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Unser Spiel von Carré, John le (eBook)

  • Erschienen: 27.12.2013
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Unser Spiel

Alle Romane von John le Carré jetzt als E-Book! - Tim Cranmer, britischer Ex-Agent führt mit seiner jungen Geliebten Emma ein ruhiges Leben auf dem Land. Bis ein ehemaliger Kollege, der Russlandspezialist Larry Pettifer, auftaucht. Sie waren immer schon Rivalen, doch nun steht plötzlich die attraktive Emma zwischen ihnen - eines Tages ist sie mit Larry verschwunden. Die Suche nach den beiden führt Tim quer durchs heutige Russland bis in den krisengeschüttelten Kaukasus. Ein raffiniertes Doppelspiel, in dem Täuschung, Verrat und Verschleierung die Regeln vorgeben.

John le Carré, 1931 geboren, studierte in Bern und Oxford. Er war Lehrer in Eton und arbeitete während des Kalten Kriegs kurze Zeit für den britischen Geheimdienst. Seit nunmehr über fünfzig Jahren ist das Schreiben sein Beruf. Er lebt in London und Cornwall.

Produktinformationen

    Größe: 3825kBytes
    Herausgeber: Ullstein
    Sprache: Deutsch
    Seitenanzahl: 384
    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    ISBN: 9783843708500
    Erschienen: 27.12.2013
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Unser Spiel

2

I ch gerate nicht so leicht in Panik, aber noch nie war ich so nah daran wie in dieser Nacht. Auf wen von uns hatten sie es abgesehen – auf Larry oder mich? Oder auf uns beide? Wieviel wußten sie von Emma? Warum hatte Tschetschejew Larry in Bath besucht, und vor allem: wann? Wann? Diese Polizisten waren nicht auf der Suche nach irgendeinem linken Dozenten, der mal für ein paar Tage abgetaucht war. Sie verfolgten eine Spur, sie witterten Blut, sie jagten jemanden, der ihre aggressivsten Instinkte weckte.

Aber für wen hielten sie ihn – Larry, meinen Larry, unseren Larry? Was hatte er getan? Dieses Geschwätz von Geld und Russen und Tschetschejew, von mir und Sozialismus und noch einmal von mir – wie konnte Larry irgend etwas anderes sein als das, was wir aus ihm gemacht hatten: ein zielloser englischer Revolutionär aus dem Mittelstand, ein ewiger Dissident, ein Amateur, ein Träumer, ein ständiger Verweigerer; ein zäher, hilfloser, lüsterner, verkommener, halbwegs kreativer Versager, der zu klug war, ein Argument kaputtzumachen, zu störrisch, sich mit einem fehlerhaften zufriedenzugeben?

Und für wen hielten sie mich – diesen alleinstehenden pensionierten Staatsbeamten, der seine Fremdsprachen mit sich selber spricht, Wein produziert und in seinem reizvollen Weingarten in Somerset den guten Samariter spielt? Sie sollten sich einen Hund halten, also wirklich! Wie kamen sie darauf, nur weil ich allein lebte, könnte mir etwas fehlen? Verfolgten sie mich, nur weil sie Larry oder Tschetschejew nicht zu fassen bekamen? Und Emma – meine zarte oder nicht so zarte verschwundene Herrin von Honeybrook –, wie lange noch, bis auch sie den beiden ins Visier geriet? Ich ging nach oben. Nein, falsch. Ich rannte nach oben. Das Telefon stand neben meinem Bett, aber als ich den Hörer abnahm und wählen wollte, wußte ich zu meiner Demütigung plötzlich die Nummer nicht mehr, etwas, das mir selbst bei den heikelsten Operationen meines ganzen geheimen Lebens nie passiert war.

Aber wieso war ich überhaupt nach oben gegangen? Unten im Salon stand ein einwandfrei funktionierendes Telefon, ein weiteres im Arbeitszimmer. Warum war ich nach oben gerannt? Ich erinnerte mich an einen fanatischen Dozenten, der uns während der Ausbildungszeit mit Vorträgen über Fluchtstrategien gelangweilt hatte. Wenn Menschen in Panik geraten, hatte er gesagt, fliehen sie nach oben. Treppen, Aufzüge, Rolltreppen, alles wird benutzt, Hauptsache, es geht rauf und nicht runter. Wenn das Haus gestürmt wird, sind alle, die nicht vor Schreck erstarrt sind, auf dem Dachboden.

Ich setzte mich aufs Bett. Ließ die Schultern sinken und versuchte sie zu lockern. Befolgte den Rat irgendeines Gurus aus einem bunten Prospekt zum Thema Selbstmassage und ließ den Kopf kreisen. Ich spürte keine Erleichterung. Ich ging über die Galerie zu Emmas Seite des Hauses, blieb vor ihrer Tür stehen und horchte, worauf, war mir selbst nicht klar. Das Klappern ihrer Schreibmaschine, wie es wahllos einen hoffnungslosen Fall nach dem anderen erfaßte? Ihr verliebtes Geflüster am Telefon, bis ich es nicht mehr an mich heranließ? Ihre Stammesmusik aus dem tiefsten Afrika – Guinea, Timbuktu? Ich drückte die Klinke. Die Tür war abgeschlossen. Von mir. Ich horchte noch einmal, ging aber nicht hinein. Fürchtete ich mich vor ihrem Geist? Vor ihrem offenen, anklagenden, allzu unschuldigen Blick, mit dem sie mir sagte: Bleib draußen, ich bin gefährlich, ich habe mir selbst angst gemacht, und jetzt mache ich dir angst? Auf dem Rückweg zu meiner Seite blieb ich vor dem hohen Fenster am Treppenabsatz stehen und blickte auf die fernen Umrisse der Gartenmauer, die vom fah

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