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Todestreue Kriminalroman von Gallert, Peter (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.07.2020
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Todestreue

Ein emotionaler Fall für einen außergewöhnlichen Ermittler: Polizeiseelsorger Martin Bauer
Auf einem Schrottplatz wird im Kofferraum eines Autos die Leiche einer jungen Frau gefunden. Misshandelt und brutal ermordet. Hauptkommissarin Verena Dohr und ihr Team übernehmen die Ermittlungen. Schnell fällt der Verdacht auf Leon Berger, einen jungen Mann, der gerade erst eine Haftstrafe abgesessen hat. Polizeiseelsorger Martin Bauer ist froh, dass er endlich nichts mehr mit Leichen und Mordfällen zu tun hat. Er ist in Elternzeit. Doch dieser Fall lässt ihm keine Ruhe. Als einziger ist er von Leons Unschuld überzeugt. Schon bald wird klar: Bauer ist Leons letzte Hoffnung. Und Leon hat Todesangst. Peter Gallert wurde 1962 in Bonn geboren. Ein Germanistik- und Geschichtsstudium brach er erfolgreich ab. Seit den 90er Jahren Drehbuchautor für TV-Serien (in Zusammenarbeit mit Jörg Reiter). Er ist Karate-Kindertrainer, hat drei Töchter und lebt mit seiner Familie in Köln.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 13.07.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843723145
    Verlag: Ullstein
    Serie: Martin Bauer 3
    Größe: 2834 kBytes
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Todestreue

01

Das Schwein hing da wie gekreuzigt. Leon hatte oft genug zugesehen und alles genauso gemacht wie der Alte. Er hatte die Rippen aufgebogen und mit der Axt vom Rückgrat getrennt, den Brustkorb flach gedrückt, die Beine auseinandergezogen, sie kurz über den Fußgelenken mit Draht an die Querstreben gebunden und die Schwarte rautenförmig eingeritzt. Dann hatte er das Kreuz aufgerichtet, am Rand der Feuerstelle in den Boden gerammt und die Buchenscheite aufgeschichtet.

Er betrachtete den ausgeweideten Körper. Dunkelrotes Muskelfleisch, blasses Fettgewebe, helle Sehnen und Knochen. Das Spanferkel wog sicher fast zwanzig Kilo. Es zu garen würde eine Weile dauern. Sollte er die Scheite schon anzünden? Normalerweise waren Feuer und Fleisch Chefsache, niemand durfte da heran. Aber heute war nichts normal. Leon hatte den Auftrag bekommen, das Asado vorzubereiten.

Der Alte war einmal über die Panamericana durch Südamerika gefahren. Seitdem hielt er das Grillen am offenen Feuer, wie die argentinischen Gauchos es praktizierten, für die einzig richtige Zubereitungsart von Fleisch. Seine Erzählungen von dem wochenlangen Roadtrip auf der Harley hatten Leon als Sechzehnjährigen fasziniert. Fünf Jahre war das her. Eine Ewigkeit. Der Knast schien die Zeit gedehnt zu haben. Es gab ein Davor und ein Danach. Dabei hatte er nur ein paar Monate eingesessen. Es hatte alles verändert.

Er schleppte den verbeulten Militärkanister heran, drehte den Deckel auf und goss Benzin auf das Brennholz. Dann ließ er sein Zippo aufschnappen, griff zu einer zusammengerollten Zeitung, zündete sie an und warf sie auf die Scheite. Eine Feuersäule verpuffte meterhoch. Doch schnell wurden die Flammen kleiner, und das Holz fing an zu knacken.

Der Anruf hatte ihn irritiert. Aber wenn der Präsident des Chapter eine Anweisung gab, fragte man nicht nach. Leon hatte sich sofort auf den Weg gemacht. Das Spanferkel hatte im Clubhaus auf dem Tresen gelegen. Genug Fleisch für eine Vollversammlung. Aber es war niemand da gewesen.

Er sah über den dunklen Hof zum Tor und hatte das Gefühl, in ein aufgerissenes Maul zu starren. Er schlug den Kragen seiner Lederjacke hoch und zog den Kopf zwischen die Schultern ein. Es durchfuhr ihn wie ein Stromschlag: Yildiz! Erschrocken blickte er sich um, konnte sie aber nirgends entdecken. Natürlich nicht. Er hatte nur ihren Geruch wahrgenommen. Sein Pullover roch nach ihr. Sie liebte es, seine Sachen anzuziehen. Er sah sie vor sich, mit nichts auf dem Leib als einem seiner T-Shirts. Es flatterte um ihren Körper wie ein viel zu weites Kleid. Sie tanzte durch das schäbige Wohnmobil und sang: Je ne parle pas français . Dabei war sie in Französisch immer die Beste gewesen. Wie in allen anderen Fächern auch.

Er verdrängte das Bild. Er wollte sie nicht hier haben. Sie gehörte in eine bessere Welt.

Er ging zum Tor und blickte die Straße hinunter. Feiner Nieselregen wehte durch die Lichtkegel der Straßenlaternen. Der nasse Asphalt war aufgeplatzt. Tagsüber rumpelten im Sekundentakt Lkw auf ihrem Weg zum Hafen vorbei. Jetzt war alles still. Zu still.

Wo blieben sie? Sonst hingen um diese Zeit meistens schon Biker im Clubhaus rum. Andererseits, wenn der Alte wirklich eine Vollversammlung angesetzt hatte, noch dazu mit Asado, würde es richtig spät werden. Vielleicht hatte er nur vergessen, am Telefon davon zu erzählen. Nein! Er hatte ein Gedächtnis wie ein Elefant. Er vergaß nie etwas.

Hatten sie ihn durchschaut? Dann war er ein toter Mann. Konnte es sein? Bereitete er gerade seinen eigenen Leichenschmaus vor? Der Präsident des Chapter hatte ein Talent für die große Inszenierung. Es hatte ihm dabei geholfen, an die Spitze zu kommen und sich seit nunmehr dreißig Jahren dort zu halten. Das und seine Härte. Gegen andere und sich selbst. Ja, es war möglich. Der Alte hätte für die Riders seinen Sohn geopfert, wenn es nötig gewesen wäre. Nur hatte er keinen Sohn. Er hatte

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