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Verwettet von Francis, Dick (eBook)

  • Verlag: Diogenes
eBook (ePUB)
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Verwettet

Ein Vater taucht aus dem Nichts auf. Und verschwindet wieder. Seither muss sein Sohn Ned sich vorsehen. Denn er ist ins Visier kleiner und großer Betrüger aus dem Wettmilieu geraten.

Dick Francis, geboren 1920, war viele Jahre Englands erfolgreichster Jockey, bis ein mysteriöser Sturz 1956 seine Karriere beendete. Fast 50 Jahre lang schrieb er Thriller, die das Pferderenn- und Wettmilieu als Hintergrund haben. Seine 42 Romane wurden alle Bestseller. Dick Francis starb 2010.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 432
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783257602234
    Verlag: Diogenes
    Originaltitel: Even Money
    Größe: 2188kBytes
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Verwettet

[7] 1

Ich versank noch tiefer in meiner Depression, als das begeisterte Publikum in Ascot den nächsten haushohen Favoriten ins Ziel jubelte. Na gut, eine klinische Depression war es nicht - damit kannte ich mich aus -, aber aufs Gemüt schlug es mir trotzdem.

Wieder einmal fragte ich mich, was ich hier sollte. Eigentlich war ich noch nie gern nach Ascot gekommen, schon gar nicht an diesen fünf Tagen im Juni. Meistens war es viel zu heiß, um im Cutaway herumzustehen, oder es regnete, und ich wurde klatschnass. Mir waren meine üblichen Reviere lieber, die kleineren Rennbahnen der Midlands, wo es lockerer zuging. Aber mein Großvater, der Gründer des Familienunternehmens, hatte immer groß damit geworben, dass wir in Royal Ascot standen. Seiner Meinung nach verlieh uns das ein gewisses Ansehen, und danach hatte er schon immer gestrebt.

Wir waren Buchmacher. Parias der Rennwelt. Bei allen unbeliebt, von vielen regelrecht gehasst, auch von einer Menge Leuten, deren Lebensunterhalt vom Wetten abhing. Ich hatte im Lauf der Jahre festgestellt, dass meine Kunden niemals meine Freunde waren. Zwischen Anlegern und ihren Maklern konnte durchaus eine nicht nur geschäftliche Beziehung entstehen, aber Wetter wollten nie privat mit ihren [8] Buchmachern zu tun haben. Die meisten meiner Stammkunden wussten nicht mal, wie ich hieß, und es interessierte sie auch nicht. Nun gut, ich kannte ihre Namen meistens auch nicht. Wir waren einfach Partner in einem Geschäft, bei dem einer den andern ruinieren wollte. Eine solche Situation ist vermutlich nicht dazu angetan, gegenseitigen Respekt zu wecken.

"Zwanni auf die Sieben", sagte ein schlanker junger Zylinderträger und hielt mir einen Geldschein hin. Ich schaute auf unserer Anzeige nach der Quote für Pferd Nummer sieben.

"Zwanzig Sieg auf die Sieben, elf zu zwo." Damit steckte ich seinen Schein zu dem Bündel in meiner Linken.

Ein kleiner Drucker vor mir surrte und spie ein Ticket aus, das ich dem Mann reichte. Er schnappte es sich und verschwand rasch im Gedränge, als wollte er nicht beim Fraternisieren mit dem Feind gesehen werden. Statt seiner stand gleich darauf ein beleibter kleiner Herr vor mir, dessen farbenfrohe Weste einen aussichtslosen Kampf gegen seinen umfangreichen Bauch führte. Er gehörte zu meinen Royal-Ascot-Stammkunden. Ich kannte ihn lediglich als AJ und hatte keine Ahnung, wofür die Initialen standen.

"Hundert Sieg auf Silverstone", keuchte er und hielt mir die gefalteten Scheine mit seinen Wurstfingern hin.

"Hundert auf die Zwo zu pari." Ich nahm sein Geld und zählte nach. Wie durch Zauberei kam der nächste Wettschein aus dem kleinen Drucker, und ich händigte ihn aus. "Viel Glück, AJ ", sagte ich, ohne es ihm wirklich zu wünschen.

"Hm?", machte er etwas überrascht.

"Viel Glück", wiederholte ich.

"Danke", schnaufte er und ging.

[9] In der guten alten Zeit, als die Buchmacherei noch eher eine Kunst als eine Wissenschaft war, trug ein Assistent jede abgeschlossene Wette in "das Buch" ein. Heutzutage wurde wie in vielen anderen Bereichen alles auf dem Computer festgehalten, und die Wettscheine wurden ausgedruckt.

Der Computer registrierte nicht nur sämtliche Wetten, die wir annahmen, sondern rechnete auch laufend unsere Gewinne und Verluste für jedes mögliche Rennergebnis durch. Vorbei die Zeiten, als noch das Bauchgefühl des Buchmachers darüber entschied, wann und wie die Quoten auf der schicken elektronischen Anzeigetafel geändert wurden. Jetzt entschied der Computer. Buch gemacht wurde nicht mehr nach Gefühl, sondern nach Bruchteilen.

Als ich bei meinem Großvater anfing, war ich sein "Springer" gewesen. Das hieß, wenn er hohe Wetten auf ein Pferd angenommen hatte, musste ich mit seinem Geld bei anderen Buchmachern auf ebendieses Pferd setzen, um das Risiko für ihn zu verringern. Wurde

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