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Winterdunkel Erzählungen von Edwardson, Åke (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 17.11.2017
  • Verlag: Ullstein
eBook (ePUB)
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Winterdunkel

Kommissar Winter trifft an einem Mittsommertag auf einem Klassentreffen alte Freunde wieder. Zwei Wochen später ruft ihn einer der Freunde aufgelöst an, seine Frau Monika sei verschwunden. Winter taucht ein in die Verstrickungen der Vergangenheit. Nicht nur er hatte zu Schulzeiten mit Monika ein Verhältnis. Das Echo eines Eifersuchtsdramas führt ihn schließlich auf die Spur des Täters. Kommissar Winter ist einer der beliebtesten Kommissare der Kriminalliteratur der letzten zwanzig Jahre. In diesem Band erleben wir ihn von der persönlichen Seite. Literarische und psychologisch spannende Erzählungen, die perfekt in die dunkle Jahreszeit passen.

Åke Edwardson, geboren 1953, lebt mit seiner Frau in Göteborg. Einige Monate im Jahr verbringt das Ehepaar im Süden Spaniens, in Marbella. Bevor Edwardson einer der weltweit erfolgreichsten Krimiautoren wurde, arbeitete er als Journalist u. a. im Auftrag der UNO im Nahen Osten.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 352
    Erscheinungsdatum: 17.11.2017
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783843716086
    Verlag: Ullstein
    Größe: 2387kBytes
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Winterdunkel

Eigentlich ist alles perfekt

A m Lucia-Abend klingelte das Telefon, es war noch nicht spät, aber die Kinder schliefen schon. Er kannte die Nummer nicht, meldete sich jedoch trotzdem.

"Ja? Hier ist Peter."

"Peter! Christian hier!"

Name und Stimme kamen ihm bekannt vor, aber nur vage, wie eine Erinnerung, die sich fast in Luft aufgelöst hat.

"Christian Becker! Eine Stimme aus der Vergangenheit!"

"Becker!" Er hörte sein eigenes Ausrufezeichen. Die Erinnerungen kehrten zurück, unmittelbar wie ein Windstoß, nicht alle waren angenehm. Aber Becker war ein Freund gewesen.

"Ich hab was über dich gelesen", sagte Christian.

"Dann hast du mehr gelesen als ich."

"Haha, du bist berühmt, alter Freund."

"Vorbei."

"Wie meinst du das, Peter?"

"Es ist schon lange her, seit ich in den Medien war. Nicht, dass ich gerade darunter leide. Aber es ist lange her, seit ich etwas geschrieben habe, das Aufmerksamkeit erregt hat. Auch darunter leide ich nicht."

"Unsinn, mein Freund. Du bist einer der größten Schriftsteller des Landes, und alle warten auf dein nächstes Buch."

"Alle?"

"Haha, ja genau, alle. Wir warten alle! Wird Zeit, dass du's rausbringst, Junge."

"Vielleicht in meiner nächsten Inkarnation."

Sie unterhielten sich noch eine Weile. Christian war enthusiastisch, und Peter versuchte, es auf das zu reduzieren, was es war: Schreibblockade und Schweigen. Vielleicht war es keine richtige Schreibblockade, morgens spürte er jedenfalls keine Sehnsucht nach seinem Schreibtisch. Früher hätte man ihn nicht einmal mit Gewalt davon vertreiben können. Jetzt verließ er den Schreibtisch schon am Vormittag, je eher, desto besser. Er hatte vorgeschlagen, dass die Kinder den ganzen Tag bei ihm zu Hause sein könnten, weil er ja ohnehin nicht schrieb. Das könnten sie sich eine Weile leisten. Irgendwann würde er wieder ein Buch schreiben, das Geld einbrachte. Er hatte keine Eile.

Dennoch war er traurig, als wäre etwas für immer in ihm abgestorben. Als wüsste er, dass es ihm nie mehr gelingen würde, eine Geschichte zu Ende zu erzählen.

"Dann sehen wir uns also Freitag", hörte er Christian sagen. Sie hatten offenbar verabredet, sich zu treffen. Hier bei ihm zu Hause. Er fragte sich, was Elin dazu sagen würde.

"Muss das wirklich sein?", sagte sie. "Mitten in den Weihnachtsvorbereitungen."

"Es wird nicht länger als eine Stunde dauern."

"Ihr hättet euch in einem Pub treffen können. Das ist eine bessere Idee, finde ich. Ich bin zu müde, um Gastgeberin zu spielen."

"Das brauchst du nicht. Christian möchte einfach gern sehen, wie wir leben."

"Und du konntest nicht nein sagen?"

"Nein." Er lächelte. "Es ist schwer, Christian etwas abzuschlagen."

"Wann habt ihr euch das letzte Mal gesehen?"

"Das ist ... ungefähr fünfundzwanzig Jahre her. Dreißig Jahre."

"Und du kannst ihm immer noch nichts abschlagen?"

"Ich hab bloß Spaß gemacht."

"So klang das aber nicht."

Um sieben klingelte Christian an der Haustür. Die Kinder waren noch auf. Sie rannten um die Wette zur Tür.

"Aber hallo, ihr Kleinen!", sagte er und lachte.

Er hatte sich nicht verändert, überhaupt nicht. Peter konnte keinen Unterschied sehen zu den dreißig Jahren, aber vielleicht hatte er es vergessen. Christian sagte etwas, das er nicht verstand.

"Entschuldige, was hast du gesagt?"

"Du hast dich überhaupt nicht verändert, Peter."

"Ach was. Komm rein und mach die Tür zu. Es ist kalt."

"Ja, es ist sehr kalt für die Jahreszeit", sagte Christian und schloss die Tür hinter sich.

"Es ist Winter", sagte Elin. "Da muss es doch kalt sein."

"Das ist meine Frau", sagte Peter.

"Angenehm." Christian streckte die Hand aus. Elin sah sie an und nahm sie, ohne zu lächeln. Peter dachte, sie könnte sich ruhig ein bisschen mehr Mühe geben,

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