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Verletzlich Kriminalroman von Marklund, Liza (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 14.03.2016
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Verletzlich

Ein Highlight des Schweden-Krimis

Plötzlich findet sich die Journalistin Annika Bengtzon in der Hölle wieder. Dabei wollte sie mit ihrer neuen großen Liebe Jimmy Halenius und den Kindern in Stockholm einen Neuanfang wagen. Privat mit Vielem abschließen, sich beruflich verändern. Doch plötzlich ist ihre Schwester Birgitta verschwunden. Auf der Suche nach ihr begegnet Annika ein letztes Mal den Dämonen ihrer Vergangenheit.

Ausgezeichnet mit dem Radio Bremen Krimipreis!

Liza Marklund, geboren 1962 in Piteå, arbeitete als Journalistin für verschiedene Zeitungen und Fernsehsender, bevor sie mit der Krimiserie um Annika Bengtzon international eine gefeierte Bestsellerautorin wurde.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 14.03.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843713146
    Verlag: Ullstein
    Serie: Annika Bengtzon 11
    Größe: 2803 kBytes
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Verletzlich

Die Hauptredaktion des Abendblatts schimmerte wie immer in einem bläulichen Licht. Als sie Berit Hamrin an ihrem Rechner sitzen sah, fiel alle Spannung von Annika ab, nur ein leichter Kopfschmerz blieb. Seit fünfzehn Jahren verbrachte sie den größten Teil ihrer wachen Zeit in diesem Raum, auf der nie endenden Jagd nach dem, was passiert war oder passieren könnte, und fast ebenso lange saß ihre Kollegin Berit Hamrin auf dem Stuhl neben ihr.

Sie ließ ihre Tasche auf Berits und ihren gemeinsamen Schreibtisch fallen, zog die Jacke aus und warf sie über die Armlehne ihres Stuhls. Ihre Kollegin war älter als sie, hatte erwachsene Kinder und wohnte mit ihrem Mann auf einem Bauernhof auf dem Land.

"Wie steht's mit dem Twitter-Streit?", fragte Annika.

Berit seufzte leicht.

"Die Fernsehfrau hat sich in einem neuen Tweet für ihre Behauptung über den Soap-Star entschuldigt, und der Soap-Star hat die Entschuldigung in einem Post auf Facebook angenommen."

Das enge Sprechzimmer der Psychologin glitt davon und löste sich in Luft auf.

"Ist das nicht schön, alle haben sich wieder lieb", sagte Annika.

Das Dunkel um sie herum, alles, was sie verschluckte und erstickte, zog sich in einen fernen Winkel zurück. Wenn sie in der Redaktion war, blieb es fast immer an seinem Platz. Hier gab es ein Licht, technisch und künstlich, das die Welt klar und deutlich machte. Die Deutung der Wirklichkeit, die verschiedenen Auflagen, die konstante Veränderung - sie, Annika, war ein funktionierender, integrierter Teil davon. Die Waldauflage, genannt Fünfkreuz, die Ausgabe der Zeitung, die als Erstes rausging, von Auftragsdruckereien draußen im Land gedruckt oder per Transportflugzeug im Morgengrauen ausgeliefert; Dreikreuz, die aktualisierte Vorstadtauflage, per Lastwagen im gesamten Mälardalen ausgeliefert; Einkreuz, die Innenstadtauflage für Katastrophen und Prinzessinnenverlobungen: Das war die Wirklichkeit, strukturiert und leicht zu handhaben.

Und dann gab es noch Siebenkreuz, ihr ganz persönliches Hassobjekt, die Ausgabe, die nur im internen Netzwerk der Redaktion existierte.

Annika packte den Laptop aus und holte sich einen Kaffee, während der Computer hochfuhr. Anschließend setzte sie sich mit dem bitteren Gebräu in der Hand an den Rechner und wappnete sich innerlich.

Siebenkreuz enthielt, was die Ressortchefs sich an Nachrichten für die morgige Ausgabe wünschten, die Zukunft, wie sie sein sollte, mit fertigen Schlagzeilen und oft auch schon mit Fotos und Bildunterschriften, es lag nur noch an den Reportern, die Wirklichkeit so einzufügen, dass sie zur Utopie passte.

Aufmacher der hypothetischen morgigen Ausgabe war Berits Story: Die Fernsehfrau - sie war Leitartikel-Redakteurin bei einer Lokalzeitung und moderierte jeden dritten Mittwoch eine Satiresendung, die das Frühstücksfernsehen parodierte - hatte eine bösartige Bemerkung über die Gewichtszunahme einer ehemaligen Soap-Darstellerin getwittert. Patrik Nilsson, Nachrichtenchef des Abendblatts , besaß ein unglaubliches Talent, die besonders unbedeutenden und gedankenlosen kleinen Gemeinheiten aus dem Internet zu fischen und sie in der Zeitung zu einem richtigen Skandal aufzublasen. Und auch diesmal hatte er sich nicht lumpen lassen:

TV-MODERATORIN: ROSA IST ZU FETT

lautete die gewünschte Schlagzeile. Unter dem Foto, auf dem eine spindeldürre Blondine zu sehen war, stand: "Rosa ist tief gekränkt über das Mobbing der TV -Moderatorin."

"Die geplante Empörung in den sozialen Medien ist leider ausgeblieben", sagte Berit.

Annika verstand. Den Shitstorm im Internet, aus dem das Abendblatt eigentlich zitieren wollte, hatte es nie gegeben (ein paar Postings im Stil von "wieso muss das Aussehen von Frauen immer kommentiert werden" hätten notfalls gereicht, aber offenbar gab es nicht einmal die), und damit würden Rosa und

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