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Totenbleich von Katz Krefeld, Michael (eBook)

  • Erschienen: 17.08.2015
  • Verlag: Goldmann
eBook (ePUB)
8,99 €
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Totenbleich

Der Kopenhagener Detective Ravn ist vom Dienst suspendiert, seit er nach der Ermordung seiner Freundin Eva einen Zusammenbruch erlitt. Voller Selbstvorwürfe lebt Ravn nun auf einem alten Boot im Christianshavn-Kanal und ertränkt seinen Kummer im Alkohol. Erst als ihn ein Freund bittet, eine junge Frau zu suchen, die vor Jahren spurlos verschwand, kehrt Ravn durch die Ermittlungen langsam ins Leben zurück. Diese führen ihn von der Unterwelt Kopenhagens ins dunkelste Rotlichtmilieu Stockholms, wo mehrere tote Prostituierte gefunden wurden - kunstvoll präpariert und weiß bemalt ...

Michael Katz Krefeld, 1966 geboren, wohnt in Kopenhagen und Berlin. Er arbeitet als Creative Producer bei einer TV-Gesellschaft. Daneben schreibt er Drehbücher für namhafte dänische Fernsehserien. Sein erster Roman 'Die Anatomie des Todes' wurde in Dänemark als 'Bestes Krimidebüt' ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Größe: 1007kBytes
    Reihe (Teil): Ravn Bd.1
    Herausgeber: Goldmann
    Untertitel: Thriller - Ein Fall für Ravn 1
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 416
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783641153373
    Erschienen: 17.08.2015
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Totenbleich

4

Es war 03.30 Uhr, und die vier Männer im Hinterzimmer von Kaminskij spielten seit über fünf Stunden Texas Hold'em. Die Verteilung der Chips war bis jetzt ziemlich gleichmäßig gewesen, doch allmählich zeichnete sich eine deutliche Tendenz ab. Die höchsten Chipstapel lagen vor Igor und Lucian, einem schwergewichtigen Serben mittleren Alters, der eine Hose in Tarnfarben und ein Hawaiihemd trug. Es war nur eine Frage der Zeit, bis die beiden anderen Spieler, Milan und Rastko, am Ende sein würden. In dem kleinen Raum roch es nach Schweiß und Zigarettenqualm sowie nach der Rote-Bete-Suppe, die in der Teeküche auf dem Herd stand und in der Kaminskij behutsam rührte. Wer ausschied, bekam als schwachen Trost für seine Verluste einen Teller Suppe - so war das bei Kaminskij.

Aus dem vorderen Zimmer hörte man Gäste rufen, die vor dem Fernseher saßen und das Fußballspiel irgendeiner osteuropäischen Liga ansahen. Zu Kaminskij kam man, um Sport zu gucken, Karten zu spielen, zu trinken und Geschäfte zu machen - Geschäfte, die in der Regel das Tageslicht scheuten. Die meisten Gäste stammten aus den Ländern um den Kaukasus, aus Weißrussland, der Ukraine und den Baltischen Staaten. Allesamt ehemalige Sowjetrepubliken, was dem ehemaligen Friseursalon in der Colbjørnsensgate den Spitznamen "Little Soviet" eingebracht hatte. Wohl auch deshalb, weil Kaminskij mit seinem buschigen Schnurrbart und der unberechenbaren Laune bedenklich an den alten Stalin erinnerte.

Milan wischte sich die schweißnassen Hände an seinem Hemd ab, ehe er seine letzten Chips in den Pot schob. Er warf einen verstohlenen Blick auf die Suppe, als ahnte er bereits, dass diese Runde seine letzte werden würde. "Wahnsinnsgeschichte, das mit diesen Minenarbeitern, die sie da rausgeholt haben ..."

Rastko, der ihm gegenübersaß, kratzte sich gähnend seinen graumelierten Vollbart. "Wenn das nicht alles Homos sind, die es da unten miteinander getrieben haben, dürften die nach zwei Monaten ganz schön spitz sein."

Milan lehnte sich grinsend zurück. "Gehst du mit, Igor?"

Igor nickte und erhöhte den Einsatz um 500 Euro. Er bemerkte das leichte Zucken von Lucians Auge. Diese Runde war seine, ganz gleich, wie sehr Lucian den Einsatz erhöhen würde. Verdammt, es lief noch viel besser als erwartet. Je höher sein Chipstapel geworden war, desto mehr war er versucht gewesen, sich zu Kaminskij umzudrehen, um einen anerkennenden Bick einzuheimsen, doch er hatte der Versuchung widerstanden.

"Ich hab gehört, dass einer der Bergleute von seiner Frau und seiner Geliebten erwartet wurde, als er aus dem Schacht rauskam - das dürfte ziemlichen Ärger gegeben haben", sagte Milan und lachte so sehr, dass sein ganzer Körper bebte.

"Wahrscheinlich wäre er am liebsten gleich wieder in den Schacht gesprungen", entgegnete Rastko.

Lucian warf wütend seine Karten weg. "Wird hier gespielt oder über Weiber gequatscht?"

Igor drehte das Blatt und zeigte seine beiden Neunen, die zusammen mit den Karten, die auf dem Tisch lagen, sowie den Gemeinschaftskarten mehr als ausreichten, um ihm den Einsatz zu sichern. Er schaufelte die Chips zu sich hin. Da Rastko und Milan sich nun ihrer Suppe widmeten, saßen nur noch Igor und Lucian am Tisch.

Sie spielten eine weitere Stunde, ohne dass Chips in größerer Zahl den Besitzer wechselten. Igor hatte vor Lucian nur 1000 Euro Vorsprung - zu wenig, um eine Entscheidung zu erzwingen. Obwohl er bis jetzt reichlich Gewinn gemacht hatte, strapazierte die Situation seine Nerven. Lucian war erschöpft, ausgelaugt von den vielen Stunden am Spieltisch, ein wenig zu betrunken vom Sliwowitz, zu rotäugig von den Drina-Zigaretten, die er ohne Unterlass rauchte. Eigentlich wirkte er wie ein leichtes Opfer, doch bis jetzt hatte er es vermieden, in die Fallen zu tappen, die Igor immer wieder für ihn auslegte.

Als die nächste Runde begonnen hatte, sah Igor sofort, dass Lucian

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