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Tod im Herbst Guarnaccias vierter Fall von Nabb, Magdalen (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Tod im Herbst

Die Leiche einer Frau wird aus dem Arno gezogen, nur mit Pelzmantel und Perlenkette bekleidet. Wer war die Frau? Überall heißt es, sie habe sehr zurückgezogen gelebt. Maresciallo Guarnaccia in seinem Büro an der Piazza Pitti ahnt, dass der Fall schwierig und schmutzig wird. Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257605914
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Death in Autumn
    Größe: 1596 kBytes
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Tod im Herbst

[5] 1

Die Morgendämmerung war noch nicht angebrochen, und das Wasser des Flusses, das gegen das schwarze Schlauchboot klatschte, war noch genauso dunkel wie der Himmel. Nur eine Lampe an einer Seite des Schlauchboots warf einen Lichtkegel über das Wasser. Von links kam ein kurzes Lichtsignal, und als der Mann im Schlauchboot es beantwortete, war am Ufer für einen Augenblick ein Lastwagen zu sehen, bevor er wieder in der Dunkelheit verschwand. Bei dem Lärm, den das Wehr unterhalb der nächsten Brücke machte, war es sinnlos, sich etwas zuzurufen. Der Mann im Schlauchboot richtete den Blick wieder auf das dunkle Wasser. Sehr viel einfacher würde es mit der Morgendämmerung auch nicht werden. Der dichte Nebel, der über dem Fluß lag, würde sich erst nach Stunden auflösen, selbst wenn eine milde Herbstsonne hervortreten würde, und der Wasserstand war so niedrig, daß mit jeder Bewegung der Schlamm aufgewühlt wurde. Auf den Brücken und am Ufer waren Lichter zu sehen, gelbe und weiße Punkte, ein jeder umgeben von einem kleinen Hof. Rechts lag das Zentrum von Florenz noch in tiefem Schlaf und Dunkelheit. Trotzdem hing schon eine Ahnung des neuen Tages in der Luft, vielleicht wegen der Lastwagen, die dort oben in Richtung Blumenmarkt gerollt waren und deren Abgase sich mit dem Schlammgeruch des Flusses vermengten.

An zwei Stellen, nur wenig voneinander entfernt, tauchten plötzlich zwei schwarze Umrisse an die Wasseroberfläche und bewegten sich auf den Lichtkegel zu. Dann [6] wurden zwei Köpfe sichtbar, die in enganliegenden schwarzen Gummikappen steckten. Die Froschmänner waren schon zum vierten Mal mit leeren Händen heraufgekommen. Der eine hob die Hand, machte eine verneinende Bewegung und wies dann zur nächsten Brücke flußabwärts. Die beiden Taucher verschwanden wieder, und der Mann im Schlauchboot gab ein weiteres Lichtsignal in Richtung Ufer und warf den Außenbordmotor an. Gewiß, hier blieben sie oft hängen, an dieser Stelle unter dem linken Bogen, wo Gestrüpp und von weither angetriebener Müll sich auftürmten. Die Scheinwerfer des Lastwagens flammten auf und beleuchteten, während sie langsam immer auf gleicher Höhe mit dem Schlauchboot vorankrochen, den geschotterten Weg unterhalb der Uferstraße. Wenn die Leiche aber über das Wehr hinausgetrieben war, würde ihnen nichts anderes übrigbleiben, als drei Tage zu warten, bis sie auftauchte und in einer der kleinen Städte, durch die sich der Arno auf seinem Weg Richtung Pisa wand, von einem Passanten entdeckt wurde.

Es sei denn, jemand hatte sich einen schlechten Scherz erlaubt, was hin und wieder vorkam. Einer der Taucher, der nur ungern in die Dunkelheit hinaus wollte, hatte etwas in der Art angedeutet und vorgeschlagen, das Tageslicht abzuwarten, doch ein anderer, der wußte, von wem der Anruf gekommen war, hatte ihm sofort entgegengehalten:

"Ich möchte den Menschen sehen, der es schafft, Guarnaccia reinzulegen!"

"Wer ist'n das?"

"Carabinieri-Wachtmeister drüben im Revier Pitti.

[7] Dumm wie Bohnenstroh sieht er aus, kommt aus dem Süden, aber man muß schon früh aufstehen, wenn man ihn überrumpeln will."

"Tja, jetzt ist es wohl doch passiert, was?"

Und noch immer murrend, hatten sie ihre Ausrüstung in der Dunkelheit auf den Transporter geladen.

Tatsächlich war die Leiche im Wasser aber nicht von einem Frühaufsteher gesehen worden, sondern von zwei jungen Touristen, die nicht zu Bett gegangen waren und mit denen der Wachtmeister, die großen, ein wenig hervorstehenden Augen schlafgerötet und geschwollen, das Bäuchlein unter der halb aufgeknöpften Jacke noch deutlicher zu sehen als sonst, wirklich seine liebe Not gehabt hatte.

Zu allem Überdruß waren es Ausländer, und nach einem langen, heißen Sommer mit verlorengegangenen Fotoapparaten, gestohlenen Handtaschen, verschwundenen Kindern und angeblich verschwundenen Autos - diese engen Straßen sahen alle gle

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