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Wenn das Herz im Kopf schlägt Kriminalroman von Borrmann, Mechtild (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 04.01.2013
  • Verlag: KBV Verlags- & Medien GmbH
eBook (ePUB)
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Wenn das Herz im Kopf schlägt

Von den Schreien wird sie wach. Von der Stille danach. Sie stolpert barfuß die steile Holztreppe hinunter, stößt sich den Zeh an der Schwelle zur Spülküche, drückt ihr ganzes Gewicht gegen die schwere Tür. Das Neonlicht beißt in ihren Augen. Vom Küchentisch tropft Tee die Wachstuchdecke hinunter und sammelt sich zu einer Pfütze auf dem Linoleumboden. Die dicke Kanne liegt reglos auf Bauch und Tülle. Ein Stuhl ist zerbrochen. Ihr Herz schlägt im Kopf ... Der alte Gietmann ist tot. Sie finden seine Leiche grausam zugerichtet auf einem Feldweg inmitten der endlosen Felder des Niederrheins. Noch am gleichen Tag erscheint in der örtlichen Tageszeitung seine Todesanzeige. 'Begrenzt ist das Leben, doch unendlich die Erinnerung.' Peter Böhm und seine Kollegen von der Kripo Kleve stoßen bei ihren Nachforschungen überall im Dorf auf Schweigen. Als drei Tage später eine weitere Männerleiche gefunden wird, macht sich unter den Bewohnern des Ortes Angst breit. Mechtild Bormann wuchs am Niederrhein auf und lebt seit 1983 in Bielefeld. Sie arbeitete zunächst 15 Jahre im verschiedensten pädagogischen Bereichen und ging dann für eineinhalb Jahre nach Korsika. Anschließend wechselte sie beruflich in die Gastronomie und führte ein Restaurant in der Bielefelder Altstadt. Seit 2011 arbeitet sie als freie Schriftstellerin. Ihr Kriminalroman 'Wer das Schweigen bricht' wurde mit den Deutschen Krimipreis 2012 aufgezeichnet und für den Friedrich Glauser Preis nominiert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 237
    Erscheinungsdatum: 04.01.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783954410132
    Verlag: KBV Verlags- & Medien GmbH
    Serie: KBV Krimi Bd.1
    Größe: 677 kBytes
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Wenn das Herz im Kopf schlägt

Samstag, 10. März 2001

- 10 -

Draußen empfängt ihn ein diesiger Märzmorgen. Die kalte Luft füllt seine Lungen. Die Feuchtigkeit legt sich auf seinen kahlen Kopf, bildet Tropfen in seinem grauen Haarkranz und kühlt sein Gesicht. Er geht mit zunehmendem Tempo und spürt, wie sein Körper sich von innen her aufheizt und die Wärme bis in seine Muskeln dringt. Er steigt die schmale, in den Deich eingelassene Treppe hinauf. Der Nebel zieht in dichten Schwaden über den alten Rhein. Hier oben auf dem Deich flüstert ein leichter Wind in die Stille. Schon nach einem Kilometer ist die kalte Feuchtigkeit im Gesicht nicht mehr unangenehm, sondern willkommene Abkühlung. Jeder Schritt führt ihn tiefer in den Nebel, weiter weg von menschlicher Geschäftigkeit. Er liebt die morgendliche Ruhe auf diesem Grat zwischen verschlafenen Dörfern auf der einen, und dem behäbigen Fluss auf der anderen Seite.

Als er sich vor vier Jahren aus Köln hierher versetzen ließ, war es gerade diese Weite gewesen, die ihn angezogen hatte. Er hatte auf dem Deich gestanden und mehrmals Brigittes und seinen Namen gerufen. Nur so. Nur um zu hören, dass seine Rufe ohne Echo verebbten.

Brigitte war das unheimlich gewesen. Sie hatte gesagt: Hier ist man so verloren, Peter. Damals sah er sie verständnislos an. Inzwischen weiß er, was sie meinte. Nur, dass er es nicht "verloren" nennt. Er fühlt sich hier frei. Und immer, wenn er für ein paar Tage fort ist, sehnt er sich nach diesem grenzenlosen Himmel.

Brigitte hatte sich gewehrt, aber in Köln wollte sie auch nicht bleiben, und schon gar nicht in dem Haus, in dem alles an Andreas erinnerte. Dann veröde ich eben am Niederrhein, hatte sie gesagt.

Es war anders gekommen. Zuerst hatte sie Deutsch für Ausländer an der Volkshochschule unterrichtet, und inzwischen arbeitet sie in ihrem Beruf als Sozialpädagogin bei der Arbeiterwohlfahrt. Manchmal sehen sie sich zwei bis drei Tage nicht, schlafen nur nebeneinander.

Sie führten heftige Auseinandersetzungen, und Brigitte warf ihm vor, sich all die Jahre entzogen zu haben. Sie kümmerte sich um ihren geistig behinderten Sohn, und er verdiente Geld. Er gestand ein, dass er die Arbeit gesucht hatte. Dass er die Behinderung seines Sohnes nicht ertragen konnte, oder besser: seine eigene Hilflosigkeit. Sie sagte, sie sei nicht mehr bereit, ein Leben mit dem Titel Warten auf Peter zu führen.

Seither ist er sich ihrer nicht mehr so sicher, und das macht ihm Angst. Er liebt Brigitte und will mit ihr alt werden. Vielleicht ist es Phantasielosigkeit, aber ein Leben ohne sie scheint ihm undenkbar.

Er stellt fest, das er schneller läuft. Weglaufen! Vor dem Gedanken, sie zu verlieren, weglaufen. Er biegt in den kleinen Feldweg ein und läuft die letzten fünfhundert Meter langsam aus. Plötzlich hört er sie. Seit Tagen kommen sie in großen Gruppen an. Hunderte von Wildgänsen ziehen über seinen Kopf. Er bleibt wie angewurzelt stehen. Ihre Rufe durchbrechen den Nebel, wecken die Felder und den Fluss. Zweihunderttausend hatte man im letzten Jahr geschätzt. Er hüpft auf der Stelle, um in Bewegung zu bleiben. "Guten Morgen", ruft er ihnen zu, und für die Dauer einiger Herzschläge empfindet er Glück. Im Frühjahr, wenn sie kommen, und im Spätherbst, wenn sie wieder abziehen. Immer wenn er Zeuge ihrer Reisen wird, empfindet er diese Freude, der kein Lachen gerecht werden kann.

Als er später nach dem Duschen in die Küche kommt, hat Brigitte bereits gefrühstückt.

"Gerade ist wieder ein Schwarm Wildgänse angekommen!" Er nimmt Brigittes Gesicht in beide Hände und küsst sie auf die Stirn. "Sechstausend Kilometer haben sie hinter sich. Ohne Motor!" Er strahlt sie an.

"Peter, könntest du heute was einkaufen? Ich bi

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