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Twisted City von Starr, Jason (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Twisted City

Was tun, wenn dich ein Junkie mit dem gestohlenen Foto deiner gerade verstorbenen Lieblingsschwester erpresst? David Miller tut das Dümmste, was man tun kann: Er gibt nach. Von da an geht's bergab ...

Jason Starr, geboren 1966, wuchs im New Yorker Stadtteil Brooklyn auf und begann in seinen College-Jahren zu schreiben, zunächst Kurzgeschichten, später auch Theaterstücke, Texte für Comics und Romane. Seine Bücher sind in mehr als einem Dutzend Sprachen erschienen. Jason Starr lebt in New York.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 336
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257604672
    Verlag: Diogenes
    Größe: 1807 kBytes
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Twisted City

[16] 2

In der knappen halben Stunde, die ich bis zu meiner Wohnung in der West Eighty-first Street brauchte, sperrte ich Bankkonto und Kreditkarten und stellte mit Erleichterung fest, daß noch nichts abgebucht worden war. Ich hatte Horrorgeschichten über Identitätsklau gehört, weshalb ich später die Kreditgesellschaften anrufen und ihnen melden würde, daß meine Brieftasche gestohlen worden war. Morgen wollte ich dann darangehen, die unwichtigeren Karten zu ersetzen - Blockbuster-Video, United Health Club, die New Yorker Stadtbücherei, die Duane Reade Paybackkarte -, und mich um Ersatz für Sozialversicherungskarte und Führerschein kümmern, was mich einige Kopfschmerzen kosten dürfte.

Als ich in mein Apartment kam, dröhnte mir wie gewöhnlich Hip-Hop entgegen, und im Wohnzimmer roch es nach Haschisch. Ich war ein wenig überrascht, da Rebecca gesagt hatte, daß sie am Abend ausgehen wollte.

"Ich bin wieder da!" rief ich über den Flur zum Schlafzimmer, bezweifelte aber, daß sie mich bei dieser wummernden Musik hören konnte.

Ich ging in die kleine Küche. Heute morgen war noch ein Sechserpack Amstel im Kühlschrank gewesen, aber jetzt lag da nur noch ein leerer Karton.

[17] "Sorry, Mann, wir hatten Durst."

Ich blickte über die Schulter und sah Ray, einen von Rebeccas Discotänzern, grinsend in der Küchentür stehen. Ray war ein smarter Latino in engen Hosen und einem ebenso engen, gerippten T-Shirt Marke Ricky-Martin-Verschnitt, unter dem sich seine knochige Brust deutlich abzeichnete. Rebecca behauptete, Ray sei schwul, aber ich hoffte, daß sie log. Wenn sie mich wegen Ray oder sonstwem verlassen würde, wären eine Menge Probleme gelöst.

"Schon okay", sagte ich. "Ist wahrscheinlich sowieso besser, wenn ich heute nichts mehr trinke."

"Sie waren auf einer Fete?" fragte Ray, die Augen glasig vom Pot. "Kann ja wohl nicht wahr sein."

"Hab nur ein paar Bier gehabt", sagte ich.

"Trotzdem", sagte Ray. "Wir sollten gleich Eyewitness News anrufen, damit sie die Story bringen. David Miller knallt sich zu - weitere Einzelheiten um elf."

Ich war es gewohnt, daß sich Ray und Rebeccas sonstige Freunde über mich lustig machten; weil ich einen sicheren Job hatte, nicht allzuviel trank und keine Drogen nahm, behandelten sie mich, als wäre ich Mr. Clean.

Ray lachte, und ich nahm den Orangensaft aus dem Kühlschrank und trank direkt aus dem Karton.

"Ernsthaft", sagte Ray, "das mit dem Bier tut mir leid, Mann, aber wir mußten uns 'ne Runde antörnen für heute abend. Keine Sorge, dafür bringe ich nächstes Mal einen Sechser mit."

Jedesmal, wenn Ray kam, trank er mein Bier und vertilgte Lebensmittel aus dem Kühlschrank, und jedesmal versprach er, beim nächsten Mal was mitzubringen, tat es [18] aber nie. Mittlerweile war sein Spruch längst ein Running Gag.

Ich schüttete immer noch Orangensaft in mich hinein, als Rebecca in die Küche geschneit kam. Sie war vierundzwanzig, und niemand konnte dran zweifeln, daß sie phantastisch aussah. Ihr welliges, dunkelblondes Haar hing ihr bis halb auf den Rücken, der Körper war durchtrainiert und schlank, das Gesicht zierlich und püppchenhaft. Wenn man sie fragte, womit sie ihr Geld verdiente, antwortete sie: "Ich mache Modern Dance", was mich schwer beeindruckt hat, bis ich sie dann tanzen sah. Ein paar Wochen nach unserer ersten Begegnung bin ich zu einer Show gegangen, die sie mit Freunden in einem in Downtown gemieteten Saal aufgeführt hat, und ich war völlig überrascht, als ich sah, wie linkisch und ungelenk sie war. Nach diesem Abend litt ich nur noch, wenn sie von ihrer Tanzerei erzählte und es so ungeheuer ernst nahm, obwohl ich doch wußte, daß sie sich was vormachte. Dabei ließ sie den Tanzunterricht meist sausen, hörte keinen Wecker klingeln und gab sich

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