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Wie du ihr von Beckett, Bernard (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 13.06.2016
  • Verlag: script 5
eBook (ePUB)
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Wie du ihr

Der fesselnde Psychothriller von Bernard Beckett bietet spannende Unterhaltung, überrascht mit unerwarteten Wendungen und konfrontiert die Leser mit moralischen Fragen. Ein packender Roman, der lange nachhallt. Alles, was du willst, ist Gerechtigkeit. Das, was dir bleibt, ist Rache. Orientierungslos wacht Marko in einer psychiatrischen Klinik auf: Wie kam er hierher? Warum wurde er betäubt? Was wird mit ihm geschehen? Dann erkennt er jemanden aus seiner Vergangenheit - und begreift, dass er sterben soll. Marko muss Zeit gewinnen. Genügend Zeit, um seine Geschichte aufzuschreiben: die Geschichte eines harmlos beginnenden Ausflugs, eines Erdbebens, das Markos Welt zum Einsturz brachte, und eines Mordes, der nie gesühnt wurde. In der fiebrigen Atmosphäre einer Gesellschaft am Abgrund fasst Marko einen Plan: Er wird den Täter zur Rechenschaft ziehen.

Bernard Beckett, geboren 1967, ist einer der bekanntesten und profiliertesten neuseeländischen Autoren für junge Erwachsene. Seit 1999 hat er acht Romane veröffentlicht, von denen viele mit den wichtigsten Literaturpreisen Neuseelands ausgezeichnet wurden. 'Wie du ihr' war in der Kategorie Junge Erwachsene für den New Zealand Post Book Award nominiert. Beckett lebt mit seiner Frau Clare in Wellington. Er unterrichtet Mathematik und Englisch an einer Highschool.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 184
    Erscheinungsdatum: 13.06.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783732006076
    Verlag: script 5
    Übersetzt von: Aus d. Engl. v. Gallus, Christine
    Originaltitel: Jolt
    Größe: 1977kBytes
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Wie du ihr

3

16. April

Hier ist mein Platz zum Schreiben. Ich hab ihn gestern zufällig entdeckt. Es war zwar riskant herumzulaufen, aber ich habe es einfach nicht mehr länger im Bett ausgehalten. Mit diesem unerträglichen Gefühl, meine Zeit zu verschwenden und nur darauf zu warten, dass er wiederkommt. Als ich aufstand, hat mir alles wehgetan. Ich muss wirklich schwer verletzt gewesen sein. Viel schwerer, als ich dachte. Wenn ich mich zu weit vorbeuge, habe ich solche Schmerzen im Rücken, dass ich mich kaum noch bewegen kann. Ich spüre bei jedem Atemzug meine Rippen und mein Körper ist mit blauen Flecken übersät, die allmählich verblassen.

Von meinem Bett aus sehe ich den Flur und ich habe die anderen Patienten vorbeilatschen sehen. Es gibt viele verschiedene Arten, verrückt auszusehen. Ich habe meine eigene entwickelt. Ich gehe so gebeugt, wie das mit meinem Rücken geht, und taste mich mit winzigen Schritten vorwärts. Mein Mund steht offen, sodass mir die Spucke über die Unterlippe läuft. Bei den Augen muss ich am meisten aufpassen, damit sie mich nicht verraten. Es ist schwer, mit leerem Blick herumzulaufen, anstatt ihn auf irgendetwas zu richten. Zum Glück habe ich herausgefunden, dass sich ein Tränenfilm bildet, wenn man möglichst wenig blinzelt. Das hält die Welt auf Abstand.

Obwohl es im Moment nicht so aussieht, als würde mich irgendjemand aufmerksam beobachten. Vermutlich ist das nur eine provisorische Station - viele Dinge scheinen hier nur halb fertig zu sein. Die Ärzte und Schwestern wirken zerstreut. Als könnten sie es kaum erwarten, zu wichtigeren Dingen zurückzukehren. Die wenigen Pflegekräfte, die überhaupt hier sind. Manchmal ist es schwer, eine Krankenschwester zu finden, und wenn, dann sind sie immer in Eile und sehen müde aus. Wahrscheinlich ist das im Moment überall so. Wegen des Erdbebens. Das macht die Sache einfacher für mich. Nur vor dem Arzt muss ich mich in Acht nehmen. Soweit ich weiß, kommen die Ärzte immer nur einmal am Tag, meistens abends oder nachts, und machen hastig ihre Runden.

Also habe ich angefangen herumzulaufen. Es tut so gut, aus diesem Zimmer herauszukommen, dass ich mich beherrschen muss, um nicht zu lächeln. Ich wandere den Flur entlang und drehe eine Runde durch die Station. Am Schwesternzimmer vorbei, dann zu den Toiletten, durch den Aufenthaltsraum, in dem die Besucher sitzen und so tun, als würden sie den durchdringenden Uringestank nicht riechen. Und krampfhaft versuchen, nicht auf den laufenden Fernseher zu starren. Weiter zu den Zimmern, an deren Türen Schildchen mit unseren Namen hängen, falls wir sie vergessen haben. Auf meinem Schild steht "Chris". Den Namen hat sich irgendein Arzt oder eine Schwester für mich ausgedacht und ich werde mich hüten, ihnen etwas anderes zu sagen. Gar nichts werde ich ihnen sagen. Ich laufe einfach nur den ganzen Tag durch die Gegend und sehe mich um, denn das ist besser, als nichts zu tun.

Bei meiner dritten Runde kehrte ich nicht zurück. Es war, als wollte ein Teil von mir davonlaufen. Und alles zurücklassen. Eine Telefonnummer wählen, reden, eine vertraute Stimme hören und einfach alles stehen und liegen lassen. Ich ging durch die große Glastür, als wäre ich überhaupt kein Patient, sondern irgendein Typ, der die Stromleitungen überprüft und zufällig einen Krankenhauspyjama trägt. Am verwaisten Empfangsschalter und am Aufzug neben dem Treppenhaus vorbei. Obwohl ich genau wusste, wie gefährlich mein Verhalten war, fühlte ich mich mit jedem verbotenen Schritt leichter. Aber viel weiter kam ich nicht. Das Schicksal ließ mich nicht gehen.

Ich kam zu einer interessant aussehenden Tür, in der sich ein kleines Glasfenster befand. Als ich durchsah, konnte ich kaum etwas erkennen, weil der Raum dahinter nur schwach beleuchtet war. Verwundert stellte ich fest, dass sie unverschlossen war, und ging durch einen kurzen dunklen Korridor, bis ich vor einer unverputzten

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