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Tod in der Rheinaue von Moritz, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 21.04.2016
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Tod in der Rheinaue

Der erfolgreiche Kriegsfotograf Killian kehrt nach zwanzig Jahren leer und müde von der Front in seine südbadische Heimat zurück. Er hat den Tod in allen Facetten abgelichtet, jetzt sehnt er sich danach, hier, am sonnigen Kaiserstuhl, wieder das Leben und zu sich selbst zu finden. Doch stattdessen entdeckt er während eines morgendlichen Fototermins in den Rheinauen eine Wasserleiche - und der Tote ist für ihn kein Unbekannter. Mit einem Mal wird seine Suche nach sich selbst zur Jagd auf den Mörder ... Michael Moritz, 1968 in Freiburg geboren und am Kaiserstuhl aufgewachsen, schreibt und produziert seit zwanzig Jahren Theaterstücke und Kurzfilme. Als Schauspieler war er an den großen deutschsprachigen Bühnen engagiert; im Fernsehen spielt er meist den Bösewicht (Tatort, Soko Köln, Die Sitte, Postmortem). 'Tod in der Rheinaue' ist sein erster Kriminalroman.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 256
    Erscheinungsdatum: 21.04.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863586638
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 2968 kBytes
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Tod in der Rheinaue

EINS

Killian kauerte in seinem Faltboot und hielt den Atem an. Es war bereits sein vierter Versuch. Diesmal musste er den richtigen Moment erwischen, sonst wäre der ganze Tag zum Teufel.

Der Nebel riss auf und gestattete einigen wenigen Sonnenstrahlen, direktes Licht auf die alten Grabsteine zu werfen. Killian drückte ab, der Motor seiner Nikon feuerte unaufhörlich Belichtungszeiten auf das NASA -Objektiv und fing alles ein, was sich in Peilrichtung befand.

Killian war Moshe auf ewig dankbar, dass er ihm diesen fein geschliffenen Kristall besorgt hatte. Zwar war er Moshe dafür einen Gefallen schuldig, den dieser sicherlich auch irgendwann einlösen würde, aber bis dahin erfreute er sich wie ein Kind an seinem Spielzeug. Er lächelte bei dem Gedanken an Moshe in sich hinein. Wenn der wüsste, dass er hier die alten Gräber eines vergessenen jüdischen Friedhofs befeuerte, würde er ihm mit Sicherheit den Mossad an die Fersen hängen.

Aber Moshe war weit weg, und das war gut so. Nachdem Israel das Gegenfeuer am Gaza eröffnet hatte, war Killians Telefon nicht mehr stillgestanden. Obwohl er seine Nummer geändert hatte, wusste er, wer dran war, und hatte sich geweigert, den Anruf entgegenzunehmen. Killian hatte die Schnauze voll. Nach zwanzig Jahren Kriegsreportage war er leer. Er hatte alle Varianten, den Tod zu fotografieren, für sich erschöpft. Er selbst sah sich nur noch wie einen Totenschädel durch das Okular starren. Ein Schädel fotografierte Schädel.

Er suchte das Leben, den Tod kannte er in- und auswendig. Deswegen war er vor einem halben Jahr an den Kaiserstuhl zurückgekehrt. Er hoffte, in der badischen Wiege seiner Kindheit die Wurzeln seines Lebens zu finden. Bislang nur mit mäßigem Erfolg.

Es war einfach so gekommen, Killian hatte es noch nicht einmal geplant. Aber als er in Oberrotweil vor dem ehemaligen Lager der Raiffeisenbank gestanden war und gesehen hatte, dass der Schuppen zu vermieten war, war ihm der Gedanke gekommen, hier an Ort und Stelle ein Atelier zu eröffnen. Ernähren würde er sich von Kalenderfotografie und drittklassiger Regionalwerbung, hauptsächlich würde er sich aber der Fotografie des Naturlichts widmen, um so die eigene Dunkelheit zu erhellen. Mit seinem Ersparten würde er fünf Jahre auskommen können, das brauchte hier aber niemand zu wissen. Man war den Badenern sofort suspekt, wenn man nicht für sein tägliches Brot arbeitete, also war es besser, er kümmerte sich um ein paar Alibi-Jobs. Da ihn hier kaum mehr jemand kannte, wussten die meisten auch nur, dass es einen neuen Fotografen im Ort gab.

Killian war in Bötzingen aufgewachsen, einem Dorf am Fuße des Kaiserstuhls, von Oberrotweil rund acht Kilometer entfernt. Mit wenigen Schritten war Killian auf den Schelinger Matten, die ihm das Gefühl gaben, sich in den Highlands von Schottland zu verlieren. Dort stieg er oft und gerne hoch, um im Schutz der ungeschorenen Gräser dem Lied des Windes zu lauschen.

Heute früh hatte er sich gegen die Wiesen entschieden und war zur Fotojagd in die Rheinauen gefahren. Er hatte das Faltboot in seinen alten Defender geschmissen und war losgezogen. Schon in der Nacht hatte er gerochen, dass der Morgen ein besonderes Licht werfen würde, und seine Nase hatte ihn nicht im Stich gelassen.

Die Grautöne, die sich im Nebel brachen und durch die Wasseroberfläche nochmals reflektiert wurden, übertrafen alles, was er sich ausgemalt hatte. Er war wie im Rausch. So musste es einem Wildschwein ergehen, das plötzlich in ein Feld weißer Alba-Trüffel stolpert.

Er paddelte zurück und feuerte erneut auf die jüdischen Grabsteine. Er schoss blind, wie er es im Krieg gelernt hatte. Er wusste, dass alle Einstellungen stimmten. Es ging jetzt nur noch darum, den Moment zuzulassen.

Killian stieß einen Schrei der Befreiung aus. Auf ein solches Gefühl hatte er lange Zeit warten müssen. Und fast hatte er ein schlechtes Gewissen, dass es ihm

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