text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Tote Spur Verschollen in den Wäldern Kanadas Kriminalroman von Fradkin, Barbara (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.06.2014
  • Verlag: Aufbau-Verlag
eBook (ePUB)
7,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Tote Spur

Tödliche Kanutour. Hannah, Tochter von Inspektor Green, bricht mit ihrer neuen Liebe Scott Lasalle und zwei seiner Kumpel zu einer Kanu- und Trekking-Tour im Nahanni-Nationalpark auf. Doch Scott benimmt sich seltsam und scheint anderes im Sinn zu haben, als einen normalen Urlaub. Daheim wartet Green auf Nachricht von seiner Tochter. Als er nichts hört, wächst seine Unruhe und er kontaktiert die Nationalparkbehörden. Die wissen nichts von einer Tour, dafür aber von einem gestrandeten Kanu. Green ahnt Schlimmes und bricht mit seinem Kollegen Sullivan und zwei Rangern auf, Hannah zu suchen. Schon bald stoßen sie auf die erste Leiche ... "Ein Pageturner, so schnell wie die Strömung des berühmtem Nahanni River." Publishers Weekly. Barbara Fradkin, geboren in Montreal, studierte Psychologie und arbeitete als Kinderpsychologin, bevor sie sich entschloss, sich ganz dem Schreiben zu widmen. Die dreifache Mutter hat zahlreiche Kurzgeschichten und acht Kriminalromane veröffentlicht. Bei Aufbau Taschenbuch erschienen bisher ihre Romane "Tote Spur. Verschollen in den Wäldern Kanadas" (2014) und "Die Toten in den Klippen"(2016). Mehr Informationen zur Autorin unter www.barbarafradkin.com

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 432
    Erscheinungsdatum: 17.06.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783841207609
    Verlag: Aufbau-Verlag
    Originaltitel: The Whisper of Legends
    Größe: 1936 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Tote Spur

KAPITEL EINS

Nahanni, 4. Juli

Flüsternd, beinahe geräuschlos glitt der Fluss an Hannahs Zehen vorbei. In der späten Abendsonne glänzte seine Oberfläche wie polierte Bronze. Dankbar atmete sie tief durch und schaute hinüber zum anderen Ufer, wo die zerklüftete Silhouette der Schwarzfichten vor den fernen Gipfeln der Mackenzie Mountains aufragte.

So friedlich jetzt!

Hannah presste die Handflächen gegen den Felsen, auf dem sie saß, und konnte kaum glauben, dass er sich nicht gleich bewegen würde. Vor ihrem inneren Auge brodelte und rauschte der Fluss immer weiter, aus feinen Schaumnebeln tauchten unaufhörlich neue Felsblöcke auf. In ihrem Kopf hämmerte es. Jeder Muskel in ihrem Körper zitterte vor Erschöpfung.

Drei anstrengende Tage lang hatten sie mit dem Wildwasser am Oberlauf des South Nahanni River gerungen. Atemberaubende Wildnis hatte Scott ihr versprochen, als er ihr die Reise schmackhaft machte. Und aufregende Stromschnellen mit einem Schwierigkeitsgrad von II – IV auf einer Strecke von sechzig Kilometern. Ihm war klar, dass sie einen ordentlichen Adrenalinstoß zu schätzen wusste; je abgelegener und wilder, desto besser – aber das hier war mehr als wild. Es war selbstmörderisch.

Sie hatten drei lange Tage hinter sich, hatten erkundet und diskutiert, hatten versucht, den Fluss zu lesen und ihre Route durch Felsen und tückische Wasserwalzen zu planen. Scott ging ihr allmählich auf den Geist. Er wirkte unkonzentriert und kopflos, als hätte er es eilig, irgendwohin zu kommen, und nicht die Zeit, sich an der Reise zu erfreuen. Umgeben von fantastischen, mit Gletschern bedeckten Berggipfeln und Urwäldern aus Schwarzfichten, galt es doch, die Kanutour zu genießen. Jede Biegung sollte ausgewertet werden, um den sichersten Paddelkurs zu planen, jedes Kehrwasser sollte als Rastplatz dienen, um die rosa Wildblumen am Ufer zu bewundern und die Berghänge nach Schafen abzusuchen. Hier lebten Alaska-Schneeschafe, hatte Scott ihr erklärt, als ob diese seltenen, scheuen Geschöpfe sich Gottes besonderer Gunst erfreuten. Nicht dass sie an Gott glaubte, aber hier oben, unter den erhaben aufragenden Gipfeln und einem Himmel, der von einem Blau war, wie man es in der Stadt niemals sah – hier hörte selbst Hannah das leise, eindringliche Wispern von etwas Göttlichem.

Wozu also die Eile? Seit die Twin Otter ihre Gruppe samt Ausrüstung im Quellgebiet des Nahanni abgesetzt hatte, wollte Scott nur noch so schnell wie möglich den Fluss runterfahren. Anstatt den Nervenkitzel jeder erfolgreich gemeisterten Strecke auszukosten und am Ende im Kehrwasser anzuhalten, sich zu erholen und zu feiern, hatte er sie in halsbrecherischem Tempo durch die flache Strömung der berüchtigten Rock Gardens getrieben, in denen es von Felsblöcken nur so wimmelte. Drei Tage lang hatte Hannah gekantet, rückwärts gepaddelt und gegen jede Welle gekämpft, die vor ihnen anschwoll. Die unablässigen, aufwühlenden Überraschungen, die der Fluss ihnen bereitete, hatten sie erschöpft und in einen tranceartigen Zustand versetzt.

Am Mittag des dritten Tages rebellierte ihr Kanu. Rammte mitten in den Hollywood Rapids einen Felsen, kenterte und schleuderte Scott und sie in den rasenden Schaum. Sie erinnerte sich, wie sie in eiskalte Dunkelheit stürzte und sich abrackerte, um sich so zu positionieren, wie sie es gelernt hatte: Augen flussabwärts, Rückenlage, Gefahren im Blick.

Sie war die Stromschnellen hinuntergeritten, beinahe taub vom Tosen des Wassers. Ein glatter, glänzender Felsblock tauchte vor ihr auf. Zu spät hatte sie die Arme nach rechts geworfen. Ihr Kopf prallte gegen den Stein, der Helm krachte, ihr ganzer Körper wurde durchgerüttel

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen