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Totenstille Denn das wahre Böse ist lautlos. Kriminalroman von Dean, Will (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 31.10.2019
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)

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Totenstille

Als die junge Journalistin Tuva Moodyson in das nordschwedische Gavrik zieht, erschüttert ein grausamer Mord die Kleinstadt. Die Tat trägt die Handschrift des Medusa-Killers, der vor zwanzig Jahren sein Unwesen trieb und nie gefasst wurde. Tuva weiß, dass diese Story ihre große Chance sein könnte. Doch die Journalistin hat zwei Handicaps: Sie ist gehörlos, und sie fürchtet sich vor dem Wald. Ihre Schwächen könnten ihr allzu leicht zum Verhängnis werden. Denn je tiefer sie in den rätselhaften Fall eintaucht, desto weiter muss sie sich in das Dickicht des Waldes vorwagen, wo ein Gegner auf sie wartet, der ihre dunkelsten Ängste übertrifft ... Will Dean wurde in den englischen Midlands geboren. Nach seinem Studium an der London School of Economics arbeitete er einige Zeit in der englischen Hauptstadt, bevor es ihn der Liebe wegen nach Schweden zog, wo er ein Holzhaus mitten im Wald nördlich von Göteborg baute, in dem er nun mit seiner Familie wohnt. Sein Krimidebüt wurde für den beliebten 'Zoe-Ball-Bookclub' ausgewählt und vielfach begeistert besprochen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 428
    Erscheinungsdatum: 31.10.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732577910
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: Dark Pines
    Größe: 2291 kBytes
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Totenstille

1

Gavrik, Schweden

E in Elch tritt aus dem Dickicht zwischen den Tannen. Er ist riesig und wiegt bestimmt eine halbe Tonne, wenn nicht mehr. Ich stampfe auf die Bremse, und mein Truck erbebt, als sich die Winterreifen in den Schotter graben. Dann schiebe ich meinen Pferdeschwanz zur Seite und schalte meine Hörgeräte ein. Es ertönt die Einschaltmelodie des Herstellers, und ich kann hören. Der Elch ist dreißig Meter entfernt, enorm groß und steht einfach nur da.

Mein Motor brummt im Leerlauf. Ich denke an den Unfall meines Vaters vor zwölf Jahren, an das, was von seinem Wagen übrig war, und knalle meine Faust auf die Hupe. Lärm flutet meinen Kopf, aber es ist nicht das echte Geräusch, so wie jeder andere es wahrnehmen würde. Ich höre eines, das von den Kunststoffkringeln hinter meinen Ohren verstärkt ist. Die Hupe erfüllt ihren Zweck, und der Elchbulle trottet über den Weg. Seine Hoden hängen tief zwischen den knochigen braunen Beinen.

Ich beschleunige ein wenig und folge ihm. Mein Herz klopft zu schnell und zu stark. Der Elch wandert zu einem Sonnenflecken weiter vorn und bleibt stehen. Er ist prähistorisch, ein Riese, vollkommen wild, uralt und höher als mein gemieteter Pick-up. Ich bremse, boxe erneut auf die Hupe, doch das Tier sieht nicht verängstigt aus. Inzwischen keuche ich. Schweißperlen stehen auf meiner Stirn. Es ist nicht genug Sauerstoff im Wagen. Hier gibt es keine Polizei, und weder vor noch hinter mir sind Scheinwerfer zu sehen.

Das Fell auf dem Geweih schimmert in der Sonne, und dann schwenkt der Bulle seinen schweren Kopf in meine Richtung. Seine Haltung verändert sich. Um mich herum verdunkelt sich der Utgard-Wald, und der Elch stampft mit dem Huf auf, sodass die dünne Eisschicht auf einem Schlagloch zerbricht. Meine Scheinwerfer erfassen aufspritzendes Schmutzwasser, das auf sein Fell sprüht. Dann sieht er mich direkt an, senkt den Kopf und stürmt los.

Ich bremse, lege den Rückwärtsgang ein und drücke die dicke Gummisohle meines Stiefels mit Schwung aufs Gaspedal. Mein Schrei klingt fremd. Der Wagen braust rückwärts und schafft Raum zwischen mir und dem Elchbullen; zwischen meinem Gesicht und seinem; meiner gerunzelten Stirn und seinem steinharten Geweih.

Ich hole mein Handy aus der Tasche und lege es mir auf den Schoß, obwohl jeder weiß, dass man im Utgard-Wald kein Netz hat. Mein Blick huscht zwischen Windschutzscheibe und Rückspiegel hin und her. Ich versuche, gleichzeitig nach vorn und nach hinten zu sehen, und da ist eine flüchtige Bewegung zwischen den Bäumen, ein grauer Umriss, ein Mensch vielleicht, doch er ist sofort wieder verschwunden. Das ist alles meine Schuld. Ich hätte nicht hinter dem Elch herfahren dürfen. Durch sein Geweih sehe ich den trüben Himmel, und im Geiste rufe ich nach meinem Vater. Ich rumple durch Schlaglöcher und über Zweige, und diese dunklen Augen sind immer noch in meinem Scheinwerferlicht. Mit dreißig Stundenkilometern im Rückwärtsgang. Mein Handy rutscht von meinem Schoß und fällt klappernd in den Fußraum. Mein linker Reifen verfängt sich in einem Schlagloch, und ich muss scharf zur Seite lenken, um wieder rauszukommen. Da trifft das Geweih auf meine Stoßstange. Metallisches Kreischen schrillt in meinen Ohren, und ich kann nichts sehen. Ich fühle meinen Fettstift, der mir in den Oberschenkel sticht, und dann blenden mich Scheinwerfer im Rückspiegel.

Hinter mir in der Ferne ist ein Truck oder ein Traktor. Jemand kommt direkt auf mich zu. Das sollte mich freuen, tut es aber nicht. Dieser Weg ist nur breit genug für einen von uns. Das Geweih schabt wieder an meiner Kühlerhaube, und ich verziehe das Gesicht bei dem Kreischen. Mein Mund ist trocken, und mir ist heiß in meinem Pullover. Ich werde den anderen Wagen rammen, während mich von vorn der Elch rammt.

Und da höre ich den Schuss.

Der Elch prescht auf die Bäume zu, springt über einen Graben und flieht in den dunklen W

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