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Tote sind auch nur Menschen von Metzler, Andree (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.08.2018
  • Verlag: Midnight
eBook (ePUB)
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Tote sind auch nur Menschen

Bestatterin wider Willen
Annelie reicht es: Schon wieder ist ein potentieller Traummann aus Versehen in den Leichenkeller ihres Vaters gestolpert und hat verstört das Weite gesucht. Sie muss endlich ausziehen, weg vom familiengeführten Bestattungsunternehmen in Thüringen. Doch kaum, dass sie zwei Tage außer Landes ist, erreicht sie die Nachricht, dass ihr Vater einen Schlaganfall hatte. Schweren Herzens kehrt Annelie zurück um den Laden wenigstens vorübergehend zu schmeißen. Doch nichts läuft wie es soll: Trauerredner Klaus ist mit seinen sozialistischen Reden einfach aus der Zeit gefallen und die Floristin kann leider Orange von Pink nicht unterscheiden. Und dann geht Annelie auch noch eine Leiche verloren. Gemeinsam mit dem gut aussehenden Max, dem Sohn der Verblichenen, macht Annelie sich auf die Suche nach der scheinbar sehr lebendigen Toten...

Andree Metzler, 1966 im Sternzeichen Zwilling geboren, erlernte zwei technische Berufe, um dann Jura zu studieren, jobbte als technischer Zugbegleiter auf einem Nachtzug, als Doorman im Hotel Adlon und Barkeeper in einem Musicaltheater. Nach dem Studium lockten die Medien. Er verfasste Käpt-Blaubär-Geschichten für eine Verkehrsfibel, war mit Santiano in Irland unterwegs und unternahm 'Eine kulinarische Entdeckungsreise durch Brandenburg', begleitete die Entstehung der AIDAdiva ebenso wie einen Tunnelvortrieb von Herrenknecht. Für seinen Erstling recherchierte er eine ganz andere Branche: das Bestattungswesen. Er meditiert am liebsten beim Kochen, spielt Theater und ist mit einer Perserin liiert, alles in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 340
    Erscheinungsdatum: 06.08.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958192096
    Verlag: Midnight
    Größe: 2958 kBytes
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Tote sind auch nur Menschen

5

In ihrer Dachkammer sitzt Annelie an ihrem kleinen Eichenholzschreibtisch vor dem geöffneten Fenster und betrachtet die majestätische Stadtkirche, deren Sandsteinfassade gerade im Sonnenlicht hell erstrahlt.

Liebe Mama, ich hoffe, es geht dir gut da oben!

Die Briefe an ihre Mutter beginnt sie immer so, wie sie auch vorher immer einen kurzen Blick auf die Kirche richtet, jenen Ort, an dem sie Abschied nehmen musste.

Mama, ich bin verzweifelt! Immer wenn ich einen Mann kennenlerne, ist der schneller wieder weg, als ich Sargdeckel sagen kann. Immer wieder erlebe ich diese kleinen Tode. Wie jetzt mit Jonas. Der ploppte auf dem Frühlingsfest drüben in Neustadt so unverhofft und süß in meinen Abend. Er sah toll aus, groß und dunkelhaarig, mit so einem niedlichen Grübchen am Kinn. Und dann kam er und ... wir gingen bald ... Schon beim ersten Kuss, an der Bushaltestelle, wurde mir ganz anders. Wir sind schnell zu mir, es war so wunderschön. Dann aber? Klosuche, Leichenkeller, weg! Wie immer. Und weißt du was? Ich glaube, ich muss hier auch weg.

Unten von der Straße hört Annelie plötzlich den Zweitaktmotor von Hannos alten Barkas-Leichenwagen aufheulen. Dieses typisch hektische Heulen der DDR-Zweitaktmotoren ist in Sonneberg selten geworden, denkt Annelie und freut sich, denn so erkennt sie immer, wenn Hanno mit seinem Barkas in den tieferliegenden Hof hinter dem Bestattungshaus rangiert.

Liebe Mami, ich muss Schluss machen. Hanno rangiert schon, und der Brief soll ja heute noch an dich raus. Eins noch: Was soll ich machen? Ich bin so unsicher. Soll ich wirklich weggehen nach München, so wie Frau Wächter meinte? Oder soll ich bleiben und Bestatterin werden, was meinst du? Gib mir ein Zeichen, wie immer, bitte! Und schnell! Ich drücke dich fest!

Deine Anni

Routiniert faltet und verklebt Annelie den Brief. Küsst ihn flüchtig und rennt über jede zweite Stiege hinab in den Leichenkeller. Dort liegt der Leichnam von Frau Klawitter in einem rustikalen Holzsarg aus Eiche zum Abtransport in die Kapelle bereit. Die alte Frau war nach einem Herzinfarkt auf der Intensivstation verstorben. Hanno hatte auch diesen Tod zeitlich genau vorhergesagt. Obwohl sie Hannos außergewöhnliche Fähigkeit hinreichend kennengelernt hat, findet Annelie es immer noch gruselig. Dann ortet sie kurz, wo sich dem Geräusch nach der alte Barkas gerade befindet. Hanno braucht Gott sei Dank noch etwas Zeit, bis der Leichenwagen im Hof richtig steht. Annelie hebt den noch nicht verschraubten Sargdeckel geschickt an und will gerade einen Schraubenzieher dazwischenklemmen, da vernimmt sie, wie draußen der Motor abgestellt wird und die Autotür klappt. Schnell und dennoch behutsam lässt sie den Sargdeckel wieder hinunter. In dem Moment öffnet Hanno die Hoftür. Sein Blick ist ernst. Annelie weiß, dass ihm ihre Absage vom Morgen immer noch in den Knochen steckt. Sie kennt ihren Vater nur zu gut. Er vergisst nicht so schnell.

»Ich möchte mich von Frau Klawitter verabschieden! Nimmst du mich mit auf den Friedhof?« Annelies Ton ist zugewandt und friedlich.

»Hmm.«

Hanno öffnet wortlos den zweiten Türflügel zum Hof, während Annelie schon mal den Sargdeckel verschraubt. Gemeinsam schieben sie den Sargwagen Richtung Auto, Hanno hebt den Sarg routiniert in die schon etwas wackelige Führung des Leichenwagens und lässt ihn dann ins Innere gleiten.

Mit Mühe quält sich der alte Leichenwagen mit seinen 43 PS den Berg zur Friedhofskapelle hinauf. Annelie sitzt still neben ihrem Vater und staunt wieder mal, wie er die riskante Steigung meistert. Hanno weiß genau, wie er schalten muss. Zuvor hatte er wie immer den Sarg mittels einer extra Seilwinde besonders gegen Verrutschen gesichert.

Als sie auf den Parkplatz hinter der Kapelle einbiegen, warten die Weikerts schon stoisch auf ihren Einsatz. Annelie mag Hannos Helfer nicht besonders, sie sind ihr zu

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