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Wer mordet schon in Niederösterreich? 11 Krimis und 125 Freizeittipps von Wind, Jennifer B. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.07.2016
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
8,99 €
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Wer mordet schon in Niederösterreich?

Von Hainburg bis zum Schneeberg morden in elf Kurzkrimis "Die Triestingtaler Mordsfrauen", zwei Autorinnen, denen die ausgeklügeltsten Mordfälle nie ausgehen. Das Industrieviertel wird nicht nur Schauplatz fieser und gewiefter Verbrechen, sondern bietet viele Sehenswürdigkeiten, die in diesem Band vorgestellt werden. Freuen Sie sich auf eine todernste Sightseeing-Tour durch eines der schönsten Viertel Niederösterreichs mit viel rabenschwarzem Humor und einem fulminanten satirischen Showdown im schönsten Casino Österreichs. Mit einem Vorwort von Gerhard Tötschinger und einer satirischen Einführung von Andreas Gruber.

"Die Triestingtaler Mordsfrauen" Jennifer B. Wind und Veronika A. Grager könnten unterschiedlicher nicht sein, und doch überzeugt das Komplettpaket. Jennifer, die vor überbordender Ideen ausbricht wie ein Vulkan, Energie in alle Richtungen schleudert und nicht aufhört, bis alle Kraft erschöpft ist. Veronika, mit der Ruhe eines fließenden Stroms, bremst die Eruptionen im richtigen Moment und kühlt den Vulkan auf gemäßigte Betriebstemperatur. Zwischen Hotspot und Cool Water finden sie sich zu einem kreativen Miteinander. Gemeinsam ist ihnen die Freude am Erfinden mörderischer Storys und daran, Lesungen in fröhliche Events zu verwandeln, indem sie ihre Texte mit kurzen kabarettistischen Einlagen auflockern. Eine Mordsgaudi ist somit garantiert.

Produktinformationen

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Wer mordet schon in Niederösterreich?

Flieg!

Von Veronika A. Grager

Seit mein Bruder Florian auf der Welt war, nervten meine Eltern mich damit, ihn überallhin mitzunehmen.

"Harry, du als der Ältere musst auch ein wenig Verantwortung für ihn übernehmen", hieß es dann regelmäßig. Wie komm ich dazu? Wollte ich den Blödmann, der sich die ersten Jahre buchstäblich an meine Hosenbeine krallte und überall im Weg stand? Nein! Meine Eltern hatten beschlossen, ein weiteres Kind zu bekommen. Na fein, dann sollten sie sich auch darum kümmern!

Sie hatten es nicht getan, damals nicht und heute war noch immer ich derjenige, der sich um den Kleinen kümmern sollte. Nur war der inzwischen 17 Jahre alt und ein unkalkulierbares Risiko für sich und die Umwelt. Er wäre ein guter Schüler gewesen, hätte er wenigstens in der Schule aufgepasst. Er war nämlich intelligent. Aber faul, hinterhältig und mit allen Lastern behaftet, die der Teufel auf die Erde gebracht hat. Rief ich ihn zur Ordnung, konnte ich mir anhören: "Lass mich in Ruhe, du bist nicht mein Vater." Oder: "Hör auf. Du gehst mir auf die Nerven!"

Und was taten meine Eltern dagegen? Sie seilten sich ab. Schoben die Verantwortung für den Nachzügler immer mehr mir zu. Seit Jahren fühlte es sich für mich so an, als wäre ich mit neun Jahren Vater geworden. Unnatürlich ist das!

In den letzten zwei Jahren wurde es immer ärger. Florian soff, nahm Drogen, blieb nächtelang fern von zu Hause, und wenn er da war, schlief er oder brüllte rum und verwüstete das Haus. Ich hatte mir längst abgewöhnt, ihn wegen irgendwelcher Kleinigkeiten zur Rede zu stellen. Aber hin und wieder riss auch mir der Geduldsfaden. "Verpiss dich, du Streber!", war noch das Netteste, was ich mir dann anhören konnte. Wenn er betrunken oder zugekifft war, fielen auch schon mal die Worte: "Ich wollte, du wärst tot!"

Und ich wollte, du wärst nie geboren worden.

Unsere Eltern bekamen von all dem kaum etwas mit. Wie auch? Sie waren ja nie zu Hause. Vater arbeitete bei einer EU-Behörde in Brüssel und kam nur jedes zweite Wochenende heim, manchmal auch nur alle vier Wochen. Mutter war Leiterin einer kleinen Bankfiliale in Wien. Wir wohnten jedoch nahe Wiener Neustadt. Sie wollte nicht täglich pendeln und übernachtete unter der Woche in ihrer kleinen Garçonnière in Wien. Harry war ja da - das Kindermädchen vom Dienst. Und wenn sie mal mitkriegten, dass Zoff in der Luft lag, dann - wie könnte es anders sein - folgte nicht etwa ein Ordnungsruf an den kleinen Idioten. Es hieß vielmehr: "Ach Harry, sei doch nicht so streng mit Florian. Er ist doch noch ein Kind!"

Ach nein, wie konnte mir das entgehen? In seinem Alter war ich schon seit acht Jahren Vater und Mutter gleichzeitig gewesen. Ich durfte nie Kind sein! Woher sollte ich wissen, was ein Kind sich an Freiheiten nehmen durfte und was nicht?

Ich war 26, und seit Florian meine Freundin flachgelegt hatte, war es vorbei mit meinem letzten Goodwill. Susi war ein nettes Mädchen, wenn auch nicht gerade Einstein junior. Aber sie hielt es aus, wenn ich oft nicht weg konnte, weil ich hinter meinem Arschloch von Bruder herrennen musste, wenn er wieder mal auf der Polizeistation gelandet war. Betrunken Leute angepöbelt hatte. Oder mein Auto geklaut hatte und gegen einen Baum gefahren war. Zugekifft gegen das Portal eines Geschäftes gepinkelt hatte. Ich musste all meinen Charme, den Einfluss meines Vaters und alle möglichen und unmöglichen Ausreden ins Spiel bringen, um den Blödmann wieder freizukriegen. Zum Dank spuckte er mir ins Gesicht und deckte mich mit einer Flut unflätiger Ausdrücke ein, die ich noch nie im Leben gehört hatte. Ich wollte gar nicht wissen, wo er die aufgeschnappt hatte.

Erstaunlich war nur, was passierte, wenn meine Eltern gelegentlich zu Hause waren. Dann spielte er ihnen eine oscarreife Vorstel

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