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Tot durch Franken von Vorndran, Helmut (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.07.2012
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Tot durch Franken

Was steckt hinter dem Verschwinden gleich zweier Bischöfe aus Bamberg. Warum wird in Kulmbach eine ganze Geburtstagsgesellschaft vergiftet, und haben tatsächlich alle Selbstmörder Erlangens Suizid begangen? Dieses und andere Fragen beantwortet Helmut Vorndran in mörderischer Prosa und Lyrik. Abgeschmeckt mit bitterbösen Zitaten und rabenschwarzen Humor wird daraus ein Rundumschlag zum Thema des unnatürlichen Ablebens in Franken

Helmut Vorndran, geboren 1961 in Bad Neustadt/Saale, lebt mehrere Leben: als Kabarettist, Unternehmer und Buchautor. Als überzeugter Franke hat er seinen Lebensmittelpunkt ins oberfränkische Bamberger Land verlegt und arbeitet als freier Autor unter anderem für Antenne Bayern und das Bayerische Fernsehen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 254
    Erscheinungsdatum: 31.07.2012
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863581770
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 2922 kBytes
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Tot durch Franken

La Stazione

Das "La Stazione" war eine echte Ausnahmeerscheinung. Normalerweise plante ein Gastronom mit Anspruch sein Restaurant nicht inmitten der allergrößten Wüste. Vor allem als Italiener wollte man ja auch ab und an unter seinesgleichen weilen und nicht bar jeglicher Zivilisation in den Weiten der fränkischen Lande sanft entschlafen.

Doch auf den ersten Blick hatte Josef Sanfilippo genau das getan, indem er sich in der tiefsten Ödnis mit einem einsamen Wiesengrundstück als Nachbarn im Itzgrund niedergelassen hatte. Hier, am gefühlten Rande des Universums, war ein hübsches Restaurant mediterraner Prägung mit wunderschöner Terrasse und einem gigantischen Kinderspielplatz in den Itzwiesen entstanden.

Und tatsächlich waren im Laufe der Jahre immer mehr Raumschiffe mit Gästen aus dem Zentrum der Galaxis gekommen, etwa aus Coburg, Bamberg oder von noch weiter entfernten Planeten, um sich hier, im Vorzimmer der Zivilisation, mit deutsch-italienischer Küche verwöhnen zu lassen. Josef Sanfilippo, Sohn eines Fischhändlers aus dem sizilianischen Catania, hatte es geschafft, zum allgemein bekannten Geheimtipp zu avancieren. Dies war allerdings nur durch eiserne Disziplin und gezielte Auswahl seines Personals möglich geworden. Interessanterweise wurde in der Küche und hinter der Theke im seltensten Falle deutsch gesprochen, vielmehr herrschte eine seltsame Vielfalt europäischer Sprachen vor wie Russisch, Ukrainisch oder auch Thüringisch.

Es war ein lauer Samstagabend im Mai, und die letzten Gäste saßen noch auf der Terrasse, um sich genüsslich dem Rotwein hinzugeben, der im Glas kreiste. Eine weibliche Angestellte des Servicebereiches war bereits dabei, die wieder freien Tische zu säubern und alles für den nächsten Tag vorzubereiten. Ansonsten war niemand zu sehen, und auch die Küche war menschenleer. Es roch geradezu nach Betriebsratsversammlung oder interner Geburtstagsfeier, aber nichts dergleichen war im Gange. Nein, die Belegschaft des Restaurants "La Stazione" war im "Casa Catania" versammelt, was nichts anderes war als ein als Kühlraum getarntes Refugium für besondere Angelegenheiten und italienische Termine des Don Sanfilippo.

Auf einem einfachen Holzstuhl, dessen geflochtene Sitzfläche schon rechts und links ausfranste, saß Hans Aschenbach, Auszubildender im ersten Lehrjahr, aus dem thüringischen Heldburg.

Don Sanfilippo wollte den Stuhl schon seit Längerem in der Korbflechterstadt Lichtenfels reparieren lassen, aber da ihm die Polizei den Führerschein wegen Trunkenheit geklemmt hatte, war er seitdem nur noch heimlich mit seiner Vespa unterwegs und musste derartig mobiliarische Maßnahmen erst einmal verschieben.

Nicht verschieben würde er hingegen erzieherische Notwendigkeiten seinen Auszubildenden betreffend. Er, Josef, saß Hans Aschenbach ebenfalls auf einem Stuhl gegenüber und funkelte ihn drohend mit süditalienischem Blick an, während die restliche Belegschaft mit betroffenem Gesichtsausdruck um die beiden herumstand. Hans Aschenbach seinerseits war mit grauem Klebeband um den Oberkörper an seinen Stuhl gefesselt, seine mageren Füße standen in einem großen verzinkten Blecheimer. Mit großen Augen starrte er seinen Chef an. Eigentlich hätte man erwarten können, die blanke Panik würde in ihm fröhliche Urstände feiern, aber nichts dergleichen passierte: Der Auszubildende Aschenbach wirkte eher leicht amüsiert als alles andere.

Vor seinem Mund schwebte ein kleiner Kaffeelöffel mit einer noch kleineren Portion des heutigen Desserts. Er wurde gehalten von den kurzen, dicken Fingern seines Chefs. Der Dessertlöffel näherte sich unerbittlich seinen zusammengekniffenen Lippen. Jetzt wurde es Hans Aschenbach doch ungemütlich. Verzweifelt und an den Stuhl gefesselt wollte er mit diesem nach hinten rutschen, was ihm aber nicht gelang, denn der muskulöse Chefkoch aus Kiew, Dimitri Guseva, wusste derartige Ortsveränderungen zu verhindern.

"Iss das", befah

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