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Unter Wölfen - Der verborgene Feind Kriminalroman - Nürnberg 1942: Isaak Rubinstein ermittelt von Beer, Alex (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.10.2020
  • Verlag: Limes
eBook (ePUB)
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Unter Wölfen - Der verborgene Feind

Ein jüdischer Antiquar, getarnt als hochrangiger Nazi-Ermittler ... »Alex Beer kann einfach historische Spannung.« Emotion
Nürnberg, April 1942: Der jüdische Antiquar Isaak Rubinstein, der sich noch immer als Sonderermittler Adolf Weissmann ausgibt, lässt sich auf eine Liaison mit der Nazigröße Ursula von Rahn ein. Durch sie erhält er Zugang zu den höchsten gesellschaftlichen Kreisen und bekommt Einsicht in die Pläne der Gegenseite. Doch dann wird Nürnberg plötzlich von brutalen Morden erschüttert. Zwei junge Frauen werden erdrosselt aufgefunden. Ausgerechnet Isaak bekommt von Berlin die Order, den »Würger« aufzuspüren. Darüber hinaus hat er noch ganz andere Probleme: Seine Popularität hat Neider auf den Plan gerufen und besonders ein Mann könnte ihm gefährlich werden ...
Alle Bücher der Serie:
Unter Wölfen (Bd. 1)
Unter Wölfen - Der verborgene Feind (Bd. 2)
Die Kriminalinspektor-Emmerich-Reihe:
Der zweite Reiter: Ein Fall für August Emmerich (Bd. 1)
Die rote Frau: Ein Fall für August Emmerich (Bd. 2)
Der dunkle Bote: Ein Fall für August Emmerich (Bd. 3)
Das schwarze Band: Ein Fall für August Emmerich (Bd. 4)


Alex Beer, geboren in Bregenz, hat Archäologie studiert und lebt in Wien. Nach »Der zweite Reiter«, ausgezeichnet mit dem Leo-Perutz-Preis für Kriminalliteratur, »Die rote Frau«, nominiert für den Friedrich Glauser Preis 2019 und »Der dunkle Bote« erscheint im Mai 2020 der vierte, von den Fans lang erwartete Roman um August Emmerich. Neben dem Wiener Kriminalinspektor hat Alex Beer mit Isaak Rubinstein eine weitere faszinierende Figur erschaffen, die während des Zweiten Weltkriegs in Nürnberg ermittelt. Um es mit den Worten der Jury des Leo-Perutz-Preises zu sagen: »Was Alex Beer erzählt, betrifft auch die heutige Zeit, aber wie sie erzählt, lässt die ferne Vergangenheit lebendig werden.«

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 12.10.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641268503
    Verlag: Limes
    Größe: 2649 kBytes
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Unter Wölfen - Der verborgene Feind

2

Als der dunkle Horch, der gerade im Schritttempo an ihm vorbeigefahren war, ohne ersichtlichen Grund nur wenige Meter vor ihm stehen blieb, beschleunigte sich sein Herzschlag. War nun der Moment gekommen, den er seit Wochen fürchtete? Jener Augenblick, in dem das Damoklesschwert, das all die Zeit über ihm gehangen hatte, auf ihn herabsausen und seinem Dasein ein Ende bereiten würde?

Langsam öffnete sich eine der Türen im Fond, ein korpulenter Mann streckte seinen Kopf ins Freie und musterte ihn. »Weissmann«, rief er schließlich, wobei sein ausgeprägtes Doppelkinn wackelte. »Sie sind doch Adolf Weissmann?«

Isaak Rubinstein schluckte und nickte schließlich. »Der bin ich.«

»Sie sind sicher auf dem Weg zu Otto von Rahn«, rief der Mann. »Steigen Sie ein, ich nehme Sie mit.«

Wenn er ebenfalls bei den von Rahns eingeladen war, musste der Kerl ein hochrangiger Nazi sein. Die Vorstellung, auf engstem Raum Zeit mit ihm zu verbringen, auch wenn es nur wenige Minuten waren, ließ Isaak erschaudern. »Nein, danke«, winkte er ab. »Ich kann ein bisschen Bewegung gut gebrauchen, und es ist ja auch nicht mehr weit.« Demonstrativ setzte er seinen Weg fort. »Bis gleich«, sagte er, als er den Wagen passierte.

»Wie Sie meinen.« Der Mann zuckte mit den Schultern und schlug die Tür zu.

Isaak wartete, bis das Automobil außer Sichtweite war, dann atmete er erleichtert auf. »Nicht mehr lange«, redete er sich selbst gut zu. Nur noch diese eine Sache. Danach würde er endlich nach Berlin verschwinden und dort untertauchen. Endlich würde er seine Familie wiedersehen und Clara, seine große Liebe, die dort in einem Versteck auf ihn warteten.

Während er durch die von Bäumen gesäumten Straßen des Nürnberger Villenviertels Erlenstegen spazierte, blickte er nach oben in den Himmel, an dem graue Wolken stetig dahintrieben. Er stellte sich vor, ganz leicht zu sein, zu ihnen hochzusteigen und mit ihnen davonzuziehen. Fort. Weit fort. Hinaus aus dieser Stadt. Hinaus aus diesem Reich. An einen Ort, an dem er wieder er selbst sein konnte, an dem seine Familie in Sicherheit war und an dem er und Clara nichts weiter als gewöhnliche Liebende wären.

Doch er war zu schwer für den Wind, schleppte zu viel Gewicht mit sich herum. Darum musste er noch bleiben. Noch für einige wenige Stunden war er gezwungen, die Rolle seines Lebens zu spielen.

Isaak Rubinstein gab Adolf Weissmann.

Er war ein Jude unter Nazis, ein Lamm unter Wölfen.

Isaak hatte - zugegeben nicht ganz freiwillig - die Identität eines mittlerweile toten Kriminalinspektors angenommen, immer in der Hoffnung, etwas für die elf Millionen Juden tun zu können, die die Nazis auszulöschen gedachten.

In Weissmanns Namen hatte er sich offiziell für einen Monat vom Dienst beurlauben lassen und war eine Liaison mit Ursula von Rahn eingegangen. Die schöne Sekretärin von Gestapo-Chef Georg Merten war nicht nur ein schillerndes Mitglied der besseren Gesellschaft, sondern auch die Tochter eines einflussreichen Industriellen. Durch sie hatte er sich Zugang zu wichtigen Informationen erhofft, doch leider hatte sich herausgestellt, dass sein Plan weitaus schwieriger umzusetzen war als gedacht.

Der Großteil seiner Energie war nämlich in die Aufrechterhaltung seiner Deckung geflossen. Anstatt kriegswichtige Geheimnisse an den Widerstand weiterzuleiten, hatte er sich darin geübt, wie ein echter Nationalsozialist zu sprechen, zu gehen und zu denken. Bei jeder sich bietenden Gelegenheit hatte er den Führer gepriesen, den Vormarsch der Wehrmacht bejubelt und die Wichtigkeit des Ostfeldzugs betont. Die Worte »Sieg Heil!« und »Heil Hitler!« kamen ihm mittlerweile flüssig über die Lippen, und die bei der SS übliche Tätowierung der Blutgruppe unter der Achsel hatte er sich auch stechen lassen.

All das hatte er auf sich genommen und stand doch noch immer mit leeren Händen da. Hoffentlich würde sich

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