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Verity von Hoover, Colleen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.03.2020
  • Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
eBook (ePUB)
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inkl. gesetzl. MwSt.
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Online verfügbar

Verity

'Voller aufwühlender Emotionen, düster, faszinierend und extrem süchtig machend.' TotallyBooked Blog Die Jungautorin Lowen Ashleigh bekommt ein Angebot, das sie unmöglich ablehnen kann: Sie soll die gefeierten Psychothriller von Starautorin Verity Crawford zu Ende schreiben. Diese ist seit einem Autounfall, der unmittelbar auf denTod ihrer beiden Töchter folgte, nicht mehr ansprechbar und ein dauerhafter Pflegefall. Lowen akzeptiert - auch, weil sie sich zu Veritys Ehemann Jeremy hingezogen fühlt. Während ihrer Recherchen im Haus der Crawfords findet sie Veritys Tagebuch und darin offenbart sich Lowen Schreckliches ...

Colleen Hoover ist nichts so wichtig wie ihre Leser*innen. Ihr Debüt wurde sofort zu einem Welterfolg. Die Autorin hat eine riesige Fangemeinde. Mit ihrem Mann und ihren Söhnen lebt sie in Texas.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 368
    Erscheinungsdatum: 13.03.2020
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783423437288
    Verlag: dtv Deutscher Taschenbuch Verlag
    Serie: dtv Taschenbücher 23012
    Originaltitel: Verity
    Größe: 805 kBytes
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Verity

1

Erst höre ich das Geräusch seines berstenden Schädels, dann spritzt mir sein Blut entgegen.

Ich ringe entsetzt nach Luft und springe mit einem Satz auf den Gehweg zurück, bleibe aber mit einem meiner hohen Absätze an der Bordsteinkante hängen und muss mich an einem Parkverbotsschild festhalten, um nicht das Gleichgewicht zu verlieren.

Eben stand der Mann noch direkt vor mir. Wir haben zusammen mit einer Gruppe anderer Fußgänger darauf gewartet, dass die Ampel auf Grün schaltet, als er unvermittelt loslief. Aus dem Augenwinkel sah ich den Lieferwagen heranrasen, machte instinktiv einen Schritt nach vorn und streckte den Arm aus, da erfasste ihn der Wagen mit voller Wucht und ich griff ins Leere. Bevor er überrollt wurde, schloss ich die Augen, hörte aber deutlich dieses Geräusch, das sich anhörte wie das Ploppen eines Champagnerkorkens.

Sein Blick war beiläufig auf sein Handy gerichtet gewesen, als es ihn erwischte. Wahrscheinlich hatte er die Straße an dieser Ampel schon so oft überquert, ohne dass etwas passiert war, dass er unvorsichtig geworden war. Tod durch Routine.

Die Leute um mich herum schnappen nach Luft, aber niemand schreit. Die Beifahrertür des Lieferwagens wird aufgerissen, ein Mann springt heraus und kniet sich neben den Überfahrenen. Ein paar der Umstehenden stürzen los, um zu helfen, ich nicht. Ich muss nicht hinsehen, um zu wissen, dass er nicht überlebt haben kann. Ein Blick auf meine eben noch blütenweiße, jetzt mit Blut befleckte Bluse genügt und es ist klar, dass hier kein Kranken-, sondern ein Leichenwagen gebraucht wird.

Ich drehe mich um, will weg von hier, irgendwohin, wo ich tief durchatmen kann, aber mittlerweile leuchtet das WALK-Zeichen und die Menge um mich herum setzt sich mechanisch in Bewegung. Es ist, als würde ich mitten in Manhattan in einem reißenden Fluss stehen. Unmöglich, gegen den Strom anzuschwimmen. Einige Leute schauen nicht mal von ihrem Telefon auf, als sie an dem Ort vorbeigehen, an dem gerade ein Mensch sein Leben verloren hat. Während ich darauf warte, dass sich das Gedränge lichtet, werfe ich einen Blick zur Unfallstelle. Der Fahrer des Trucks steht jetzt am Heck seines Fahrzeugs und spricht mit schreckgeweiteten Augen in sein Handy. Drei, vier Passanten versuchen sich nützlich zu machen, ein paar sensationslüsterne Gaffer filmen die gruselige Szene.

Wäre dieser Unfall in Virginia passiert, wo ich lange gelebt habe, wäre niemand einfach weitergegangen, im Gegenteil - Panik wäre ausgebrochen, Leute hätten entsetzt aufgeschrien, innerhalb von Minuten wäre der Übertragungswagen eines Nachrichtensenders vor Ort gewesen. Aber hier in Manhattan ist man an Unfälle so gewöhnt, dass sie von den meisten Leuten wohl in erster Linie als Unannehmlichkeit wahrgenommen werden. Für die einen bedeuten sie ein Verkehrshindernis, für andere ein ruiniertes Kleidungsstück. Wahrscheinlich ist das hier nicht einmal eine Randnotiz in den Zeitungen wert.

Sosehr mich diese Gleichgültigkeit der Masse stört, ist sie doch genau der Grund, warum ich vor mittlerweile zehn Jahren nach New York City gezogen bin. Für Leute wie mich sind Millionenstädte der ideale Lebensraum. An Orten dieser Größe ist die persönliche Situation des Einzelnen irrelevant. Hier gibt es unzählige Menschen, deren Lebensgeschichte weitaus tragischer ist als meine.

Ich bin unsichtbar. Unwichtig. Manhattan ist zu überfüllt, als dass sich irgendjemand für mich interessieren würde, und dafür liebe ich die Stadt.

»Sind Sie verletzt?«

Ich sehe auf, als mich ein Mann am Arm berührt und besorgt auf meine blutbefleckte Bluse zeigt. Er mustert mich von oben bis unten, als würde er nach einer Verletzung suchen. Das kann kein abgehärteter New Yorker sein. Vielleicht wohnt er hier, aber aufgewachsen ist er mit Sicherheit woanders, wo ihm nicht von frühester Kindheit an jegliches Mitgefühl ausgetrieben w

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