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Wilder Winter Ein Hap & Leonard-Roman von Lansdale, Joe R. (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 15.11.2014
  • Verlag: Golkonda Verlag
eBook (ePUB)
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Wilder Winter

Hap Collins: weiß, hetero, Kriegsdienstverweigerer. Leonard Pine: schwarz, schwul, Vietnamveteran. Die beiden ungleichen Freunde haben schon bessere Tage gesehen und schlagen sich mit Gelegenheitsjobs auf den Rosenfeldern von Texas durch. Eines schönen Wintermorgens tauchen Haps Ex-Frau Trudy und ein paar Kumpels aus den 60er Jahren auf, die den bewaffneten Kampf gegen das Establishment wiederbeleben wollen. Das Startkapital dazu liegt angeblich im Sabine River: eine Million Dollar aus einem schiefgelaufenen Bankraub. Hap ist in der Gegend aufgewachsen und soll bei der Suche helfen. Doch die Zeiten haben sich geändert, und auch ehemaligen Revolutionären sitzt mittlerweile das Hemd näher als die Hose. So bewahrheitet sich bald das, was Leonard von Anfang an klar war: Wo Trudy ist, gibt's Ärger. Es wird ein wilder Winter. Aufgenommen in die KrimiWelt-Bestenliste von WELT, ARTE und Nordwestradio. Krimi, Horror, Science Fiction, historischer Roman ? Joe R. Lansdale ist als Schriftsteller in zahlreichen Gefilden zu Hause. Der gebürtige Texaner weiß nicht nur durch seine Ideenvielfalt und seinen schwarzen Humor zu überzeugen, es ist vor allem seine erzählerische Urwüchsigkeit, die seine Fans begeistert.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 204
    Erscheinungsdatum: 15.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783944720401
    Verlag: Golkonda Verlag
    Serie: Hap & Leonard 1
    Originaltitel: Savage Season
    Größe: 5181 kBytes
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Wilder Winter

Kapitel 1

An dem Nachmittag, als die ganze Geschichte ihren Anfang nahm, war ich mit meinem alten Freund Leonard Pine auf dem großen Feld hinter meinem Haus. Ich schoss mit einer zwölfkalibrigen Flinte, und er zog die Vögel hoch.

"Zieh", sagte ich, und er zog, und die nächste Tontaube flog gen Himmel. Ich riss das Gewehr hoch und holte sie runter.

"Mann", sagte Leonard, "triffst du eigentlich nie daneben?"

"Nur wenn ich will."

Ich hatte schon vor langer Zeit von echten Tauben auf tönerne umgesattelt. Ich hatte keine Lust mehr, irgendetwas zu töten, aber das Schießen machte mir immer noch Spaß. Anlegen, abdrücken, den Rückstoß an der Schulter spüren und sehen, wie dein Ziel in der Luft zerfetzt wird - das hat schon etwas sehr Befriedigendes.

"Ich muss 'ne neue Kiste aufmachen", sagte Leonard, "die Täubchen sind alle tot."

"Dann lade ich jetzt mal 'ne Zeit lang nach, und du schießt."

"Ich habe zweimal so lange wie du geschossen und nicht mal halb so viel erwischt."

"Mir egal. Mir verzieht's allmählich schon die Optik."

"Blödsinn."

Leonard stand auf, wischte sich die großen schwarzen Hände an seiner Khakihose ab, schlenderte zu mir herüber und nahm die Flinte. Wir waren gerade dabei zu laden, er die Flinte und ich die Startschleuder, als Trudy um eine Ecke des Hauses bog.

Wir sahen sie im selben Moment. Ich hatte mich gerade umgedreht, um eine weitere Kiste Tontauben zu öffnen, und Leonard hatte sich gerade umgedreht, um eine Schachtel mit Munition aufzuheben. Und da kam sie im Sonnenlicht auf uns zugeschlendert.

"Scheiße", sagte Leonard, "jetzt gibt's Ärger."

Trudy war ungefähr vier Jahre jünger als ich, sechsunddreißig, aber sie sah immer noch aus wie sechsundzwanzig. Langes blondes Haar und Beine bis zum Hals - tolle, dunkel gebräunte Beine mit kräftigen Schenkeln. Und sie verstand sich zu bewegen. Sie beherrschte diesen speziellen Hüftschwung, der auch ihre Brüste sanft mitwippen ließ, gerade so, dass Männer von der Straße abkamen, weil sie es nicht lassen konnten, ihr hinterherzuschauen.

Sie trug ein enges beigefarbenes Sweatshirt, und man konnte sehen, dass sie nach wie vor keinen BH brauchte. Dazu, wie es gerade modern war, einen kurzen schwarzen Rock, der mich an die späten 60er und ihre Minirock-Zeiten erinnerte - an damals, als ich sie kennenlernte. Als sie noch eine große Künstlerin werden und ich irgendwie die Welt retten wollte.

Soweit mir bekannt war, hatte sie es in puncto Kunst nie weiter als bis zu einem Zeichentisch und zum Ankleiden von Schaufensterpuppen gebracht. Und was meine Weltrettungsaktionen betraf - die beschränkten sich im Wesentlichen auf ein paar Unterschriften unter alle möglichen Petitionen, vom Metall-Recycling bis zur Rettung der Wale. Inzwischen warf ich meine Dosen in den Müll, und ich hatte keinen blassen Schimmer, wie es den Walen ging.

"Nimm dich vor ihr in Acht", sagte Leonard, bevor sie in Hörweite war.

"Sowieso."

"Du weißt, was ich meine. Komm bloß nicht heulend zu mir gerannt, wenn sie dich wieder rumkriegt und dann wieder hängen lässt. Hör auf mich, kapiert?"

"Ich hab schon verstanden."

"Ja, ja, und das Hirn setzt aus, wenn der Schwanz steht."

"So ist das nicht, und das weißt du auch."

"Dann eben so ähnlich."

Trudy kam näher, und jetzt, als ihr die Mittagssonne voll ins Gesicht schien, sah ich, dass sie doch nicht mehr ganz wie sechsundzwanzig aussah. Die Poren auf ihrer Nase waren etwas größer, unter ihren Augen hatte sie Krähenfüße und um die Mundwinkel herum Lachfältchen. Sie hatte immer gern gelacht, und sie konnte über alles lachen. Eine meiner glücklichsten Erinnerungen war ihre Art zu lachen, wenn wir miteinander schliefen. Dann war ihr Lachen hell und klar wie der Gesang der Vögel. Ich wollte nicht daran denken, aber die Erinnerung war sofort wieder da, wie ein Dorn in meinem Hinterkopf.

Sie

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