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Unter Verschluss Thriller von Iles, Greg (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 18.06.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Unter Verschluss

Penn Cage kennt den Tod wie seine Westentasche: Als Staatsanwalt in Houston hat er sechzehn Menschen in die Todeszelle gebracht. Doch nach dem plötzlichen Tod seiner Frau sehnt er sich nach Ruhe und Frieden. Mit seiner kleinen Tochter begibt er sich in die Stadt seiner Kindheit, um den Schatten der Vergangenheit zu entfliehen. Doch Natchez, Mississippi, ist nicht der Ort, um seine Trauer zu begraben. Ein dunkles Geheimnis umgibt diese Stadt im Süden der USA, ein Geheimnis, das mit den Rassenunruhen der 60er Jahre verknüpft ist, und an dessen Aufdeckung niemand Interesse bekundet. Doch Penn Cage ist ein zu integrer Staatsanwalt, um ungesühnte Verbrechen - zumal solche, die bis in die höchsten Kreise des amerikanischen Establishements reichen - dem Vergessen anheimzustellen. Eine junge und attraktive Journalistin unterstützt ihn bei den Recherchen, die beide in große Gefahr bringen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 699
    Erscheinungsdatum: 18.06.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732511662
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Größe: 1419 kBytes
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Unter Verschluss

1

I ch stehe in der Schlange vor der Disneyworld-Attraktion "It's a Small World", halte meine vierjährige Tochter auf den Armen und versuche ihr die Zeit zu vertreiben, während sich die serpentinenförmige Reihe wartender Eltern und Kinder langsam vorwärts bewegt. Ziel sind die flachen Boote, die zu den Klängen einer endlosen Musikschleife aus einer Grotte auftauchen. Plötzlich richtet Annie sich in meinen Armen auf und zeigt auf einen Punkt in der Menge.

"Daddy! Ich hab Mommy gesehen! Schnell!"

Ich schaue nicht hin. Ich frage nicht, wo. Und zwar deshalb nicht, weil Annies Mutter seit sieben Monaten tot ist. Ich stehe reglos in der Schlange und schaue wie alle anderen Leute hier - sieht man von den Tränen ab, die mir jetzt in den Augen brennen.

Annie deutet immer noch in die Menschenmenge; sie wird immer aufgeregter. Sogar in Disneyworld, wo Gefühlsausbrüche zum Tagesgeschäft gehören, zieht sie Blicke auf sich. Ich drücke ihren strampelnden Körper an mich und bahne mir einen Weg zurück durch die Wartenden, worauf Annie vollständig in Panik gerät. Die grünen Metallgeländer verlaufen zickzackförmig umeinander, sodass den Wartenden der Eindruck vermittelt wird, sie seien schon fast am Ziel. Ich schiebe mich an zahllosen Familien vorbei und erreiche schließlich den halbwegs offenen Platz zwischen Karussell und Dumbo.

Ich drücke Annie noch fester an mich, wiege sie und drehe sie sanft im Kreis, wie ich es getan habe, als sie noch ein Baby war. Eine große Gruppe Teenager strömt zu beiden Seiten an uns vorbei wie ein Fluss an einem Felsen - und sie schenken uns ebenso wenig Beachtung. Ein beklemmendes Gefühl der Sinnlosigkeit überwältigt mich, ein Gefühl, das ich vor der Krankheit meiner Frau nie kannte, das mich jetzt aber immer wieder überkommt und wie ein bösartiger Schatten mein Leben verdüstert. Ohne zu zögern, würde ich zehntausend Dollar für einen Hubschrauber bezahlen, der uns schnellstmöglich zurück ins Polynesian Resort Hotel bringt. Aber hier gibt es keinen Hubschrauber. Nur uns. Oder das, was seit Sarahs Tod von uns übrig ist.

Unser Urlaub ist zu Ende. Zeit, nach Hause zu fahren. Nur - wo ist zu Hause? Technisch gesehen in Tanglewood, einem Vorort von Houston. Doch Houston ist keine richtige Heimat mehr für uns. Unser Haus dort scheint jetzt so schrecklich leer - eine Leere, die sich von Zimmer zu Zimmer zieht.

Die meisten Menschen, die Penn Cage kennen, wären verblüfft, ihn so hilflos zu sehen. Ich bin jetzt 38 Jahre alt und habe 12 Männer und Frauen in die Todeszelle geschickt. Neun von ihnen habe ich sterben sehen. Ich habe getötet, um meine Familie zu verteidigen. Ich habe eine erfolgreiche Karriere abgebrochen, um eine zweite zu beginnen, die noch erfolgreicher war. Ich werde von meinen Freunden bewundert, von meinen Feinden gefürchtet und von den Menschen geliebt, die mir wichtig sind. Aber ich bin ohnmächtig angesichts der Trauer meines Kindes.

Ich atme tief ein, hebe Annie noch ein Stück höher und trete den langen Marsch zurück zur Monorail-Bahn an. Wir sind nach Disneyworld gekommen, weil Sarah und ich vor einem Jahr - noch vor der Diagnose - mit Annie hier waren und den schönsten Urlaub unseres Lebens verbrachten. Ich hatte gehofft, dass ein weiterer Besuch Annie ein bisschen Frieden schenken würde. Doch das Gegenteil ist geschehen: Sie wacht mitten in der Nacht auf und tapst ins Bad, um Sarah zu suchen; sie läuft mit ruhelos blickenden Augen durch die Themenparks und hält ständig nach dem verschwundenen Gesicht ihrer Mutter Ausschau. Annie glaubt, dass Sarah in dieser magischen Disney-Welt ebenso gut um die Ecke spazieren könne wie Cinderella. Als ich ihr geduldig erklärte, warum das nicht geschehen würde, erinnerte sie mich daran, dass Schneewittchen und Jesus beide von den Toten auferstanden seien. Im Denken einer Vierjährigen eine Tatsache, an der sich nicht rütteln lässt. Wir brauchen bloß Mommy zu finden, damit Daddy si

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