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Vaterland Roman von Harris, Robert (eBook)

  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)

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Vaterland

Hitler hat den Krieg gewonnen - Nazideutschland beherrscht ganz Europa. Das ist das Horrorszenario in Robert Harris' frivolem Politthriller. "Harris versteht, gut und spannend zu schreiben. Es kommt alles vor: Verbrechen, Verschwörungen, Vertuschung, Irreführung, Gewalt und Liebe. Harris kann den Historiker nicht verleugnen - so würzt er seine Geschichte mit historischen Dokumenten." DIE ZEIT Robert Harris wurde 1957 in Nottingham geboren und studierte in Cambridge. Seine Romane "Vaterland", "Enigma", "Aurora", "Pompeji", "Imperium", "Ghost", "Titan", "Angst", "Intrige", "Dictator", "Konklave", "München" und zuletzt "Der zweite Schlaf" wurden allesamt internationale Bestseller. Seine Zusammenarbeit mit Roman Pola?ski bei der Verfilmung von "Ghost" ("Der Ghostwriter") brachte ihm den französischen "César" und den "Europäischen Filmpreis" für das beste Drehbuch ein. Die Verfilmung von "Intrige" - wiederum unter der Regie Pola?skis - erhielt auf den Filmfestspielen in Venedig 2019 den großen Preis der Jury, den Silbernen Löwen. Robert Harris lebt mit seiner Familie in Berkshire.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641108342
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Fatherland
    Größe: 1624 kBytes
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Vaterland

1

D icke Wolken hatten die ganze Nacht über Berlin gedräut, und jetzt schleppten sie sich in das hinein, was als Morgen galt. An den westlichen Stadträndern trieben Regenfahnen wie Rauch über die Oberfläche der Havelseen.

Himmel und Wasser verschmolzen zu einer grauen Schicht, die nur von der dunklen Linie des gegenüberliegenden Ufers unterbrochen wurde. Da bewegte sich nichts. Kein Licht war zu sehen.

Xaver March, Mordermittler der Berliner Kriminalpolizei, stieg aus seinem Volkswagen und hielt das Gesicht in den Regen. Er mochte diesen besonderen Regen. Er kannte seinen Geschmack und seinen Geruch. Es war baltischer Regen, aus dem Norden, kalt und von der See gewürzt, scharf vom Salz. Für einen Augenblick fühlte er sich wie vor zwanzig Jahren, im Kommandoturm eines U-Bootes, das aus Wilhelmshaven hinausglitt, mit gelöschten Lichtern, hinein in die Dunkelheit.

Er sah auf die Uhr. Es war kurz nach sieben.

Am Straßenrand vor ihm standen drei andere Wagen. Die Insassen von zweien schliefen auf dem Fahrersitz. Der dritte war ein Streifenwagen der Ordnungspolizei - der Orpo, wie jeder sie nannte. Er war leer. Durch das offene Fenster drang in der feuchten Luft das Funkgerätknistern scharf herüber, unterbrochen von heruntergerasselten Redefetzen. Das Drehlicht auf dem Dach leuchtete den Wald neben der Straße an: blau/schwarz, blau/schwarz, blau/schwarz.

March suchte nach den Orpo-Leuten und sah sie sich am See unter einem tropfenden Birkenbaum schützen. Im Schlamm zu ihren Füßen schimmerte etwas fahl. Auf einem Baumstamm nahebei saß ein junger Mann in einem schwarzen Trainingsanzug mit den SS -Zeichen auf der Brusttasche. Er war vorwärtsgekrümmt, die Ellbogen auf den Knien, die Hände seitwärts gegen den Kopf gepresst - ein Bild des Elends.

March nahm einen letzten Zug aus seiner Zigarette und schnippte sie weg. Sie zischte und erstarb auf der nassen Straße.

Als er näher kam, hob einer der Polizisten den Arm.

"Heil Hitler!"

March beachtete ihn nicht und rutschte das schlammige Ufer hinab, um sich die Leiche anzusehen.

Es war der Körper eines alten Mannes - kalt, fett, haarlos und erschreckend weiß. Aus der Entfernung hätte es eine Alabasterstatue sein können, die man mit Schlamm beworfen hatte. Mit Dreck beschmiert, lag die Leiche auf dem Rücken, halb aus dem Wasser, die Arme abgespreizt, das Gesicht zurückgeworfen. Ein Auge war fest zugedrückt, das andere schielte bösartig in den schmutzigen Himmel.

Ohne den Blick von der Leiche zu wenden, redete er den Orpo-Mann an, der ihn gegrüßt hatte. "Ihr Name, Unterwachtmeister?" March sprach mit sanfter Stimme.

"Ratka, Herr Sturmbannführer."

Sturmbannführer war der SS -Titel, der dem Wehrmachtsrang eines Majors entsprach, und Ratka schien - obwohl hundemüde und nass bis auf die Knochen - eifrig bedacht, Ehrerbietung zu zeigen. March kannte diesen Typen, ohne auch nur hinzusehen: drei Gesuche um Versetzung zur Kripo, alle abgelehnt; eine pflichtbewusste Frau, die dem Führer eine Fußballmannschaft Kinder geschenkt hatte; ein Monatseinkommen von 200 Reichsmark. Ein Leben, in Hoffnung gelebt.

"Gut, Ratka", sagte March, wieder mit sanfter Stimme. "Wann hat man ihn entdeckt?"

"Vor einer guten Stunde. Wir waren auf Patrouille in Nikolassee und hatten gerade Schichtende. Wir haben den Anruf entgegengenommen, Dringlichkeitsstufe eins. Fünf Minuten später waren wir hier."

"Wer hat ihn gefunden?"

Ratka wies mit dem Daumen über die Schulter.

Der junge Mann in dem Trainingsanzug stand auf. Er konnte kaum älter als achtzehn sein. Das Haar war so kurz geschoren, dass die rosa Kopfhaut durch das spärliche hellbraune Haar schimmerte. March bemerkte, wie er vermied, auf die Leiche zu blicken.

"Ihr Name?"

" SS -Schütze Hermann Jost." Er sprach mit sächsischem Akzent&

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