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Tod in Herford von Schleheck, Regina (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.08.2018
  • Verlag: edition oberkassel
eBook (ePUB)
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Tod in Herford

Eine Mädchenleiche treibt auf dem Baggersee. Zwei Jugendliche sind untergetaucht. Der fünfjährige Linus wird beim Wasserlassen hellhörig. Er entdeckt einen Toten und allerhand Totgeschwiegenes. Missbrauch, Mord, Prostitution und Panikreaktionen werfen die Handelnden in ein Wechselbad von Verstörung und Versöhnung. Linus ermittelt. Naiv, neugierig, entwaffnend. Regina Schleheck hat sich im Krimi wie in der Phantastik einen Namen gemacht. Unter anderem wurden ihr mit dem Friedrich-Glauser-Preis der deutschsprachigen Krimautoren in der Sparte Kurzkrimi sowie mit dem Deutschen Phantastikpreis für ein SciFi-Hörspiel die begehrtesten Auszeichnungen beider Genres zugesprochen. Die in der Nähe von Köln lebende Autorin, im Hauptberuf Oberstudienrätin, daneben fünffache Mutter, Referentin und Herausgeberin, veröffentlicht seit 2002 und ist Mitglied im Syndikat und bei den Mörderischen Schwestern.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 250
    Erscheinungsdatum: 01.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958131514
    Verlag: edition oberkassel
    Serie: Krimi 49
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Tod in Herford

Kapitel 1

Er würde nicht aufgeben. Niemals!

Vor der Abfahrt hatte er tüchtig Gas gegeben, um Fahrt aufzunehmen. Er war geradezu abwärts geschossen. Die Hände wurden ihm feucht, die Luft blieb ihm weg. Er kniff die Augen zusammen, sah Rot. Immer noch besser, als den Blick in den Abgrund vor sich zu heften. Aber er hielt Spur, bis er kanonenkugelgleich durch den Tunnel pfiff. Sofort stieg er wieder in die Eisen, dass der Atem schmerzte und pfiff. Der Hals wurde ihm trocken, weil er den Mund vor Keuchen nicht mehr zukriegte. Obwohl er immer langsamer wurde und hin und her schlingerte, verließ ihn das Zutrauen nicht, dass er es schaffen würde. Es war zu schaffen! Er musste es schaffen! Weil er es sich und Mira beweisen wollte. Und Flip.

Wenn man von ganz tief innen etwas erreichen wollte, würde es gelingen. Mira hatte es selbst gesagt. Sie hatte davon gesprochen, dass man, wenn man sich etwas aus vollstem Herzen wünschte, das auch erreichen könnte.

Mira schaffte es nicht. Aber das war auch kein Wunder. Ihr Herz war leer. Oder höchstens halb voll. Wie die Weinflasche, mit der sie sich abends in der Sofaecke verkroch, um zu lesen oder fernzusehen. Nein, Mira wünschte sich nichts. Außer Ruhe vielleicht. Und dass ihm nichts zustieß, klar.

Linus hatte sich nie Gedanken über sein Herz gemacht. Aber dass es sich mit Mira so verhielt, war ihm auch ohne Nachdenken klar. Noch etwas wurde ihm deutlich, während die Luft immer knapper wurde: Der Impuls, es zu schaffen, kam überhaupt nicht vom Herzen ! Er saß viel tiefer! Sein Herz stand ihm eher im Weg. Es pochte schmerzhaft und so laut, dass er den eigenen Atem kaum noch hörte. Irgendwo tief unten aus dem Bauch kam die Kraft, die ihn antrieb. Er hatte die Hosen voll davon ! Seine Oberschenkel fuhren rauf und runter wie Dampfhämmer, die die Räder antrieben, auch wenn er Kurven einschlug. Der Befehl kam zweifellos von unten, wo der Nabel saß, oder tiefer. Er dachte an die Ziegelpresse, die sie in der letzten Woche kennengelernt hatten, und indem er sie sich vorstellte, wurde er selbst zur Maschine. Drehen, drehen, drehen, mit übermenschlicher Kraft den Druck nach unten geben wie die Presse, gleichmäßig, nicht langsamer werden, weiter, weiter, immer weiter!

Als er vollkommen außer Atem den ebenerdigen Pöppelmannwall wieder erreichte, sprang er vom Rad und blickte sich triumphierend um.

Er hatte es nicht nur geschafft, sondern vor ihr! Mira stand immer noch am Straßenrand und wartete auf den Moment, in dem sie zwischen den hin und her fahrenden Autos die Ahmser Straße überqueren konnte, während er den längeren und schwierigeren Weg durch die Unterführung bewältigt hatte. Die Wette war gewonnen! Und: Er war nicht nur vor ihr angekommen - sondern auch ohne abzusteigen! Er hatte bewiesen, wie stark er war. Und wie selbständig. Sie musste endlich kapieren, dass ihre Angst um ihn vollkommen unbegründet war.

Dies war nur der erste Teil der Abmachung gewesen. Dass er alleine den Fußgängertunnel bezwang, während sie oben über die Straße joggte. Gut, der Verkehr hatte sie ausgebremst. Aber egal! Jetzt würde sie ihn noch das kleine Stückchen bis zur Fußgängerampel an der Wiesestraße begleiten. Dort würde er absteigen und drücken und die Straße erst überqueren, wenn das grüne Männchen aufleuchtete. Das Fahrrad würde er dabei schieben, nicht etwa damit über die Straße fahren.

Wenn Mira sicher war, dass er heil drüben angekommen war, durfte er nicht nur ohne sie das letzte Stückchen bis zum Bergertor fahren, sondern dort auch ganz alleine am Spielplatz bleiben und auf sie warten, während sie umkehren und den Pöppelmannwall in der anderen Richtung wieder zurück joggen würde, einmal um den ganzen Wall, der die Innenstadt umschloss, bis sie schließlich von der anderen Seite am Weddigenufer ankäme, um sich dort zu vergewissern, dass er heil an der Kita angekommen war.

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