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Tod in der Speicherstadt Historischer Kriminalroman von Marschall, Anja (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.10.2019
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Tod in der Speicherstadt

Hamburg zu Beginn der Hafenarbeiterstreiks. Hamburg 1896: Der Sohn des wohlhabenden Kaffeehändlers Bellingrodt wird tot in der Elbe gefunden. Als Kommissar Hauke Sötje den Eltern die traurige Nachricht überbringt, gerät er in ein gefährliches Geflecht aus Macht, Gier und falscher Liebe. Zu allem Überfluss bittet ihn seine Verlobte Sophie, eine vermisste junge Frau und ihr Kind in der Stadt zu finden. Man hatte die beiden zuletzt vor der Villa der Bellingrodts gesehen ... Die gebürtige Hamburgerin Anja Marschall lebt seit vielen Jahren mit ihrer Familie im Westen Schleswig-Holsteins, wo sie als Journalistin und Autorin arbeitet. Sie initiierte den ersten Krimipreis für Schleswig-Holstein, ist Mitglied im Syndikat sowie Vizepräsidentin der Mörderischen Schwestern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 336
    Erscheinungsdatum: 17.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960415466
    Verlag: Emons Verlag
    Serie: Hauke Sötje 4
    Größe: 4263 kBytes
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Tod in der Speicherstadt

KAPITEL 1

Einen Selbstmordversuch machte gestern ein 20jähriges Dienstmädchen, indem es beim Alsterufer in die Alster sprang und in die höchste Gefahr gerieth. Ein Ewerführer, der Augenzeuge des Vorfalles war und die Noth der Selbstmord-Kandidatin erblickte, sprang hinzu und es gelang ihm mit Hülfe eines Commis, die Betreffende zu retten. Die Gerettete erklärte, daß sie nur der schlechten Behandlung seitens ihrer Dienstherrin, einer Hebamme, zu entgehen, den Tod gesucht habe.

Originalauszug: Hamburger Generalanzeiger,
22. Oktober 1896

Das gleichmäßige Rattern der Räder unter ihren Füßen machte Sophie müde. Vor dem Abteilfenster der ersten Klasse zogen abgeerntete Felder vorbei. Verstreut zwischen rot und gelb leuchtenden Baumgruppen duckten sich reetgedeckte Gehöfte. Der Sommer war vorüber und schickte sich an, in einen goldenen Herbst überzugehen, dem früher oder später Stürme und Regen folgen würden. Mit halb geschlossenen Augen fragte sich Sophie, ob dies tatsächlich ihr letzter Herbst im Hause Konsul Winters sein sollte.

Sie warf dem jungen Mädchen ihr gegenüber einen Blick zu, das mit gefalteten Händen im Schoß kerzengerade dasaß. Clara war die älteste Tochter des Konsuls und würde noch vor dem Weihnachtsfest für ein Jahr nach England reisen, wo ihre Erziehung vervollkommnet werden sollte. Doch sosehr die Familie auch versuchte, Clara für die Reise zu begeistern, das Kind wollte sich nicht darauf freuen. Sophie hatte ihr von den vornehmen Salons der adeligen Damen erzählt, in die sie sicherlich geladen werden würde, geschwärmt von den Jagdausritten auf dem Land, an denen sie teilnehmen könnte, um sich am Abend unter den Kronleuchtern eines Ballsaals zu drehen oder zu den Klängen einer Polka zu hüpfen. Sie hatte ihr von der neuen Royal Albert Hall berichtet, wo die besten Musiker der Welt auftraten. Doch Clara antwortete auf all die gut gemeinten Versuche stets mit einem freundlichen, aber nichtssagenden Lächeln. Erst gestern hatte sie beim Abendessen gemeint, dass sie es wohl kaum verhindern könne, dass man aus ihr eine Dame zu machen gedenke. Der letzte Sommer einer unbeschwerten Kindheit sollte für das Mädchen bald sein Ende finden, und der Abschied vom Vater und von den Geschwistern lag vor ihr. Wie konnte Sophie ihr nur klarmachen, dass ein Abschied auch immer ein Neubeginn war? Sophie hatte dieses Mädchen in den Jahren bei Konsul Winter in ihr Herz geschlossen. Es fiel ihr schwer, den einst so wilden Zögling gehen zu lassen, obwohl noch zwei jüngere Geschwister im Haus waren. Doch auch deren Erziehung würde Sophie wohl schon bald nicht weiterführen können.

Sie drehte den Verlobungsring, der schon begann, seinen Glanz zu verlieren, an ihrem Ringfinger. Mittlerweile hatten Hauke und sie viele Gelegenheiten verstreichen lassen, einen Hochzeitstermin bekannt zu geben. So mancher zweifelte bereits daran, dass es je zu einer Ehe zwischen dem schweigsamen Kommissar und der eigensinnigen Lehrerin kommen könnte. Und dennoch, sobald sie erst verheiratet war, würde sie ihre Anstellung verlieren. So waren nun einmal die Konventionen. Sophie seufzte leise und fragte sich, was ihr dann noch bliebe. Sie könnte Kinder bekommen, so wie alle anderen Frauen. Aber, war sie mit Ende zwanzig nicht schon zu alt dafür? Schnell schob sie den Gedanken beiseite.

Stattdessen hoffte sie, Hauke in der Hansestadt treffen zu können, den ein neuer Fall ebenfalls dorthin führen würde. Sophie dachte daran, wie sie ihm bei einem anderen Fall kürzlich hatte helfen können. Man hatte ein totes Dienstmädchen im Kaiser-Wilhelm-Kanal gefunden, und weil Hauke im Kieler Schloss unabkömmlich gewesen war, hatte sie sich ein wenig umgetan. Leider nur hatten diese aufregenden Wochen ihr Interesse an Kapitalverbrechen ungebührlich geweckt, was sie natürlich niemandem gestand. Manchmal aber fragte sie sich, ob sie überhaupt normal sei. Schließlich erwartete man von Frauen, da

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