text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Unheilige Umtriebe Der zweite Fall für Hugh de Singleton von Starr, Mel (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.09.2015
  • Verlag: Brunnen Verlag Gießen
eBook (ePUB)
13,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Unheilige Umtriebe

Es war der neunte Tag im April 1365, und ich wachte bei Tagesanbruch auf. Anders als ein guter Malvasier wurde der Tag mit der Zeit nicht besser. Dieser Tag ist mir nicht deswegen in Erinnerung geblieben, weil ich so früh aufwachte, sondern warum - und wegen all der Dinge, die ich anschließend erledigen musste. Ich blinzelte den Schlaf aus den Augen und stolperte zur Tür. Als ich sie öffnete, hatte Wilfred, der Torwächter, bereits die Hand erhoben, um erneut anzuklopfen. 'Es ist Alan ... der Büttel. Man hat ihn gefunden.' Bampton Castle bei Oxford, 1365. Hugh de Singleton, Burgvogt und Chirurg, wird frühmorgens zu einem grausigen Fund gerufen. Alan, der Büttel des Dorfes, liegt in einer Hecke am Wegrand - mit zerfetzter Kehle und tiefen Kratzwunden am ganzen Körper. Sollte ein Wolf in der Gegend sein Unwesen treiben? Während Hugh den Toten untersucht, kommen ihm erste Zweifel. Aber er wird noch viele verschlungene Wege gehen müssen, bis er den rätselhaften Todesfall aufgeklärt hat.

Der Autor Mel Starr hat viele Jahre Geschichte unterrichtet und nimmt den Leser mit in das Leben und Denken des ländlichen Englands im 14. Jahrhundert. Er ist Experte für die Geschichte der Chirurgie und für Sprache und Kultur Englands im Mittelalter. Seine Krimis enthalten viel Zeit und Lokalkolorit und sind sorgfältig und detailgetreu recherchiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 01.09.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783765573552
    Verlag: Brunnen Verlag Gießen
    Serie: Hugh de Singleton Bd.2
    Originaltitel: A Corpse at St Andrew's Chapel
    Größe: 2232 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Unheilige Umtriebe

1

E s war der neunte Tag im April 1365, und ich wachte bei Tagesanbruch auf. Anders als ein Malvasier wurde der Tag nicht mit der Zeit besser.

Es hat schon viele Tage gegeben, an denen ich im Morgengrauen aufgewacht bin, und an die jeweiligen Umstände kann ich mich bereits nach drei Wochen nicht mehr erinnern. Dieser Tag ist mir nicht deswegen in Erinnerung geblieben, weil ich so früh aufwachte, sondern warum - und wegen der Dinge, die ich anschließend tun musste. Es ist schon merkwürdig, dass ein einziges außergewöhnliches Ereignis selbst das Alltägliche unauslöschlich in unser Gedächtnis einbrennt.

Ich habe in meinen fünfundzwanzig Lebensjahren noch andere denkwürdige Tage erlebt. Ich erinnere mich an den Tag, an dem mein Bruder Henry an der Pest starb. Ich war noch klein, aber ich weiß genau, wie Pater Aymer ihm die Letzte Ölung spendete. Pater Aymer trug einen Beutel mit Spezereien um den Hals, die ihn vor der Krankheit schützen sollten. Das taten sie jedoch nicht, und auch er erlag der Seuche binnen zweier Wochen. Ich sehe den Beutel noch immer vor mir, wie er an einer Hanfschnur vom Hals des Priesters baumelte, als der sich über meinen kranken Bruder beugte.

Ich erinnere mich auch ganz genau an den Tag im Jahr 1361, an dem William of Garstang starb. William und ich und zwei andere teilten uns eine Kammer in der St. Michael's Street in Oxford, während wir am Baliol College studierten. Ich tröstete William, als die zurückgekehrte Pest seinen Leib mit aufbrechenden Beulen übersäte. Für meinen geringen Dienst vermachte er mir mit den letzten Atemzügen die drei Bücher, die er besaß. Einer dieser Bände war die Chirurgie von Henry de Mondeville. Ich weiß nicht, wie William an dieses Buch gekommen war. Aber inzwischen erkenne ich in diesem Geschenk die Hand Gottes, denn ich las de Mondevilles Werk und entdeckte eine neue Berufung.

War es dann etwa auch Gottes Wille, dass William einen elenden Tod sterben musste, damit ich Gottes Absichten mit meinem Leben erkannte? Das kann ich nicht glauben, denn ich habe Williams Leib mit den eitrigen Pusteln gesehen. Ich kann einfach nicht hinnehmen, dass es Gottes Absicht sein soll, dass ein Mensch einen solchen Tod stirbt. In diesem Zusammenhang muss ich gestehen, dass ich nicht derselben Meinung bin wie Magister Wyclif. Der glaubt nämlich, dass alles vorherbestimmt ist. Aber Gott kann aus Bösem Gutes werden lassen, und ich glaube, das war der Fall, als er mich durch dieses Buch auf die Chirurgie stieß. Vielleicht gleicht das Gute, das ich mit meinen Fertigkeiten bewirken konnte, in irgendeiner Weise die Qualen aus, die William bei seinem Tod erlitten hat - wenn auch nicht für William selbst.

Ich erinnere mich ebenfalls gut an den Tag, an dem ich Lord Gilbert Talbot begegnet bin. Ich habe ihn wieder zusammengeflickt, nachdem das ausschlagende Pferd seines Knechts auf der High Street in Oxford sein Bein aufgeschlitzt hatte. Diese Näharbeit eröffnete mir ein Leben im Dienste von Lord Gilbert und den Bewohnern von Bampton, und sie verschaffte mir außerdem den Posten des Burgvogts auf Lord Gilberts Ländereien in Bampton.

Andere Tage sind mir weniger angenehm in Erinnerung. Den Weihnachtstag des Jahres 1363 werde ich nicht so schnell vergessen, ebenso das Fest, das an jenem Tag in Lord Gilberts Burg in Goodrich stattfand. Ich war von Bampton aus dorthin gereist, um Lord Gilberts Schwester, Lady Joan, zu behandeln. Die schöne Joan hatte sich bei einem Sturz vom Pferd das Handgelenk gebrochen, und ich wurde gerufen, um den Bruch zu schienen. Es war natürlich töricht von mir, zu glauben, ich könnte die Lady für mich gewinnen, aber die Liebe hat Männer schon zu größeren Dummheiten verleitet. Wenige Tage vor Weihnachten traf Sir Charles de Burgh als Gast in Goodrich ein. Lord Gilbert hatte ihn eingeladen, obwohl er wusste, dass er möglicherweise ein Dieb war. Und in der Tat stahl er am Ende etwas - nämlich

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen