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Toskanische Verhältnisse Kriminalroman von Malvaldi, Marco (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2013
  • Verlag: Piper
eBook (ePUB)
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Toskanische Verhältnisse

In Montesodi Marittimo leben mehr Hühner als Menschen. Ein von Gott und der Welt vergessenes Örtchen, dessen Bewohner seit Jahrhunderten Fremde nicht gerade willkommen heißen. Ideales Terrain für einen jungen Arzt, die genetischen Eigenheiten der Bevölkerung zu untersuchen. Doch kaum ist der Besucher eingetroffen, stirbt unter mysteriösen Umständen seine Vermieterin, eine alte, recht widerspenstige Dame. Da in der Nacht ihres Todes ein Schneesturm das Dorf von der Außenwelt abschnitt, muss der Mörder noch mitten unter den wenigen Bewohnern des Dorfes weilen ... Marco Malvaldi, geboren 1974 in Pisa, arbeitete bis vor Kurzem als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Chemie der dortigen Universität. Mit seinen Krimis um die vier alten Männer und den sympathischen Barbesitzer Massimo avancierte er zum Bestsellerautor. Daneben veröffentlichte er mehrere davon unabhängige Krimikomödien. Marco Malvaldi lebt als freier Autor mit seiner Frau und zwei gemeinsamen Kindern in seiner Geburtsstadt.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Erscheinungsdatum: 12.11.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783492964050
    Verlag: Piper
    Originaltitel: Milioni di milioni
    Größe: 1200 kBytes
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Toskanische Verhältnisse

Anfang Schon bevor man das Dorf erreicht, lässt die Straße nach Montesodi Marittimo wohl niemanden kalt. Hinter einer Abzweigung mit dem Schild "Campagnaia-Montesodi M.mo", dessen banal weiße Lettern auf blauem Hintergrund nichts von dem ahnen lassen, was einem bevorsteht, beginnt die Strecke fast unverzüglich anzusteigen und schlängelt sich dann dickköpfig zwischen den Eichenwäldchen hindurch; als wollte sie uns zeigen, dass es doch allzu einfach wäre, sich wie eine normale Straße zu verhalten und den bequemsten Weg durch die Täler zu nehmen, die sich zwischen den Hügeln erstrecken. Eine Fahrbahn, die etwas auf sich hält, hat mehr zu bieten. Der Straßenverlauf wird nach der Abzweigung zu einer Abfolge von Kurven und Schlaglöchern, wobei der Asphalt objektiv gesehen nicht im besten Zustand sein mag, aber die Ersteren erscheinen doch zahlreicher als die Letzteren; umso mehr, wenn einem im Auto leicht schlecht wird, so wie Piergiorgio Pazzi, und man jede Kurve einzeln zählt. So wie er es in diesem Moment tat, während er um Atem rang und auf jeder der kurzen Geraden versuchte, seinen Mageninhalt wieder dorthin zu befördern, wo er hingehörte. Und dabei schickte er ein Stoßgebet zum Himmel, seine Forschungstätigkeit in Montesodi Marittimo nicht damit anfangen zu müssen, dass er sich die Seele aus dem Leib spie. Zum Teil, gewiss, aus Eigenliebe; vor allem aber auch, weil der Besitzer des Wagens, der ihn nach Montesodi fuhr, nicht gerade so aussah, als ob er es wohlwollend aufnehmen würde, wenn sich dieses Unglück in seinem Auto ereignete. Der Betreffende war ein Mann um die fünfzig, groß, breitschultrig, mit kugelrundem Bauch und dem Augenschein nach ohne Weiteres in der Lage, mit bloßen Händen einen Reifen zu wechseln, und zwar ohne Wagenheber. Dieser Mann also hatte ihn mit einem Geländewagen am Bahnhof abgeholt und sich mit einem Händedruck und einem knappen "freutmichPuntoni" vorgestellt. Piergiorgio schloss aus alledem, dass a) sein Gegenüber Puntoni hieß und b) körperliche Auseinandersetzungen das Letzte waren, worauf man sich mit diesem Burschen einlassen wollte. Und so war die Begrüßung das Einzige, was sie während der Fahrt an Worten ausgetauscht hatten, bevor sie das unbewaldete Wegstück bei l'Anguillaia erreichten. Puntoni war damit beschäftigt, auf einem lokalen Radiosender das Spiel der Fiorentina zu verfolgen, Piergiorgio verfolgte die gleichlaufenden Windungen der Straße und seiner eigenen Eingeweide. Ermutigt von einer Geraden, die etwas länger ausfiel als die bisherigen, sah sich Piergiorgio, während der Reporter voller Begeisterung einen Einwurf referierte, der den Violetten in Strafraumnähe zugesprochen worden war, auf dem baumlosen Straßenstück ein wenig um und versuchte zu begreifen, wohin es ihn da eigentlich verschlagen hatte. Und die Szenerie, die er erblickte, ließ ihn erstarren. Mitten auf der waldlosen Ebene stand trotz der Januarkälte ein Kerl mit bloßem Oberkörper, etwa einen Meter fünfzig groß und völlig kahl. Er hatte einen Bart, der ihm bis zum Bauch reichte, und Waden, die zwei San-Daniele-Schinken glichen. Schon deshalb überkam einen spontan die Idee, sich umzusehen, vielleicht steckte da irgendwo auch ein Gandalf. Dazu muss man sagen, dass der Mann ganz unverkennbar Qualen litt: Wahrscheinlich nicht so sehr wegen der Kälte, sondern wegen des Baumstamms von dreißig Zentimetern Durchmesser und gut zwei Metern Länge, den dieser Troll durch die Gegend schleppte, gestützt auf Brust und Unterarme, die Hände auf Höhe der Leisten verschränkt; in dieser Haltung stolperte er mühsam vorwärts, die rechte Gesichtshälfte an den Stamm gepresst, mit zitternden Armen. Die Spitze der mächtigen Last schwankte bei jedem Schritt. Im Gegensatz zu Piergiorgio, der dem Schauspiel gebannt beiwohnte, blieb Puntoni völlig ungerührt, seine Aufmerksamkeit galt weiterhin der Fiorentina und den offenkundigen Schwierigkeiten der "Lilien", den Spielstand auszugleichen

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