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Weißer Wedding von Eberling, Matthias (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.11.2013
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Weißer Wedding

Was wusste der Journalist Roth, bevor man ihn betäubt und gefesselt auf die Bahngleise legte? Wieso macht sein Tod seine früheren Redaktionskollegen so nervös? Und welche Rolle spielen der Bundesnachrichtendienst und eine terroristische Vereinigung in diesem Zusammenhang? Bald geistern USB-Sticks mit brisanten Informationen durch die Hauptstadt, und alle Fäden laufen im Brunnenviertel zusammen, einem sogenannten sozialen Brennpunkt im Wedding. Jan Mardo, Migrantensohn mit Detektivlizenz, tritt an, um die Ehre seines Kiezes zu retten.

Matthias Eberling, 1966 in Ingelheim am Rhein geboren, ist promovierter Politikwissenschaftler und hat viele Jahre als Sozialforscher und Politikberater gearbeitet. Er ist freiberuflicher Schriftsteller und lebt seit 1991 in Berlin.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 15.11.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783863583187
    Verlag: Emons Verlag
    Serie: Jan Mardo
    Größe: 3056kBytes
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Weißer Wedding

ZWEI

Weißer Himmel, weiße Erde. Draußen gab es nichts zu sehen, also saß Jan Mardo auf dem Sofa und blickte gelegentlich in Richtung Fernseher. Eigentlich lief nur Mist, darum hatte er den Ton abgestellt. Vater und Tochter vor einem Computer. Eine Frau tippt etwas in ein Telefon, ein Mann in einem Bus liest die Nachricht. "The Rhythm of the Night" von Corona passte zwar nicht dazu, weder thematisch noch musikalisch, aber Julia würde sowieso bald nach Hause kommen. Mardo ließ seine Gedanken treiben, während er weiter den Werbeschrott auf einem der zahllosen Privatsender verfolgte. Kleine Sandkörner fliegen zu einem Glas und lassen Schmutz verschwinden. Ein kleiner Junge im Regenmantel trägt eine Brille. Männer auf einem Segelschiff mit grünen Segeln. Sie arbeiten und lachen dabei. Ob er diese Woche einen Auftrag bekommen würde? Seine Agentur lief mal mittelmäßig, mal schlecht. Augenblicklich eher schlecht. Eine Frau mit einer vollen Einkaufstüte kommt in die Küche. Eine ältere Frau sitzt am Tisch und niest. Die Frau gibt ihr etwas aus der Tüte. Aber man weiß ja nie, dachte Mardo. Plötzlich klingelt das Telefon und einen Tag später hat sich dein ruhiges Leben völlig verändert. Hatte er überhaupt sein Handy eingeschaltet? Ein Mann, eine Grafik und Shampooflaschen. Junge Menschen essen Kekse auf einer Wiese im Sonnenschein. Mardo konnte nichts machen. Er wartete. Ein Snowboarder rast einen Abhang hinunter. Ein lachendes Paar winkt knapp an der Kamera vorbei. Sonst kam Julia mittags immer früher nach Hause. Erhöhte oder verringerte ihre Verspätung die Wahrscheinlichkeit ihres baldigen Auftauchens? Er dachte eine Weile darüber nach, kam aber zu keinem Ergebnis. Für solche akademischen Fragen war Julia zuständig, schließlich hatte sie studiert. Er war Privatdetektiv und hatte genug mit anderen Wahrscheinlichkeiten zu tun. Wahrscheinlich könnten sie nämlich ihre Miete und die Rechnungen bald nicht mehr zahlen, wenn sie auch weiter ausschließlich auf Julias Einkünfte vertrauen müssten. Aber für Victory-Kaffee und Soylent Green würde es irgendwie immer reichen. Inzwischen lief ein Stück von Billy Idol. Wie hieß dieses Lied? Es begann mit "Hey little sister what have you done".

Er hörte, wie der Schlüssel im Türschloss gedreht wurde. Dann das Klacken von Julias Absätzen auf dem Parkettboden. Einen Augenblick später lugte eine Gestalt ins Wohnzimmer, die einen an das polizeiliche Vermummungsverbot denken ließ. Eine dicke dunkelblaue Wollmütze, ein cremefarbener Schal und ein langer Wintermantel in Anthrazit. Irgendwo dazwischen Julias helle Augen, ihr Lächeln war nur an den winzigen Fältchen in den Augenwinkeln zu erkennen. Langes hellbraunes Haar quoll hervor, als sie die Mütze abnahm.

"Was war los?", fragte sie und ging, ohne eine Antwort abzuwarten, zur Garderobe, um sich der schweren Winterkleidung zu entledigen.

"Eigentlich wollte ich einkaufen gehen, aber dann kam was dazwischen", sagte er so laut, dass sie es hören musste.

"Was denn?", rief sie vom Flur aus.

"Ich wurde im Hausflur von hinten niedergeschlagen. Als ich aufwachte, war ich allein in einem dunklen Raum und gefesselt."

"Ach was", sagte Julia und kam grinsend ins Wohnzimmer.

"Na klar. Ich konnte durch eine spezielle Technik zur Entspannung und Anspannung von Muskeln, die ich vor Jahren bei den Shaolin-Mönchen gelernt habe, meine Fesseln etwas lösen", erzählte Mardo, während Julia sich auf das Sofa setzte und an ihn kuschelte.

"Und dann hast du

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