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Tod im Inntal Oberbayern Krimi von Marcher, Fabian (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.06.2019
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Tod im Inntal

Mord in besten Kreisen Wenn der schöne Schein trügt: Ihr neuer Fall führt die Rosenheimer Hauptkommissarin Tamara Stahl in ein Bilderbuchdorf in Oberbayern. Die Tote war Lehrerin am privaten Elite-Internat im örtlichen Schloss. In dieser exklusiven Welt stößt die Ermittlerin auf sorgsam gehütete Geheimnisse und ungeahnte Abgründe - und auf den jungen Historiker Lorenz Kastner, mit dem sie ohnehin noch eine Rechnung offen hat. Doch schon bald muss Tamara erkennen, dass sie diesen verzwickten Fall nur mit seiner Hilfe lösen kann. Fabian Marcher, geboren 1979 in Tegernsee, ist gelernter Buchhändler und arbeitet als freier Autor. Im Emons Verlag hat er bereits den Inntal-Krimi 'Kranzhorn' und - gemeinsam mit seiner Frau Julia Lorenzer - den Reiseführer '111 Orte in Rosenheim und im Inntal, die man gesehen haben muss' veröffentlicht. Die beiden leben in Oberbayern und in Italien.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 19.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960414858
    Verlag: Emons Verlag
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Tod im Inntal

2

Friederike Ziegelmeier öffnet die Augen, und sofort bricht die Intensität der Farbe über sie herein wie eine Flutwelle. Das unwiderstehliche Blau des sommerlichen Morgenhimmels. An anderen Tagen ist es das satte Grün des noch vom Tau der Nacht benetzten Rasens oder das zarte, verletzliche Rosa einer Blüte, welches sie nach der Meditation in den Bann zieht.

Manchmal ist sie sich nicht sicher. Wenn sie sich zu sehr vom Alltag einfangen lässt und dem ständigen Störfeuer ihrer Umgebung zu viel Aufmerksamkeit schenkt - dem Geläster ihrer Nachbarn etwa oder den banalen Schulproblemen ihrer doch beinahe schon erwachsenen Kinder. Wenn sie nicht ganz und gar bei sich ist, dann verwirren sie die Eindrücke in ihrer Vielfalt. An solchen Tagen fühlt sie sich heillos überfordert, und ihr gelingt nichts. Doch heute ist alles gut, Friederike hat keinerlei Zweifel: Die Farbe dieses Morgens ist Blau.

Sie steht auf, zupft den angenehm kühlen Stoff ihres seidenen Morgenmantels zurecht, atmet noch einmal tief ein und danach sehr langsam wieder aus, bevor sie vom Balkon zurück ins Schlafzimmer tritt.

Etwas später trägt sie eine schlichte türkisfarbene Bluse und dazu einen bequemen, knöchellangen Rock in kräftigem Königsblau. Über die offene Wendeltreppe aus hellem Holz, die der ganze Stolz ihres Mannes ist, seit sie den alten Stall zu einem großzügigen, lichtdurchfluteten Wohnhaus ausgebaut haben, begibt sie sich ins Erdgeschoss.

Das vertraute Geräusch einer fernen Kreissäge dringt für einige Sekunden durch das gekippte Fenster in die Küche, dann herrscht wieder Stille. Jakob ist bereits drüben in der Schreinerei. Er hat gefrühstückt, der Kaffeegeruch hängt in der Luft, seine Tasse steht neben der Spüle. Luna und Elias hingegen schlafen offenbar noch. Wenn die beiden nicht bald aufstehen, riskieren sie, schon wieder den Schulbus zu verpassen.

Friederike Ziegelmeier schaltet den Wasserkocher ein und nimmt die Dose mit dem Pai-Mu-Tan-Tee und eine Kanne aus dem Hängeschrank. Sie spürt die leichte Anspannung, die immer dann von ihr Besitz ergreift, wenn sie ein Bild in sich trägt. So wie heute. Sie spürt Ungeduld, freudige Erwartung - aber auch ein wenig Angst vor dem, was sich in den Tiefen ihres Unterbewusstseins entwickelt hat und bald auf der Leinwand Gestalt annehmen wird.

Als das Wasser sprudelt, schaltet sich der Kocher mit einem dezenten Piepton ab, und sie gießt die Teeblätter in der Kanne auf. Ihr Blick fällt auf die Uhr über dem Esstisch. Der Tee muss mindestens zehn Minuten ziehen. Wenn sie in der Zwischenzeit Monikas Bild aus der Galerie holt, wird sie nachher sofort ins Atelier gehen können.

Die Sonne hat jetzt spürbar mehr Kraft als noch vor einer Viertelstunde. Sie wärmt ihr Gesicht. Friederike mag es, wie der feine Kies unter den dünnen Sohlen ihrer Ledersandalen knirscht. Seit ihre neue Galerie die nach dem Abriss des Geräteschuppens entstandene Lücke füllt, hat der ehemalige Dreikanthof beinahe wieder seine ursprüngliche Hufeisenform - und doch ein viel moderneres, freundlicheres Antlitz.

Im Vorbeigehen wirft sie einen flüchtigen Blick hinauf zu dem kleinen Fenster im ersten Stock der alten Bauernwohnung. Hat sich dort nicht gerade etwas bewegt? Von früh bis spät sitzt er da oben, beobachtet alles, suhlt sich in seinem Hass und seiner Selbstgerechtigkeit. Die Energie, die von diesem verbitterten Greis ausgeht, ist katastrophal. Sie passt perfekt zu der dunklen, bedrückenden Aura, die der ganze noch unrenovierte Hofteil verströmt. Wenn ihr Schwiegervater endlich tot ist, wird Jakob auch die Bauernwohnung von Grund auf umbauen. Für zwei Gästezimmer oder eine geräumige Ferienwohnung dürfte da drin auf jeden Fall Platz sein.

Jakob senior, der letzte Ziegelmeier-Bauer, ist alt und krank. Die Tage, an denen er sein Gift noch verspritzen wird, sind glücklicherweise gezählt. Doch leider ist er nicht der Einzige, der Friederike das Leben in Falkenberg s

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