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Tod im Palazzo Guarnaccias achter Fall von Nabb, Magdalen (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Tod im Palazzo

Mord, Selbstmord oder Unfall? Wenn es in einer der ältesten Adelsfamilien von Florenz einen Toten zu beklagen gibt, kann es nichts anderes als ein Unfall gewesen sein. Ein Selbstmord würde den Ruf der Familie ruinieren und den Verlust der dringend gebrauchten Versicherungssumme zur Folge haben. Wachtmeister Guarnaccia glaubt aber nicht, daß das, was im Palazzo Ulderighi geschehen ist, ein Unfall war... Magdalen Nabb, geboren 1947 in Church, einem Dorf in Lancashire, England, gestorben 2007 in Florenz. Sie studierte an der Kunsthochschule in Manchester und begann dort zu schreiben. Seit 1975 lebte und arbeitete sie als Journalistin und Schriftstellerin in Florenz.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 304
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257605952
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: The Marshal Makes His Report
    Größe: 1516 kBytes
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Tod im Palazzo

[5] 1

Der Wachtmeister konnte sich noch immer sehr genau an die nächtliche Szene erinnern. Trotzdem hatte sie etwas, wodurch sie in seiner Erinnerung eher wie ein spektakulärer Film oder der Höhepunkt eines Theaterstücks erschien, und irgendwie war sie ihm schon damals unwirklich vorgekommen. Vielleicht lag es daran, daß der Turm, dessen Spitze er schließlich, völlig außer Atem, erreichte, so hoch war und die handelnden Figuren, die unten im Hof das Stück aufführten, so winzig wirkten.

Die Florentiner Nacht war heiß, der Himmel samtig, der Mond groß und hell. Man konnte gerade noch erkennen, daß in der mächtigen Eisenlaterne, die im Durchgang hing, ein Licht brannte, ein so schwaches allerdings, daß der Wachtmeister die Kolonnade und den Brunnen in der Mitte kaum wahrgenommen hätte, wenn der Mondschein nicht gewesen wäre. Der Körper lag mit dem Gesicht nach unten beim Brunnen, darübergebeugt die dunkle Silhouette der Frau. Alles war still. Andere dunkle Figuren traten aus der noch tieferen Düsterkeit der Kolonnade und näherten sich zögernd dem zentralen Tableau, doch bevor sie die Gruppe erreichten, blieben sie stehen und bildeten eine Art Kreis. Eine Taschenlampe flammte auf, wurde aber sofort wieder ausgemacht. Niemand störte die Frau, die reglos neben dem ebenso reglosen Körper [6] kniete. Sie hätte eine Mutter sein können, die über ihr schlafendes Kind wacht, besorgt, daß jede Bewegung es aufwecken könnte. Den Wachtmeister hoch oben auf dem Turm erreichte keine Stimme. Das Bild blieb unbeweglich, unnatürlich lange, bis die Besatzung des Krankenwagens kam und mit einem weißen Rechteck zur Mitte vordrang. Der Kreis von Köpfen öffnete sich.

Der Wachtmeister hielt sich mit seinen großen Händen an der warmen steinernen Brüstung fest und beugte sich weiter vor. Angespannt wartete er darauf, daß die Frau zusammenbrechen würde. Jeden Moment mußte es passieren, und auch für ihn wäre es eine Erleichterung gewesen. Er sah, wie das weiße Rechteck abgestellt wurde und eine der schwarzen Figuren sich über sie beugte. Er sah, wie sie den Kopf nach hinten warf und zu ihm hochblickte, als wollte sie ihn anklagen, obwohl sie ihn nicht sehen konnte. Er spürte, wie der angestaute Schmerz endlich aus ihrem Körper wich, hörte aber nichts, denn genau in diesem Moment setzte das Feuerwerk ein, eine rote Fontäne zeichnete sich glitzernd auf den tiefschwarzen Himmel und explodierte in sanft zischenden Sternen, die in Zeitlupentempo auf die Dächer herunterfielen. Ein paar Sekunden lang waren alle Dächer und Türme von Florenz in einen warmen Schein getaucht, der Arno dazwischen schlängelte sich rosafarben dahin, und die Menschenmenge am Ufer brüllte und klatschte begeistert. Dann war es wieder dunkel, und eine rosa Rauchwolke verdeckte den Mond. Der Wachtmeister, benommen und abgelenkt, hörte nur seinen Atem und spürte den glatten warmen Stein unter den Händen.

[7] Daran, wie er seinen massigen Leib über Hunderte von Stufen hinunterbekommen hatte, konnte er sich viel undeutlicher erinnern. Er entsann sich nur, daß die Treppe so schmal war, daß er mit der rechten Schulter oft gegen die rohen Steine stieß und daß die ausgetretenen Stufen im Dunkeln heimtückisch waren. Er ging langsam, da er die kleine Figur nicht einholen wollte, die vor ihm hinuntertappte. Diese Überlegung war ihm jedenfalls damals durch den Kopf gegangen. Jetzt, nachdem alles vorbei war, konnte er zumindest sich selbst eingestehen, daß er keine große Lust verspürt hatte, sich mit der Szene im Innenhof abgeben zu müssen. Tatsächlich hatte ihn auch kaum jemand bemerkt. Der Oberstaatsanwalt hatte ihn flüchtig gesehen, doch dessen ganze Aufmerksamkeit galt der Marchesa, so daß er wartete, bis sie beruhigt und weggeführt worden war, dann ging er über den halbdunklen, ruhigen Innenhof und trat hinaus auf die laute Straße. Dort blieb er stehen, wartete eine Verkehrslücke ab und holte tief und erleichtert Lu

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