstreut hatte. Der Junge [9] war dünn und pickelig und hatte schwarze Haare. Er war erst sechzehn, doch Wachtmeister Guarnaccia hatte ihn schon auf der Treppe vor der Kirche Santo Spirito beim Heroinspritzen gesehen. Er hatte bei den Fixern gesessen, die dort immer hockten, und sich verstohlen umgeblickt, wie es nur die tun, die erst seit kurzem an der Nadel hängen

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