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Wenn die Wahrheit stirbt Band 13 - Roman von Crombie, Deborah (eBook)

  • Verlag: Goldmann
eBook
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Wenn die Wahrheit stirbt

Ein raffinierter, typisch englischer Krimi über Verrat und Betrug
London: Der Psychotherapeut Tim Cavendish ist besorgt, da sein Patient, der Rechtsanwalt Nazir Malik, nicht zur vereinbarten Sitzung erschienen ist. Vor einigen Wochen war Nazirs Frau spurlos verschwunden, und der Rechtsanwalt stand längere Zeit unter Verdacht, ihr etwas angetan zu haben. Als kurz darauf seine Leiche gefunden wird, übernimmt Superintendent Duncan Kincaid den Fall. Handelt es sich um Selbstmord? Oder wurde Nazir ermordet? Gemeinsam mit seiner Frau Inspector Gemma James kommt Duncan einem grausamen Geheimnis auf die Spur ...


Deborah Crombies höchst erfolgreiche Romane um Superintendent Duncan Kincaid und Inspector Gemma James von Scotland Yard wurden mit dem »Macavity Award« ausgezeichnet und für den »Agatha Award« und den »Edgar Award« nominiert. Die Autorin lebt mit ihrer Familie im Norden von Texas, verbringt aber viel Zeit in England, wo ihre Romane angesiedelt sind.

Produktinformationen

    Kopierschutz: watermark
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641275631
    Verlag: Goldmann
    Größe: 5639 kBytes
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Wenn die Wahrheit stirbt

Prolog

Umbra sumus - »Wir sind Schatten«

 

Inschrift auf der Sonnenuhr der ehemaligen Hugenottenkirche in der Brick Lane, der heutigen Jamme-Masjid-Moschee

Der Sonntag begann wie jeder normale Sonntag, nur mit dem Unterschied, dass Sandras Mann Naz in seine Rechtsanwaltskanzlei gegangen war, um ein paar Stunden zu arbeiten - eine für ihn ungewöhnliche Abweichung von den ungeschriebenen Familiengesetzen.

Sandra war anfangs ein wenig verärgert gewesen, hatte dann aber beschlossen, die Zeit für eines ihrer eigenen Projekte zu nutzen. Nachdem sie gefrühstückt und die Hausarbeit erledigt hatte, war sie deshalb mit Charlotte in ihr Atelier im obersten Stock des Hauses hinaufgegangen.

Dort arbeitete sie zwei Stunden lang und trat dann mit kritischer Miene von den Textilmustern zurück, die sie an den mit Musselin bespannten Rahmen geheftet hatte. Die sorgfältig zugeschnittenen, einander überlappenden Stofffetzen setzten sich zu einem Kaleidoskop von Bildern zusammen, sodass auf den ersten Blick der Eindruck eines abstrakten Kunstwerks entstand. Erst bei genauerem Hinsehen traten die Umrisse von Straßen und Gebäuden zutage, von Menschen, von Vögeln und anderen Tieren - alle in irgendeiner Weise symbolisch für die Geschichte und Kultur des Londoner Viertels, in dem Sandra lebte: das East End, speziell die Brick Lane und die umliegenden Straßen.

Schon als Kind hatte Sandra ihre Vorliebe für schöne Stoffe entdeckt. Damals hatte sie an einer Marktbude in der Brick Lane eine zerschlissene Patchworkdecke erstanden. Zusammen mit ihrer Oma hatte sie die komplizierten Muster bewundert und gerätselt, welche Stücke wohl von der besten Schürze irgendeiner Tante Mary stammen mochten, welche vom Sonntagskleid eines kleinen Mädchens und welche vom ausrangierten Pyjama irgendeines Onkel George.

Diese Leidenschaft hatte sowohl die Kunsthochschule überlebt als auch den Druck, sich der Shock-Art-Welle anzuschließen. Sandra hatte Zeichnen und Malen gelernt, und nach und nach hatte sie diese Fertigkeiten auf ihre eigene Technik übertragen, die sie immer noch als ein »Malen mit Stoff« begriff. Doch anders als Farbe war Stoff ein greifbares, dreidimensionales Material, und die Arbeit damit faszinierte sie heute noch genauso wie damals, als sie noch sehr zögerlich ihr allererstes Werk geschaffen hatte.

Heute jedoch war irgendetwas nicht so, wie es sein sollte. Die Arbeit hatte nicht die emotionale Strahlkraft, die Sandra anstrebte, und sie kam einfach nicht dahinter, was daran nicht stimmte. Sie veränderte hier eine Farbe und dort ein Muster, trat wieder zurück, um das Ergebnis aus einer anderen Perspektive zu betrachten, und runzelte erneut die Stirn. Der dunkle Backstein der georgianischen Stadthäuser bildete den Rahmen für eine Kaskade aus Farbe - es mochte die Fournier Street sein, oder auch die Fashion Street, in der die Frauen in ihren langen Kleidern auf und ab spazierten und kunstvoll gearbeitete Eisenkäfige hoch hielten. Doch in den Drahtkäfigen saßen keine Vögel, sondern die Gesichter von Frauen und Kindern, manche dunkler, manche heller, das eine oder andere umrahmt vom traditionellen Hidschab der Muslimas.

Das Licht der Vormittagssonne strömte durch die großen Atelierfenster des Speichers herein. Im Winter war die Wärme ein Segen - wenn auch nicht unbedingt jetzt, Mitte Mai -, aber es war die Klarheit des Lichts, die sie an diesem Ort von Anfang an fasziniert hatte, und diese Faszination empfand sie noch heute, auch dann, wenn es mit der Arbeit einmal nicht so gut voranging.

Sie und Naz hatten das Haus in der Fournier Street vor über zehn Jahren gekauft, als sie gerade frisch verheiratet waren, und sie hatten die feuchten Wände, den bröckelnden Putz und die primitiven Sanitärinst

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