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Wer das Schweigen bricht von Borrmann, Mechtild (eBook)

  • Verlag: Pendragon
eBook (ePUB)
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Wer das Schweigen bricht

August 1939: Sechs junge Menschen geben sich das Versprechen, füreinander da zu sein. Während der Nazi-Zeit wird ihre Freundschaft auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Denn Verrat wird mit dem Tod bestraft. Jahrzehnte nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckt Robert Lubisch im Nachlass seines Vaters, einem Industriemagnaten der Nachkriegszeit, das Foto einer attraktiven Frau und einen Wehrpass, ausgestellt auf einen ihm unbekannten Mann. Was hat das alles mit seinem Vater zu tun? Robert macht sich auf die Suche und stößt dabei auf eine Journalistin, die sofort eine große Story ahnt und bereit ist, dafür auch den Ruf seines Vaters zu opfern. Doch noch bevor sie Robert etwas mitteilen kann, wird sie grausam ermordet. Robert ist entsetzt. Welche alten Wunden hat er mit seinen Nachforschungen wieder aufgerissen.

Mechtild Borrmann wurde 1960 geboren und lebt heute in Bielefeld. Ihre Kindheit und Jugend verbrachtesie am Niederrhein. Ihre Krimis sind daher häufig in Kleve und Umgebung angesiedelt. Sie arbeitete u. a.als Tanz- und Theaterpädagogin und war lange Jahre Inhaberin eines Restaurants in der Bielefelder Altstadt.Bereits bei Pendragon erschienen: 'Morgen ist der Tag nach gestern' (2007) und 'Mitten in der Stadt' (2009).

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 224
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783865322630
    Verlag: Pendragon
    Größe: 234 kBytes
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Wer das Schweigen bricht

Kapitel 3
20. April 1998

Der Frühling hatte nach einem milden Winter nicht lange auf sich warten lassen, und in den letzten Tagen war das Thermometer auf sommerliche 25 Grad gestiegen. Am Niederrhein zeigten sich die Wiesen in sattem Grün, übersät vom Gelb des Löwenzahns, und dazwischen hielt Wiesenschaumkraut an langen Stielen kleine rosafarbene Blüten hoch. Die Höfe und Dörfer wirkten wie willkürlich und mit großer Hand in die Ebene gestreut, Häusergruppen, die in der flachen Weite kauerten.

Robert Lubisch war zu einem Kongress an der Raboud Universität in Nimwegen eingeladen und nutzte die Gelegenheit, sich in Kranenburg nach dem Fotoatelier Heuer zu erkundigen.

Gegen Mittag erreichte er den Ort. Ein Kreisverkehr und dann eine Straße wie ein breiter Schnitt, an dem sich die Häuser aus dunkelroten Backsteinen zu beiden Seiten wie Schaulustige in die erste Reihe drängten. Kleine Geschäfte und Ladenlokale unter spitzen Dächern. Es waren nur wenige Menschen unterwegs.

Er stellte den Wagen in einer der Parkbuchten am Straßenrand ab und betrat ein Lokal mit blütenweißen Stores vor den Fenstern. Auf den Tischen standen, auf gestärkten cremefarbenen Tischdecken, kleine Porzellanvasen mit bunten Plastiksträußchen, die man mit einem Staubwedel frisch halten konnte. Eine Schiefertafel neben der Theke pries in geschwungener Schrift Spargelgerichte an. Es war noch früh, das Restaurant menschenleer.

Eine rundliche Frau stand hinter der Theke, öffnete mit einem Steakmesser Briefe und ließ die leeren Umschläge achtlos in den Papierkorb zu ihren Füßen fallen. Ihr gegenüber saß ein älterer Mann vor einem halbvollen Glas Bier und rauchte filterlose Zigaretten. Als Robert Lubisch sich an den Tresen stellte, sahen die beiden ihn erwartungsvoll an. Er grüßte.

"Essen", sagte die Frau, "gibt es erst in einer Stunde. Um zwölf."

Er schüttelte den Kopf. "Nein, nein. Essen wollte ich nicht, vielen Dank."

Er bestellte Espresso und zog das Porträtfoto aus der Tasche seines Leinenjacketts.

"Ich wollte Sie fragen", begann er umständlich, "ob Sie mir vielleicht weiterhelfen können?"

Er legte das Foto mit der Rückseite nach oben auf den Tresen und wies auf den Stempel. "Ich suche diese Adresse. Fotoatelier Heuer." Er lächelte verlegen: "Vielleicht gibt es das heute gar nicht mehr, aber ..."

Die Frau, wahrscheinlich die Wirtin, unterbrach ihn. "Heuer, ja Mensch, der ist doch schon mindestens zwanzig Jahre nicht mehr." Der Mann beugte sich über die Fotorückseite und nickte zustimmend. "Mindestens!", pflichtete er bei, drehte sich auf seinem Hocker um und wies in eine unbestimmte Richtung. "Der war doch da am Eck, wo jetzt der Linnen sein Versicherungsbüro hat."

"Richtig." Die Frau schenkte der Post jetzt keine Beachtung mehr. "Aber vor Linnen war ja noch die Wiebke Steiner mit den Kindermoden da drin." Sie verschränkte die Arme und musterte Lubisch misstrauisch. "Warum wollen Sie das denn wissen?"

Er zögerte, hatte für einen Augenblick das Gefühl, er dürfe die Frau auf dem Foto nicht einfach herzeigen. Das war albern. Er wusste das.

Er drehte das Foto um. "Wissen Sie, wer diese Frau ist?"

Die Wirtin nahm das Bild und betrachtete es eingehend. "Soll die von Kranenburg sein?"

Lubisch zuckte mit den Schultern. "Ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass dieses Foto im Atelier Heuer gemacht worden ist."

Sie reichte das Bild an den Alten weiter, der es in seinen nikotingelben Fingern hielt und mit ausgestreckten Armen und zusammengezogenen Augenbrauen begutachtete. Er zuckte mit den Schultern: "Ich bin ja nicht von hier, bin erst 1962 hergezogen, und das Bild ist sicher älter. Aber der alte Heuer, der lebt doch noch ... Muss schon an die neunzig sein, der Heuer."

Die Wirtin war jetzt unverhohlen neugierig. "Was ist denn mit der Frau? Ich mein, wieso suchen Sie die?"

Robert Lubisch log, ohne genau zu wissen waru

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