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Todestörn vor Juist von Reisdorf, Theodor J. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.03.2014
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Todestörn vor Juist

Seit langem gilt Theodor J. Reisdorf als Meister des Friesenkrimis, der sich mit seinen eigenwilligen Geschichten aus dem Land der Deiche und Dünen eine begeisterte Lesergemeinde geschaffen hat. Auch diesmal wird die Nordsee zur Mordsee - und Reisdorf erzeugt Spannung, die für mehr als einen Inselurlaub reicht. Führerlos treibt die Yacht Novesia vor der friesischen Küste. Die nach der Bergung herbeigerufenen Beamten sind sich einig: Hier hat es kein Verbrechen gegeben, sondern einen Unfall. Opfer ist der neunzehnjährige Firmenerbe und Abiturient Pitt Hänneschen, der nach einem Brand von Bord ins Wasser gesprungen sein soll. Seine Leiche wird wenig später angespült. Doch zwei Menschen, die Pitt näher gekannt haben, zweifeln an diese Theorie: Jupp Broichler, sein Lehrer vom Juister Inselinternat, und Orbner, der Steuerberater der Familie, der nicht nur die finanzielle Situation der Industriellen-Dynastie kennt. Beide sind sicher, dass der gutaussehende Bursche nicht nur Freundinnen hatte, sondern auch Feinde. Tatsächlich stoßen sie auf drei von Ihnen - und alle haben ein Motiv für Mord...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 234
    Erscheinungsdatum: 13.03.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838754437
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1221 kBytes
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Todestörn vor Juist

Eine Oase des internationalen Tourismus hatte ihre Unschuld eingebüßt. Für den Fremdenverkehr in der Stadt war es von untergeordneter Bedeutung, ob Kurden oder Fundamentalisten die Bombe gezündet hatten. Die ausländischen Touristen in Cesme und in der Umgebung bemühten sich schlagartig verängstigt um ihre Abreise.

Das Hotel Hanedan glich einem aufgescheuchten Bienenschwarm. Vor den Telefonzellen standen die Gäste Schlange. Nur wenige Touristen behielten einen klaren Kopf. Nach dem Gesetz der Wahrscheinlichkeit würde der nächste Anschlag in Cesme etwa in tausend Jahren stattfinden, schoss es Broichler durch den Kopf.

Er hatte sich bemüht, über Nebenstraßen das Hotel zu erreichen. Niemand hatte ihn angesprochen. Doch natürlich verrieten nicht nur seine blutige und verschmutzte Kleidung, sondern auch sein zerkratztes Gesicht und sein gehetzter Blick den Menschen, dass er mehr von dem schrecklichen Ereignis wusste als andere.

Im Hotel kursierten Gerüchte, Polizisten standen an der Rezeption. Hotelangestellte blickten mit bleichen Gesichtern auf Listen und warteten auf Rückmeldungen ihrer Gäste.

Broichler suchte so schnell wie möglich sein Zimmer auf, ohne auf Fragen einzugehen.

Er zog sich aus, steckte alles in eine Plastiktüte und ging unter die Dusche. Während das Wasser an seinem braun gebrannten Körper entlangfloss, weinte er.

Schagüll und ihr Verlobter waren nur zwei der sinnlosen Opfer.

Feriengäste mit Kindern hatten für den Urlaub gespart und nicht geahnt, dass sie eine Reise in den Tod buchten.

Broichler dachte an Schagülls Tante, die ihm vermutlich die Schuld am Tod ihrer Nichte zuweisen würde. Sie tat ihm leid.

Broichler verließ die Dusche, frottierte seinen Körper, zog frische Wäsche an, saubere Jeans und ein frisches T-Shirt. Er trat an die Minibar, nahm sich ein türkisches Bier. Dazu rauchte er Pfeife und bemühte sich, die schrecklichen Erlebnisse und seine Trauer um die Opfer zu verdrängen.

Im Hotel herrschte Chaos. Ohne Unterbrechung summte der Aufzug. Menschen hasteten durch die Korridore.

Broichler dankte Gott, dass er überlebt hatte, und betete mit Tränen in den Augen für die Seelen seiner Schülerin und ihres Verlobten.

Seine Knie waren angeschwollen, seine Fußgelenke schmerzten, und sein Gesicht brannte von den Schnitten kleinerer Glassplitter.

Lappalien, stellte er fest, holte das Sportgel aus seiner Reiseapotheke und rieb es auf die Schwellungen. Sein Gesicht behandelte und desinfizierte er mit medizinischem Alkohol und Jod.

Es war wie eine Ironie des Schicksals. Seine pädagogische Verantwortung hatte ihn bewogen, die Türkei aufzusuchen. Doch Schagüll und Ötzan würden noch leben, wenn er sie nicht in das Café Truva eingeladen hätte.

Broichler verbrachte die Nacht im Sessel. Er nickte hin und wieder ein, fuhr dann aus Albträumen hoch und blickte in das voll erleuchtete Zimmer.

Am frühen Morgen trank er das gekühlte Mineralwasser aus der Minibar, stand lange am Fenster und blickte auf die Bucht, schaute den Seevögeln nach, die wie auf Juist im frühen Sonnenlicht im Wind hingen, als wäre nichts geschehen. Über dem Hotel lag trügerische Ruhe.

Er packte seine Reisetasche, griff den Plastikbeutel mit der schmutzigen Kleidung in der Absicht, sie irgendwo loszuwerden. Dann verließ er das Zimmer, schloss die Tür und stieg über die Treppe nach unten. Die Rezeption war verwaist. Auf dem Tresen lagen Listen. Einem Hinweis entnahm er, dass verspätet eintreffende Gäste sich telefonisch unter der angegebenen Telefonnummer zurückmelden sollten.

Broichler klemmte einen Hunderter in das Kettchen des Zimm

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