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Venezianische Scharade Commissario Brunettis dritter Fall von Leon, Donna (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Venezianische Scharade

Eigentlich wollte Brunetti mit seiner Familie in die Berge fahren. Doch dann wird vor Mestre die Leiche eines Mannes in Frauenkleidern gefunden. Ein Transvestit? Wird Streitigkeiten mit seinen Freiern gehabt haben - so die allgemeine Meinung, auch bei der Polizei. Brunetti schaut genauer hin und lernt bei seinen Ermittlungen, weniger schnell zu urteilen als die ach so ehrenwerten Normalbürger. Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, lebt seit 1965 im Ausland. Sie arbeitete als Reiseleiterin in Rom und als Werbetexterin in London sowie als Lehrerin an amerikanischen Schulen in der Schweiz, im Iran, in China und Saudi-Arabien. Die Brunetti

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 384
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257600629
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Dressed for Death
    Größe: 1480 kBytes
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Venezianische Scharade

[12] 2

D ie Polizei rückte zwanzig Minuten später in zwei blau-weißen Limousinen der Squadra Mobile aus Mestre an. Inzwischen hatten sich hinter dem Schlachthof viele der Männer versammelt, in die Sonne gelockt von diesem Blutvergießen anderer Art. Cola war völlig entnervt zurückgelaufen, nachdem er den Fuß und das dazugehörige Bein gesehen hatte, war ins Büro des Meisters gestürzt und hatte ihm berichtet, hinter dem Zaun liege eine tote Frau.

Cola war ein guter Arbeiter, ein ernsthafter Mensch, darum hatte der Meister ihm geglaubt und unverzüglich die Polizei verständigt, ohne nachzusehen, ob sein Untergebener die Wahrheit sagte. Aber andere hatten Cola hereinstürzen sehen und liefen herbei, um zu erfahren, was los war. Der Meister raunzte sie an, sie sollten an ihre Arbeit gehen; die Kühlwagen warteten an den Laderampen, und sie hätten keine Zeit, den ganzen Tag hier herumzustehen und sich das Maul über eine Hure zu zerreißen, der man die Kehle durchgeschnitten habe.

Er meinte das natürlich nicht wörtlich, denn Cola hatte ihm nur von dem Schuh und dem Fuß erzählt, aber die Wiesen zwischen den Fabriken waren für die Arbeiter ein bekanntes Revier - ebenso wie für die Frauen, die in diesen Wiesen ihrem Gewerbe nachgingen. Wenn die sich dort hatte umbringen lassen, dann gehörte sie wahrscheinlich zu diesen grell geschminkten Wracks, die sich spätnachmittags an die Straße zwischen dem Industriegebiet und [13] Mestre stellten. Schichtwechsel, Zeit für die Arbeiter, nach Hause zu gehen, aber warum nicht ein kurzer Halt an der Straße und ein paar Schritte zu einer im Gras ausgebreiteten Decke? Es ging schnell, sie erwarteten nichts von einem, außer zehntausend Lire, und es waren inzwischen immer häufiger Blondinen aus Osteuropa, die so arm waren, daß sie einem nicht irgendwelchen Schutz vorschreiben konnten wie die italienischen Mädchen an der Via Cappuccina. Und überhaupt, seit wann schrieb die Hure denn dem Mann vor, was er zu tun hatte und was zu lassen? Genau das hatte sie wahrscheinlich versucht, sie war handgreiflich geworden, und der Mann eben auch. Nun, es gab genug andere, und jeden Monat kamen neue über die Grenze.

Die Streifenwagen hielten, und aus jedem stieg ein Uniformierter. Sie wollten zum Vordereingang des Gebäudes gehen, doch der Meister kam ihnen schon entgegen. Hinter ihm stand Cola, der sich als Mittelpunkt der ganzen Aufregung zwar wichtig vorkam, dem aber vom Anblick dieses Fußes noch ganz flau war.

"Haben Sie uns gerufen?" fragte der erste Polizist. Sein rundes Gesicht glänzte vor Schweiß, und er starrte den Meister durch dunkle Brillengläser an.

"Ja", antwortete der. "Da hinten auf der Wiese liegt eine Tote."

"Haben Sie sie entdeckt?"

"Nein", sagte der Meister, "ich nicht." Damit trat er zur Seite und bedeutete Cola vorzutreten. "Er hier."

Auf ein Nicken des ersten Polizisten hin zog der Kollege aus dem zweiten Streifenwagen ein blaues Notizbuch [14] aus der Jackentasche, schlug es auf, schraubte die Kappe von seinem Stift und hielt ihn über dem Blatt zum Schreiben bereit.

"Name?" fragte der erste, den Blick hinter den dunklen Gläsern jetzt auf den Fleischer gerichtet.

"Cola, Bettino."

"Anschrift?"

"Wozu soll das gut sein?" unterbrach der Meister. "Da drüben liegt eine Tote."

Der erste Uniformierte wandte sich von Cola ab, senkte den Kopf und fixierte über den Rand seiner Sonnenbrille den Meister. "Die läuft uns nicht weg." Dann wiederholte er, zu Cola gewandt: "Anschrift?"

"Castello 3453."

"Wie lange arbeiten Sie schon hier?" fragte er mit einer Kopfbewegung zu dem Gebäude hinter Cola.

"Fünfzehn Jahre."

"Wann haben Sie heute angefangen?"

"Um halb acht. Wie immer."

"Was hatten Sie auf der Wiese zu suchen?" Die Art, wie der eine die Fragen stellte und der andere die Antworten notierte,

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