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Warschauer Verstrickungen Teodor Szacki ermittelt von Miloszewski, Zygmunt (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.07.2015
  • Verlag: Berlin Verlag
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Warschauer Verstrickungen

Weil einem Mann ein Bratspieß durchs Auge ins Hirn getrieben wurde, muss Staatsanwalt Szacki - groß, schlank, eisgraue Haare, nicht uneitel - den heiligen Sonntag opfern und die Ermittlungen aufnehmen. Der Tote war Teil einer Therapiegruppe, und, da sind sich alle einig, der unglücklichste Mensch auf dieser an Unglücklichen nicht armen Welt. Der Mörder wird wohl trotzdem nicht gerade ein Wohltäter sein. Zur Lösung des Falls muss sich Szacki durch ein Dickicht aus Korruption und politischen Verstrickungen kämpfen. Und sein Engagement stößt nicht gerade auf Gegenliebe...

Zygmunt Miloszewski, geboren 1976 und früher Journalist bei Newsweek Polen, katapultierte sich 'Die Verstrickung' in die erste Reihe der osteuropäischen Autoren, die gerade die Krimiszene aufmischen. Für das Buch erhielt er den Preis Wielki Kaliber, die höchste polnische Auszeichnung für Kriminalliteratur. Mi?oszewski war bis dahin mit zwei Büchern in Erscheinung getreten, dem 2005 erschienen Horror Domofon, der in Polen fast sofort zum Bestseller wurde und auch bei dtv München erschien und einem Märchenbuch Góry ?mijowe (Schlangenberge). 2011 wurde er für Ziarno prawdy (Ein Körnchen Wahrheit) zum zweiten Mal mit dem Wielki Kaliber geehrt. (Wird ebenfalls im Berlin Taschenbuch erscheinen) 2013 meldete sich Mi?oszewski mit einem neuen, aufregenden Buch, Bezcenny (Unbezahlbar), das aller Voraussicht nach das Buch des Jahres werden dürfte. Uwik?anie ist inzwischen verfilmt. Die Verfilmung von Ziarno prawdy ist in Arbeit. Diesmal arbeitet der Autor am Drehbuch mit.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 448
    Erscheinungsdatum: 13.07.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783827077967
    Verlag: Berlin Verlag
    Serie: BVT 1010
    Originaltitel: Uwiklanie
    Größe: 565 kBytes
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Warschauer Verstrickungen

1

»Ich erzähle Ihnen eine Geschichte. Es war einmal ein Zimmermann, der in einer Kleinstadt auf dem Lande lebte. Die Menschen in dem Städtchen waren arm, sie konnten sich neue Tische und Stühle nicht leisten, und so war auch der Zimmermann arm. Nur mühsam kam er über die Runden, und je älter er wurde, desto weniger glaubte er, dass sein Schicksal sich noch zum Besseren wenden könne. Er hatte eine schöne Tochter und wünschte sich, dass es ihr einmal anders ergehen würde. Eines sommerlichen Tages betrat ein reicher Herr das Haus des Zimmermanns. 'Tischler', sagte er, 'mein Bruder, den ich lange nicht gesehen habe, kommt zu Besuch. Ich möchte ihm ein einzigartiges Geschenk machen, aber weil er aus einem Land kommt, in dem es Gold, Silber und Edelsteine im Überfluss gibt, habe ich mich für eine hölzerne Schatulle, die von außergewöhnlicher Schönheit sein muss, entschieden. Wenn du sie bis zum Sonntag nach dem nächsten Vollmond fertig hast, wirst du nie mehr über Armut klagen.' Natürlich erklärte sich der Zimmermann dazu bereit und machte sich sogleich ans Werk. Es war eine äußerst mühselige und schwierige Arbeit, er wollte viele Holzsorten einarbeiten und die Schatulle mit kleinen geschnitzten Märchenfiguren verzieren. Er arbeitete beinahe ohne Pause, aß wenig und schlief kaum. Derweil hatte sich die Kunde vom Besuch des reichen Herrn und seinem nicht alltäglichen Auftrag in Windeseile im Städtchen verbreitet. Seine Bewohner mochten den bescheidenen Zimmermann sehr, Tag für Tag kam einer, der ein gutes Wort für ihn übrig hatte und ihm beim Schnitzen zu helfen versuchte. Der Bäcker, der Kaufmann, der Fischer, sogar der Schankwirt - jeder griff zu Beitel, Hämmerchen und Feile, damit der Tischler rechtzeitig mit der Arbeit fertig würde. Doch leider vermochte keiner von ihnen seine Arbeit korrekt auszuführen, und die Tochter des Zimmermanns sah voll Kummer, wie der Vater nur ausbesserte, was seine Freunde verdorben hatten. Als es bis zur Vollendung der Arbeit nur noch vier Tage waren und der verzweifelte Handwerker sich die Haare raufte, stellte seine Tochter sich frühmorgens vor die Tür der Hütte und jagte alle, die kamen, davon. Das ganze Städtchen empörte sich über die beiden, und von da an hieß es nur noch, der Zimmermann sei ein undankbarer Rüpel und seine Tochter eine ungezogene alte Jungfer. Ich hätte Ihnen gern erzählt, dass der Zimmermann zwar seine Freunde verlor, dafür aber den reichen Herrn mit seiner meisterhaften Arbeit bezauberte. Aber das wäre nicht die Wahrheit. Denn als der reiche Herr am Sonntag nach dem nächsten Vollmond in seinem Haus erschien, fuhr er sogleich wütend und mit leeren Händen davon. Der Zimmermann vollendete die Schatulle erst viele Tage später und schenkte sie seiner Tochter.«

Cezary Rudzki räusperte sich und schenkte sich Kaffee ein. Drei seiner Patienten saßen ihm am Tisch gegenüber, nur der vierte, Henryk, fehlte.

»Welche Lehre ergibt sich daraus?«, fragte der zu seiner Linken sitzende Mann, Euzebiusz Kaim.

»Diejenige, die Sie für sich selbst darin entdecken«, antwortete Rudzki. »Ich weiß, was ich dazu sagen würde, aber Sie wissen besser als ich, was Sie darunter verstehen möchten und welche Auslegung Sie jetzt gerade brauchen. Märchen kommentiert man nicht.«

Kaim verstummte, auch Rudzki sagte nichts mehr und strich sich über den grauen Bart, der ihm, wie manche meinten, eine gewisse Ähnlichkeit mit Hemingway verlieh. Er überlegte, ob er sich zu den Vorkommnissen der Sitzung am Vortag äußern sollte. Eigentlich war es nicht erlaubt, aber dennoch ...

»Ich nutze die Gelegenheit, dass Herr Telak nicht da ist«, sagte er, »und möchte allen in Erinnerung rufen, dass man den Verlauf der Therapie nicht kommentieren darf. Das gehört zu den Grundregeln. Das gilt vor allem für eine so intensive Sitzung wie die gestrige.«

»Warum?«, fragte Euzebiusz Kaim, ohne den Blick vom Teller zu heben.

»Weil wir sonst das, was wir aufg

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