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Trost Roman von Brown, Andrew (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 22.09.2014
  • Verlag: btb
eBook (ePUB)
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Trost

Sie versprechen Frieden. Aber vorher kommt der Tod ... In einer Synagoge wird die Leiche eines muslimischen Jungen in Gebetskleidern gefunden. Grausam hingerichtet in einer merkwürdigen Opferzeremonie. Inspector Februarie soll den Fall klären. Und zwar schnell. Denn als die Öffentlichkeit von dem Mord erfährt, droht die Stadt von einer Woge der Gewalt überschwemmt zu werden. Plötzlich stehen sich Vertreter aller religiösen Gesinnungen feindlich gegenüber. Islamistische Unruhestifter, zwielichtige Sicherheitsbeamte und ein mächtiger Pastor, der die Lage für sich auszunutzen weiß. Und auf den Straßen Kapstadts geraten die ersten Demonstrationen außer Kontrolle. Februarie und die jüdische Sozialarbeiterin Yael Rabin ahnen jedoch, dass der Fall komplizierter ist, als es auf den ersten Blick scheint. Andrew Brown, 1966 in Kapstadt geboren, war während der Apartheid u.a. in der United Democratic Front aktiv und wurde mehrere Male in Haft genommen. Eine mehrjährige Gefängnisstrafe konnte durch ein Berufungsverfahren am Cape High Court abgewendet werden. Am selben Gericht ist Andrew Brown inzwischen als Anwalt tätig. Als Reservepolizist ist er jede Woche auf den Straßen Kapstadts und in den Townships im Einsatz. "Schlaf ein, mein Kind" wurde mit dem wichtigsten Literaturpreis Südafrikas ausgezeichnet und stand in Deutschland auf der KrimiWelt-Bestenliste. Sein Roman "Würde" war auf der Shortlist für den renommierten Commonwealth Writer's Prize. Andrew Brown gilt als die neue Stimme in der Literatur Südafrikas. Er ist verheiratet und hat drei Kinder. "Letztlich kommt mir das Streben nach Gerechtigkeit wie ein Tanz vor, der sich völlig unvorhersehbar entwickeln kann, ohne Choreograf und ohne das sichere Wissen, wer führt und wer folgen muss. Das liefert einem Schriftsteller zweifelsohne reichlich Stoff, das menschliche Wesen zu erkunden - von seinem sicheren Platz im Zuschauerraum aus." Andrew Brown

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 22.09.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641101473
    Verlag: btb
    Originaltitel: Solace
    Größe: 1274 kBytes
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Trost

Drei

Eberard blieb an der Kreuzung stehen. Die Ampel hatte sich gegen ihn entschieden. Der Wind schaukelte seine Limousine leicht hin und her. Der kastenförmige Toyota Corolla hatte schon bessere Tage gesehen. Der grüne Lack war vom Parken in der Sonne ausgebleicht, die Heckscheibe hatte einen Riss, und die Karosserie rostete. In einer Ecke des Kofferraums gab es ein Loch mit braunem Rand, durch das Regenwasser eindrang. Manchmal konnte Eberard den modrigen Teppich und den schwarzen Schimmel in den durchgesessenen Sitzen riechen. Im Handschuhfach war ein Polizeifunkgerät angebracht, die einzige Ergänzung zu einem kaum mehr funktionierenden Wagen, den er nicht durch einen neuen ersetzen konnte. Von seinem mickrigen Gehalt war es ihm kaum möglich, monatlich Christines Unterhalt zu zahlen. Der Motor stotterte und ließ das Auto zittern, während es an der Ampel stand und wartete.

Obwohl die Sonne gerade erst aufgegangen war, herrschte auf der Main Road von Sea Point bereits Hochbetrieb. Eberard spürte noch die kühle Feuchtigkeit der Nacht, schwer von Wasserdunst und Nebel, der vom Ozean kam. Die Taxibusse begannen schon vorüberzudonnern, und die Schaffner steckten ihre Köpfe in die kalte Luft hinaus, um frühmorgendliche Passagiere zu finden und sie herbeizurufen. Ein rumpelndes Müllauto wendete auf der Kreuzung, wobei seine breite Stoßstange beinahe die Motorhaube des Toyotas mitnahm, ehe es in einer Wolke aus Gestank und den Rufen der Männer, die sich hinten festhielten, davonbrauste. Einige der kleineren Geschäfte hatten ihre Lichter angeschaltet, und die Besitzer waren mit Besen und Wischmopp beschäftigt, sich für einen weiteren Tag zu rüsten. Die koschere Claremont-Metzgerei mit ihrem griechisch anmutenden weißblauen Äußeren, der türkische Schawarma-Express, der chinesische Chop-Chop-Imbiss – ein ganzes Spektrum exotischer Küchen, die alle nach Aufmerksamkeit gierten. Doch der Glanz von Sea Point war bereits seit Jahren vergangen, als die eleganten Jachten und die luxuriösen Einkaufszentren an der Victoria & Albert Waterfront Einzug hielten. Die Main Road wirkte nun vergessen und verblichen, und ihre vielen kleinen Geschäfte wetteiferten um die schwindende Kundschaft.

Eberard beobachtete ein Pärchen, wie es den Bürgersteig entlanglief, zögerte und am Bordstein stehen blieb. Der Mann trug einen schwarzen Anzug, seine Ringellocken schauten zerdrückt unter einem hässlichen Hut mit einer schwarzen Krempe hervor. Unter seiner Jacke war ein Stück weißer Stoff zu sehen und flatterte im Wind. Die Frau hatte ein kariertes Kleid an, das ihr bis zu den Knöcheln reichte. Ihr frisiertes Haar wirkte steif, als ob es nicht zu ihr gehören würde. Mit einer Hand hielt sie einen großen grünen Hut auf dem Kopf fest. Eine seltsame Art, sich in Afrika zu kleiden, dachte Eberard. Die beiden erinnerten ihn an einen Fernsehfilm, den er zusammen mit Angel gesehen hatte, während sie auf seinem kaputten Sofa Brandy tranken. Ein Ritter aus König Artus' Tafelrunde fand sich plötzlich in unserer Zeit in den Straßen Brooklyns wieder, wo er nun überleben musste. Immer wieder fuchtelte er mit seinem Schwert vor Bettlern und wütenden New Yorkern hin und her. Für Angel war Fernsehen ein interaktives Theater. Sie hatte gelacht und die Figuren beschimpft, wie ein Kind, das hoffte, den Verlauf der Geschichte beeinflussen zu können. Er hatte mit ihr gelacht, froh, abgelenkt zu sein. Doch letztendlich ließ ihn die verzweifelte Situation der Hauptfigur und auch seine eigene verstummen. Er hatte das Gefühl, in der Realität, für die er nur schlecht ausgerüstet war, ebenfalls zu straucheln und von einer Krise zur nächsten zu s

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