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Weißes Feuer (Darktown 2) Kriminalroman von Mullen, Thomas (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.11.2019
  • Verlag: DuMont Buchverlag
eBook (ePUB)
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Weißes Feuer (Darktown 2)

Atlanta 1950: Auch nach zwei Jahren Dienstzeit wird die Arbeit der ersten schwarzen Polizisten Atlantas täglich von Rassismus bestimmt. Die Cops Lucius Boggs und Tommy Smith haben kaum Befugnisse, und um Ermittlungen durchzuführen, sind sie auf die Hilfe weißer Polizisten angewiesen, die ihre Arbeit aber zumeist durch Schikanen und Willkür behindern. Als schwarze Familien - darunter die von Smiths Schwester - in ein ehemals rein weißes Viertel ziehen, beginnen die Rassenkonflikte in der sich rasant verändernden Stadt zu brodeln. Ein unkontrolliertes Ausbrechen der Gewalt scheint jederzeit möglich. Ausgerechnet in dieser aufgeheizten Atmosphäre werden Boggs und Smith durch eine Festnahme auf die Revierkämpfe zweier Schmugglerbanden aufmerksam. Ihre Ermittlungen führen sie nicht nur zu weißen Drahtziehern, sondern auch ins eigene Umfeld. Bald sind beide persönlich so tief in den Fall verstrickt, dass nicht weniger als ihre moralische Integrität auf dem Spiel steht. Ein hochspannender, vielschichtiger Kriminalroman und zugleich ein atmosphärisch dichtes Gesellschaftsporträt eines gespaltenen Landes, das den Rassismus nie überwunden hat. Thomas Mullen wurde 1974 in Rhode Island geboren und lebt mittlerweile mit seiner Familie in Atlanta. Der erste Band der Darktown Weißes Feuer

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 480
    Erscheinungsdatum: 08.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783832184766
    Verlag: DuMont Buchverlag
    Serie: Darktown 2
    Originaltitel: Lightning Men
    Größe: 1778 kBytes
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Weißes Feuer (Darktown 2)

PROLOG

DER TUNNEL IST lang und dunkel, und obwohl seine Beine sich bewegen, hat er das Gefühl, von einer unsichtbaren Kraft gezogen zu werden, dann weicht der Tunnel, und er steht allein unter dem riesigen Himmel Georgias. Zu seiner Rechten, vor einem lavendelfarbenen Glühen, wabern indigoblaue Wolkenfetzen, die sich mit dem Sonnenaufgang sicher auflösen werden. Zu seiner Linken Dunkelheit. Hier fühlt er sich bereit zum Aufbruch, auf der Schwelle zwischen Nacht und Tag, auf dem Scheitelpunkt von Sommer und Herbst, denn der Morgen ist so viel kühler als erwartet. Das Hemd, das er trägt, reicht nicht ganz aus, doch zumindest ist es seins, er besitzt es schon seit langer Zeit. Es ist zu dünn, denn es war Sommer, als man ihn damals verhaftete und seine Kleider gegen eine Gefängnisuniform ausgetauscht hatte. So lange her mittlerweile. Er steht da und zittert, begreift, wie riesig der Himmel und wie klein er selbst und wie unglaublich es ist, dass er hier allein steht, und es bilden sich Tränen in seinen Augen.

Er geht langsam, denn seine ersten Schritte als freier Mann sollen kein Hinken sein, obwohl sein rechtes Knie schmerzt, zwei Jahre schon, seit seinem Sturz bei der Brücke. Er weiß, dass seine rechte Schulter ein paar Zentimeter höher steht als die linke, eine Folge der Arbeit in Ketten, das endlose Schwingen der Axt hat seinen Körper verformt.

Er hatte vergessen, wie es sich anfühlt, sich draußen in der Welt zu bewegen, ohne das Gerassel an Hand- und Fußgelenken. Als hätte man ein Geräusch seines Körpers entfernt, als hätte ihm ein Prophet einen Dämon ausgetrieben.

Sein altes Hemd ist zu weit an der dünnen Taille, doch eng an den Armen. Er hat Felsen zertrümmert und Asphalt gegossen, Straßen gebaut, Gräben ausgehoben und Abwasserrohre verlegt. Er hat sogar Stallungen für Geflügel gebaut, sich der Ironie durchaus bewusst, dass er als Gefangener ein Gefängnis für niedere Kreaturen errichtete. Einmal hat er eine über einen Meter lange Strahlennatter getötet, die sich unter dem Laub schlängelte. Muss vorletzten Herbst oder den davor gewesen sein - er hat das Zeitgefühl verloren - als er dem Biest mit der Schaufel eins auf den nicht enden wollenden Hals gegeben hat. Danach hatte er über seine eigenen Reflexe gestaunt und sich gefragt, ob es nicht besser gewesen wäre, die Schlange hätte ihn gebissen, ihm das Gift eingeflößt und ihn innerhalb weniger Stunden aus diesem ganzen Elend erlöst. Es gab Tage und Nächte, in denen er sich wünschte, es wäre so passiert. Doch jetzt ist er anderer Meinung, denn jene Tage und Nächte haben sich verflüchtigt, und er hat überlebt, um Zeuge dieses atemberaubenden Sonnenaufgangs zu werden.

Die Hose ist mit ziemlicher Sicherheit nicht seine. An der Hüfte sitzt sie einigermaßen, doch sie ist fast zehn Zentimeter zu kurz. Sie muss einem anderen Negro-Gefangenen gehört haben, womöglich jemand, der noch die nächsten Jahre einsitzt. Deshalb spürt Jeremiah beim Gehen jetzt die kalte Herbstluft an seinen Fußgelenken.

Er vernimmt die Rufe von Vögeln und das, obwohl der nächste Baum Hunderte Meter entfernt steht. Noch sieht er keine Vögel am Himmel, obwohl es schon heller geworden ist, ein dunkles Blau liegt jetzt im Osten, und das lavendelfarbene Glühen hat sich in den wolkenlosen Westen verzogen. Die Sonne lugt über das flache Land und verleiht Jeremiah einen Schatten, einen recht langen, und mit jedem seiner Schritte wird der gigantische Schatten nur noch länger.

Es gab eine Zeit, als er dachte, er wäre fertig mit Gott. Er gewöhnte sich ab, Gott um seine Freilassung zu bitten, nach konkreten Dingen zu fragen, spezielle Wünsche zu äußern wie den Besuch seiner Liebsten oder wenigstens einen Brief, sondern bat um das nicht Greifbare. Ruhe. Geduld. Die Fähigkeit, den Tag zu überstehen. Mit langsamen Schritten dankt er jetzt dem Gott, von dem er sich eine kurze Zeit lang abgewandt hatte. Dem Gott, der ihn n

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