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Wahn Der Bergische Krimi von Buslau, Oliver (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 12.10.2017
  • Verlag: Emons
eBook (ePUB)
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Wahn

Zwischen Naturschutz, Fluglärm und alten Munitionsdepots: Remigius Rott ermittelt in der Wahner Heide. Ein Routinefall führt Privatdetektiv Remigius Rott in die Wahner Heide. Doch bald folgt ein Rätsel dem nächsten: Eine Frau wird von einem Auto angefahren und verschwindet, der Fahrer nimmt sich kurz darauf das Leben, und geheimnisvolle prophetische Botschaften werden in der Heidelandschaft verteilt. Rott sucht nach Verbindungen - und gerät dabei selbst ins Fadenkreuz der Polizei . . .

Oliver Buslau begann Ender der 1990er Jahre seine Autorenkarriere als Erfinder des Wuppertaler Privatdetektives Remigius Rott, der seither in zehn Krimis seine Fälle gelöst hat. Darüber hinaus schrieb er unter anderem Krimis rund um das Thema Musik und zahlreiche Kurzkrimis. www.oliverbuslau.de

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 304
    Erscheinungsdatum: 12.10.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960412779
    Verlag: Emons
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Wahn

1

Ein lächelndes Gesicht sah mich an.

Eingerahmt in blondes Haar.

Daneben eine zweite Person. Ich selbst blickte mir entgegen. Ebenfalls lächelnd, aber ein bisschen gezwungen und verkrampft.

Wie man eben so schaut, wenn man auf den Selbstauslöser wartet.

Das Foto steckte in einem breiten, chromglänzenden Bilderrahmen und stand vor mir auf dem Schreibtisch. In der spiegelnden Fläche konnte ich die Fenster meines Büros erkennen. Mit ein bisschen Phantasie zeichneten sich darin auch die fernen Hügel auf der anderen Seite von Wuppertal ab. Und die dunklen kantigen Kästen der Bergischen Universität, die südlich von Elberfeld wie eine Ritterburg auf den Höhen thronte.

Ich konzentrierte mich auf das Foto, während ich - den Telefonhörer ans Ohr gepresst - die Kurzwahl einer Bergisch Gladbacher Nummer eintippte.

In das gleichmäßige Tuten mischte sich ein mechanisches Geräusch.

Tack, tack, tack.

Tuuut ... tuuut.

Tack, tack, tack.

Tuut ... tuut.

Draußen vor dem Fenster tropfte Wasser aus einer Dachrinne und traf ein tiefer liegendes Dach. Wahrscheinlich die Oberseite des "City Store". Das war der Kiosk, der sich unterhalb meiner Wohnung befand.

Gelegentlich hatte ich mir da unten eine Packung Zigaretten besorgt. Seit einem halben Jahr rauchte ich aber nicht mehr. Die Glimmstängel waren auch viel zu teuer für meine Verhältnisse.

Zwei Jahrzehnte arbeitete ich nun schon als Privatdetektiv. Am Anfang meiner Karriere hatte ich tatsächlich geglaubt, damit finanziell irgendwann mal auf einen grünen Zweig zu kommen. Jetzt schien ich weiter davon entfernt zu sein als je zuvor. Und das in einem Alter, in dem sich andere ihrer Midlife-Crisis hingaben.

Ich hatte für so was keine Zeit.

Tack, tack, tack.

Tuuut ... tuuut.

Tack, tack, tack.

Tuut ... tuut.

Es war Freitagnachmittag. Mein letzter Auftrag lag bereits vier Wochen zurück.

Wie so oft hatte ich mich eingeigelt und auf bessere Zeiten gehofft. Doch die kamen nicht. Ich konnte hier in meiner Wohnung, wo Luisenstraße und Kasinostraße zusammentrafen, versauern, und es interessierte keinen.

Auch Wonne nicht, die ich gerade zu erreichen versuchte.

Tack, tack, tack.

Tuuut ... tuuut.

Tack, tack, tack.

Tuut ... tuut.

"Remi. Ich hab dir doch gesagt, du sollst das lassen."

Ihr Tonfall war weder verärgert noch genervt. Eher resigniert.

Ich klammerte mich an den Klang ihrer Stimme wie an einen Strohhalm. Dazu fixierte ich das Foto in dem silbernen Rahmen, das ich vor einigen Jahren an der Wuppertalsperre von uns gemacht hatte. Als könnten Bild und Stimme in irgendeiner Weise Wonnes Gegenwart ersetzen.

"Wir haben doch darüber gesprochen", fügte sie hinzu.

Ja, das hatten wir. Wir hatten darüber gesprochen, eine Weile keinen Kontakt mehr zu haben. Aber wie sollte man das aushalten?

"Wonne, ich ..."

Keine Ahnung, was ich sagen sollte.

Sag irgendwas, was sie zum Antworten zwingt, befahl ich mir innerlich. Was dich ihre Stimme hören lässt.

"Du klingst müde", sagte ich.

"Ja ..." Es klang, als sei mit der Erwähnung ihrer Müdigkeit tatsächlich die letzte Kraft aus ihr gewichen. "Ja, das bin ich auch."

"Ich will dir helfen." Ich räusperte mich. "Lass mich dir helfen."

Ich wusste schon, was ihre Entgegnung sein würde. Wir hatten das alles zigmal durch.

"Remi. Du hilfst mir, indem du mich eine Weile in Ruhe lässt."

"Was ist eine Weile?"

"Bitte ... Fang nicht wieder damit an."

"Ich brauche aber etwas, woran ich mich orientieren kann."

Sie holte langsam Luft. "Du weißt, dass ich dir keine Orientierung geben kann. Es dauert die Zeit, die es dauert."

Wieder eine Pause. Wieder dieses langsame Atmen. Ein Schnaufen. Ein leichtes Zittern war auch darin.

Weinte sie etwa? Ich wollte sie fragen, a

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