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Verdammt lang tot Ein Niederrhein-Krimi von Kohl, Erwin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.11.2015
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Verdammt lang tot

Die Sache stinkt gewaltig, resümiert Lukas Born. Der suspendierte Hauptkommissar von der Krefelder Kripo ermittelt in einem Todesfall und das auf eigene Faust. Bei dem Toten handelt es sich nämlich um einen Bekannten von ihm, um Wolfgang 'Wolle' Lodzinski. Der soll angeblich Selbstmord in einem Baggersee bei Uedem begangen haben - völliger Quatsch, wie Lukas weiß, war Wolle doch nicht nur ein Ex-Profi-Schwimmer, sondern auch dabei, endlich in seinem Leben aufzuräumen. Also verfolgt Lukas Spur um Spur - und gerät damit selbst ins Visier des Mörders...

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 270
    Erscheinungsdatum: 12.11.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732514618
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Serie: Lukas Born Bd.1
    Größe: 1359 kBytes
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Verdammt lang tot

2

Nachdem ich die Brötchenrechnung bezahlt, ein wenig Dauerwurst und Mineralwasser eingekauft habe, besteht meine Barschaft aus 16,45 Euro und der Restmonat aus sieben Tagen. Ich beschließe diese Diskrepanz zu missachten und mir im Steakhaus an der Xantener Marsstraße einen Grillteller aus dem Mittagsangebot zu gönnen. 12,95 mit Getränk. Da kann man nicht meckern. Ich gebe Branco 15 Euro. Vielleicht wäre ein Matjes in Sabines Fischbüdchen an der Gasthausstraße die klügere Wahl gewesen, denn ein Blick auf die Tankanzeige verrät mir, dass Emma Durst hat.

Ich steuere den alten Benz direkt an den Heizöltank auf Wim Schrievers' Hof in Ursel. Ich kenne Wim aus meiner Zeit beim KK 11. Er ist der beste Tatortschnüffler, den sie haben. Der Kriminaltechniker kann einen Tatort lesen wie andere ein Buch. Er stellt scheinbar aus dem Nichts räumliche und zeitliche Zusammenhänge her. In einem Fall hat er anhand einer Libellenlarve, die niemand von uns gesehen, geschweige denn beachtet hätte, nachgewiesen, dass der Fundort nicht der Tatort sein kann. Nach dem Tod seiner Eltern hat Wim deren Hof übernommen und macht seither nebenbei auf Kleinbauer. Im Handschuhfach finde ich Block und Kugelschreiber. Wim dürfte sich um diese Zeit an irgendeinem verruchten Ort auf die Suche nach brauchbaren Spuren machen.

Drei Minuten später ziehe ich den Rüssel aus Emmas Bauch und notiere: "46 Liter, Gruß, Lukas". In dem Augenblick, als ich den Zettel wie gewohnt unter einem alten Plastikeimer neben dem Tank deponieren will, höre ich Schritte. Mit einer Pfeife in der Hand und einem alten Strohhut auf dem Kopf kommt Wim mir entgegen. Dem 56-Jährigen scheint die Landluft zu bekommen. Er wirkt vital, auch wenn seine Haut allmählich die Struktur von frisch gegerbtem Leder annimmt.

"Was machst du hier?", frage ich erstaunt.

"Urlaub auf dem Bauernhof und das noch drei sonnige Wochen lang."

Mit einer Kopfbewegung deutet er auf meinen alten Benz.

"Wieder mal pleite?"

"Woher weißt du das?"

"Da reicht ein Blick auf den Kalender. Mensch, Lukas, so geht's nicht weiter. Rede mal mit dem Alten, gute Polizisten werden ständig gebraucht. Und die Kollegen stehen immer noch wie eine Eins hinter dir."

Ich schüttele den Kopf. Das Thema ist für mich durch, auch wenn das Disziplinarverfahren noch einen Hinterausgang offengehalten hatte. Für mich war klar, dass sie damit nur auf den Druck der Medien reagiert haben. Die Journaille hat mich zum tragischen Helden hochgejazzt, eine moralische Diskussion entfacht. "Darf ein Polizist einen Kindesentführer mit körperlicher Gewalt dazu zwingen, das Versteck seines Opfers preiszugeben?", fragten die Gemäßigten unter ihnen, und "Warum hast du das nicht einen Tag eher gemacht?" der Boulevard.

Auch wenn ich diese Art der Berichterstattung verabscheue, muss ich eingestehen, dass das genau die Frage ist, die ich mir seitdem in jeder verdammten schlaflosen Nacht stelle.

"Etwa acht bis zwölf Stunden, Genaueres wird die Obduktion ergeben." Die Worte des Rechtsmediziners an der Fundstelle des toten Cedric, einem alten Brunnenschacht, haben sich unauslöschlich in mein Bewusstsein gebrannt.

"Cedric hat Durst. Seit vier Tagen. Großen Durst. Wenn ihr mich gehen lasst, kriegt er ein Wässerchen. Aber nur, wenn er vorher lieb zu mir war."

Meine Faust schmetterte von Hass und Ohnmacht getrieben in sein Lachen. Immer und immer wieder, bis er mir den Aufenthaltsort des Kleinen verraten hatte. Der Kollege vor der Zellentür "... hatte nichts davon mitbekommen. Als KHK Born die Zelle verließ, sah ich den blutüberströmten Häftling auf dem Boden liegen." Ich nahm ihm die Aussage vor dem Untersuchungsausschuss nicht übel. Im Gegenteil, eigentlich war ich ihm sogar dankbar. Ich würde mich nie wieder mit diesem Abschaum quälen müssen.

Demnächst muss ich mich erneut vor Gericht verantworten. Dem verurteilten Entführer reichte

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