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Vaters unbekanntes Land von Stäber, Bernhard (eBook)

  • Verlag: LYX
eBook (ePUB)
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Vaters unbekanntes Land

Der Psychologe Arne Eriksen - halb Norweger, halb Deutscher - zieht nach einem traumatischen Erlebnis von Berlin nach Haugesund in Norwegen. Hier trifft er auf die junge Kommissarin Kari Bergland, die in einem grausamen Mordfall ermittelt und in einer Sackgasse gelandet ist. Arnes Wissen auf dem Gebiet der Psychologie könnte helfen, ein Profil des Täters zu erstellen, um neue Opfer zu verhindern ...
Bernhard Stäber, geboren 1967 in München, lebt und arbeitet im norwegischen Telemark. Er kann bereits auf mehrere Bücher zurückblicken, die er unter Pseudonym veröffentlicht hat, und lässt im vorliegenden Roman seine Erfahrungen als Auswanderer facettenreich einfließen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: AdobeDRM
    Seitenzahl: 416
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783802597046
    Verlag: LYX
    Größe: 708 kBytes
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Vaters unbekanntes Land

1

Feuerwerkskörper schwirrten zischend in die Nacht empor, stiegen höher und höher, explodierten in einer Funkenkaskade und verglommen, um nichts als Dunkelheit zurückzulassen.

Der kalte, feuchte Betonboden drückte gegen Eivind Tverdals Wangenknochen. Es war das Erste, was seine Sinne registrierten, als er zu Bewusstsein kam. Die Finsternis um ihn herum besaß eine regelrecht physische Qualität. Sie war so umfassend, dass er sich für einen quälend langen Moment fragte, ob er womöglich seine Fähigkeit zu sehen eingebüßt hatte.

Mühsam wälzte er sich auf den Rücken, um den Druck auf sein Gesicht loszuwerden. Er blinzelte, doch seine Augen nahmen nichts anderes als tiefe Schwärze wahr.

Wo zur Hölle war er? Und wie war er hierhergekommen?

Gänsehaut überzog seine Arme und Beine. Erst jetzt bemerkte er, dass er völlig nackt war. Ruckartig setzte er sich auf. Sofort schien der Boden unter ihm zu schwanken, und er kippte zur Seite weg. Er klatschte hart auf dem unsichtbaren Boden auf. Schmerz fuhr so heiß durch seinen Kiefer, dass ihm ein Stöhnen entfuhr. Der Laut hallte dumpf in seinen Ohren wider. Wo auch immer er sich gerade befand, es war nicht im Freien. Der Raum musste groß sein. Eine Halle?

Eivind Tverdal lag auf der Seite. Ihm war zu schwindlig, um gleich noch einmal das Aufstehen zu versuchen. Sein Kopf war wie mit feuchten Wattebäuschen angefüllt. So tief er auch mit seinen verwirrten Fragen bohrte, er traf auf nichts Solides.

Er war doch ... er war doch auf Lars' Party gewesen. Er hatte mit ihm vor seinem Haus gestanden, damit sie das Feuerwerk besser sehen konnten. Babette war mit einem Tablett voller Sektgläser herumgelaufen. Er hatte zwei davon genommen, als sie an ihm vorbeigekommen war.

Ein weiteres Mal versuchte er sich aufzusetzen. Diesmal schaffte er es, trotz des Schwindelgefühls und der dumpfen Kopfschmerzen, die ihm das Denken schwer machten. In der Finsternis vor seinen Augen blühten die leuchtend gelben und roten Sterne der Raketen auf, die über der Stadtsilhouette in den spätsommerlichen Nachthimmel gestiegen waren. Zum Glück war es nicht regnerisch gewesen, etwas, das an Norwegens Westküste mehr Ausnahme als Normalität darstellte. Das Licht des Feuerwerks über Bergen hatte sich in den hoch erhobenen Gläsern gespiegelt, als sie gegeneinanderstießen. Zusammen mit diesem Bild kehrte die Erinnerung an Lars' Lippen auf den seinen zurück, ihr fester Druck, als sie sich küssten, der leicht säuerliche Geschmack von Sekt auf seiner Zunge.

Wie lange war das her? Eivinds innerer Uhr nach nur wenige Stunden. Was war inzwischen bloß passiert?

"Hallo?", rief er.

Hallo?, schallte es hohl zurück.

Okay, nachdenken. Er musste nachdenken, verdammt! Er war nicht so voll gewesen, dass er einen Filmriss gehabt hätte. Wieso konnte er sich dann nicht erinnern?

Das war ein ganz mieser Scherz. Jemand hatte ihm Knock-Out-Tropfen in einen seiner Drinks gekippt und ihn dann hier abgelegt, um ihm einen Schreck einzujagen. Wie hieß das Zeug noch mal? Rohypnol, Roofies?

Nur dass Eivind sich im Traum nicht vorstellen konnte, wer von seinen Freunden zu so einem geschmacklosen und gefährlichen Streich in der Lage wäre. Weder Lars noch Babette oder einem der anderen traute er so etwas zu. Wer ihn hierher verfrachtet hatte - wo auch immer dieses hierher sich befinden mochte -, musste sich große Mühe damit gegeben haben. Vielleicht war er in diesem Moment in der Nähe und beobachtete ihn.

Eivind fröstelte, und das nicht nur vor Verwirrung und Angst. Seitdem er bemerkt hatte, dass er keine Kleidung mehr trug, spürte er die kalte Luft, die ihn umgab. Sie roch abgestanden und schwach nach eingefettetem Metall, wie in einer Autowerkstatt. Vorsichtig stand Eivind auf. Sofort nahmen seine Kopfschmerzen zu. Er schwankte leicht, ging aber nicht in die Knie. Als er die Arme ausstreckte, um

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