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Wiedergänger Roman von Kui, Alexandra (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 16.02.2010
  • Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
eBook (ePUB)
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Wiedergänger

Rache, die im Tod nicht ruht: In ihrem virtuos komponierten Roman beschwört Alexandra Kui böse Geister. Lübeck, 1942. Ein Mann wird lebendig begraben -von seinen eigenen Kindern. Sechzig Jahre später werden die Geschwister von ihrer Tat eingeholt, und nicht nur sie müssen grausam dafür büßen. Kuis unerhört spannender Roman erzählt von der Macht eines alten Fluchs und von einer Schuld, für die jede Generation mit dem Tod bezahlen muss. Nicht jeder, der verschwindet, wird vermisst. Als Tönges Engel, Sprengmeister im Ruhestand, nach einem Streit mit der Verwandtschaft das Haus verlässt und nicht mehr zurückkommt, kümmert das niemanden. Bis seine Enkeltochter und Firmenerbin Liv anfängt, Fragen zu stellen. Alte Narben reißen auf. Hat jemand aus der zerrütteten Lübecker Familie den schroffen Patriarchen beseitigt? Oder hat sich Tönges Engel abgesetzt, um endlich den Geistern seiner Vergangenheit die Stirn zu bieten? Livs Suche führt bis nach Island, wo Tönges' Schwester bereits auf sie wartet. Dort muss Liv nicht nur gegen Schnee und Eis, sondern auch gegen einen angeblichen archaischen Fluch kämpfen. Alexandra Kui wurde 1973 in Buxtehude geboren. Sie studierte Soziologie in Hamburg und arbeitete für verschiedene Tageszeitungen, bevor sie ihren ersten Kriminalroman schrieb. Heute lebt sie als Autorin, Musikerin und Journalistin auf der Geest bei Hamburg. Zuletzt erschien 2008 bei Hoffmann und Campe ihr gefeierter Roman Blaufeuer .

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 320
    Erscheinungsdatum: 16.02.2010
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783455402711
    Verlag: Hoffmann und Campe Verlag
    Größe: 499 kBytes
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Wiedergänger

Milch (S. 219-220)

Immerhin schneit es nicht. Vier Worte, fünfundzwanzig Zeichen, die Liv vor der Kälte abschirmen, während sie sich durch die beißende Islandbrise kämpft, die Hände in den Taschen des Parkas vergraben, die Augen hinter der Sonnenbrille zu Schlitzen zusammengekniffen. Der Segensspruch des Tages stammt von Aaron, übermittelt per SMS als ebenso prompte wie lakonische Antwort auf ihren ausführlichen Wetterbericht. Unglaublich: Sie ist im Ausland und kommuniziert auf eigene Initiative mit ihrem halbwüchsigen Sohn - und es gefällt ihr sogar. Geradezu beschwingt betritt sie die nächste Boutique, um ihm ein Geschenk zu kaufen.

Ein minimalistisch eingerichteter Laden, ruhige elektronische Musik, blasswangiges, noch ruhigeres Personal. Sie entscheidet sich für eine Fließkapuzenjacke in Schwarz-Anthrazit mit orangefarbenen Kordeln, zum einen, weil ihr in der Stadt schon etliche Jugendliche mit Kleidern dieser Marke begegnet sind, zum anderen, weil das prächtig überteuerte Stück Stoff Ulfur" heißt, was Wolf bedeutet, wie die Verkäuferin ihr erklärt. Sie denkt, sie hofft, das könnte Aaron gefallen.Als sie wieder hinaus ins Freie tritt, treibt der Wind ihr zarte, eiskalte Daunen ins Gesicht: Schnee. Ungläubig legt sie den Kopf in den Nacken und lässt sich berieseln.

Eben hat noch die Sonne geschienen.Der Himmel über Liv ist zweigeteilt: Das helle Blau wird nach und nach von einer Wolkenfront verdrängt, eine dickflüssige Erscheinung, schwarz wie Pech, zäh wie gerinnendes Blut. Viel Blut. Eine Blutlache auf Asphalt, kein Zweifel, Liv erkennt den Umriss wieder, und eine längst vergessen geglaubte Erinnerung packt sie wie ein Alptraum mitten am Tag: Sie ist elf, und sie hat einen ziemlich großen Hund, einen Afghanen-Mix, den sie wegen seines vornehmen Gehabes siezt, Herr Konradi.

Die distanzierte Anrede täuscht jedoch, es ist ein sehr inniges Verhältnis, von Harmonie geprägt. Außer an diesem Nachmittag, da haben sie Streit, und zwar um einen roten Turnschuh, Markenware, brandneu. Sie verlieren beide die Kontrolle über sich, Herr Konradi zuerst. Er beißt Liv in die Hand, nicht allzu schlimm, aber es schmerzt doch, worauf sie ihn mit einem Tritt in den Garten hinausbefördert, was eigentlich tabu ist ohne Aufsicht und Schleppleine, denn Herr Konradi ist eine Jägernatur. Wenn er eine Katze sieht, ist ihm kein Zaun zu hoch. Vermutlich ist der Kater der Nachbarin der Grund, dass er auf die Straße rennt - vor den Lieferwagen einer Bäckerei. Sie hat noch den Schriftzug vor Augen.

Als die Bilder verschwinden und die Wolkenfront sich in das zurückverwandelt, was sie ist, nämlich die Zutat eines Wetterwechsels und nicht mehr, findet Liv sich gegen eine Hauswand gelehnt. Ihr ist übel, der Rauputz in ihrem Rücken fühlt sich erstaunlich warm an, als sei das Haus, das sie stützt, ein lebendiges Wesen. Menschen gehen vorüber, Zeit verstreicht. Wieder mal ein Blick auf die Armbanduhr, aus Ratlosigkeit. Fast zwei.

Da sie nicht weiß, wie spät es war, bevor diese merkwürdige Sache passiert ist, bedeutet Liv diese Information im Grunde nichts, ruft ihr aber die Verabredung mit Renar ins Gedächtnis. Zum Lunch. Sie wird sich wohl etwas verspäten.Damit sie den Mut findet, sich von der Wand zu lösen, tasten Livs Augen noch einmal den Himmel ab. Die schwarze Wolke hat jetzt beinahe die Oberhand gewonnen, davor Möwenschwärme in gestochener Schärfe, die weißen Gefieder reflektieren die letzten Strahlen der Sonne."Ich habe Vögel gesehen, Ragnar", murmelt sie.Und noch einiges mehr. Ist es möglich, dass dieser verrückte Elfenkundler mit seinen esoterischen Anwandlungen sie nachhaltig durcheinandergebracht hat? Oder ist etwa immer noch der Wodka schuld?

Die Helligkeit? Dieses eigenartige Land? Was es auch ist, Liv erkennt sich selbst kaum wieder. Wenigstens wirkt die kalte Luft belebend, und die übelkeit verfliegt bereits nach wenigen Schri

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