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Witwe Meier und das Sarggeflüster Kriminalroman von Johnsberg, Jette (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 06.07.2016
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Witwe Meier und das Sarggeflüster

Frau Meier ist verliebt. Platonisch, versteht sich - mehr oder minder, denn sie ist noch immer nicht ganz über den Tod ihres Mannes hinweg. Der Bamberger Bestatter Paul Uhlbein liebt Frau Meier, oder auch einfach nur "Schnuppel", sogar ohne "Anfassen". Doch statt die Vorweihnachtszeit genießen zu können, geht es in ihrer Bestatter-Patchworkfamilie drunter und drüber. Ein in der Martinsgans verschwundener Ehering, ein unauffindbares Sargbukett und dann auch noch das mysteriöse Abtauchen des "Schwierigvaters" nebst Christkind - ausgerechnet am Heiligen Abend! Jette Johnsberg wurde 1969 in Coburg geboren und verbrachte bereits als Kind viel Zeit damit, sich Geschichten auszudenken und zu erzählen. Neben ihrer Ausbildung zur Fotografin schrieb sie für die Coburger Neue Presse. Danach lebte sie lange im Bamberger Land, arbeitete für verschiedene Zeitungen sowie im Bereich Tourismus. Heute ist Jette Johnsberg in einem kleinen oberbayrischen Dorf zu Hause, wo sie eine Naturheilpraxis führt, Bücher und Geschichten schreibt und das Frankenland mit seinem besonderen Menschenschlag ganz schrecklich vermisst. Besuchen Sie die Autorin auf ihrer Homepage unter www.jettejohnsberg.com.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 289
    Erscheinungsdatum: 06.07.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839250648
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 2104 kBytes
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Witwe Meier und das Sarggeflüster

5. Daham is daham

Frau Meier hatte auf dem Weg nach Hause noch rasch ein paar leckere Kleinigkeiten eingekauft, die sie am heutigen Abend in aller Ruhe ausschließlich mit sich selbst teilen wollte. Ein paar Scheiben Roastbeef, ein wenig Parmesan, zu feinen, zarten Löckchen gehobelt, etwas Weißbrot, ein Fläschchen Cremant und selbstverständlich ein klitzekleines Schächtelchen mit neun handgefertigten Pralinen aus diesem entzückenden Laden in der Langen Straße. Der kleine Luxus. Jedes Pralinchen ein grandioses Kunstwerk. Mit kandierten Veilchenblättern verziert, oder mit gehackten Pistazien obendrauf. Sinnlichkeit für den Gaumen - ganz für sie alleine. Sie hatte sich schon während des Einkaufs darauf gefreut, heute endlich einmal wieder sie selbst sein zu dürfen. Ohne Paul und ohne jedweden Anspruch auf Etikette.

Als sie die Wohnungstür aufsperrte, kam ihr ein abgestandener Geruch entgegen. Wie lange war sie nun schon nicht mehr hier gewesen? Eine Woche, zwei? Sie wusste es nicht. Durch die Dunkelheit blinkte im Flur das rote Licht ihres Anrufbeantworters. Sieben Nachrichten in Abwesenheit. Sie knipste den Lichtschalter an, verstaute ihre, beim Einkauf eroberten, Schätze rasch im Kühlschrank, wobei sie aus selbigem erst einmal einen verschimmelten Wurstteller und einen braunwelken Salatkopf entsorgen musste. Früher habe ich nie etwas wegwerfen müssen, durchfuhr es sie, und das Nachkriegskind in ihr bekam für einen Sekundenbruchteil heftige Schuldgefühle deswegen.

Noch während sie die Fenster öffnete, um mal richtig durchzulüften, hörte sie an ihrem mobilen Telefon die aufgezeichneten Anrufe ab. Zweimal die Versicherung, wegen eines Datenabgleichs, dann Gina, die sich verwählt hatte. Einmal Georg, der fragte, wo in aller Welt sie denn eigentlich steckte, und dann, zu ihrer großen Überraschung, Gottlieb Carl, der Metzger. Zweimal hörte sie nur eine Art Murren oder Grunzen, dann hatte er wieder aufgelegt. Beim dritten Versuch hatte er jedoch offenbar allen Mut zusammengenommen und auf das Band gesprochen:

"Du, Madla, ich wollt mich a mol widda meldn. Kennst mei Stimm? Da Gottlieb is dran. Bist'n du eichentlich gor nimma daham? Mensch, du kümmst ja a gar nimmer nunter nein Carlsdurm. Ham'ma dir irchendwas gedon? Ich man, mir könnt'n doch a mol widda a weng a Schlachtschüssl zusam' ess. Du, da Georch, die Olga und ich a. Mensch, des is doch echt a schöna Zeit g'wen, wie mir noch a weng mehra Kondakt g'habt ham. Ruf halt a mol o. Oder kumm einfach runda. Die Olga dät sich fei echt freun. Ich glab, die tät ganz gud a weng a Freundin brauchn könna. Also dann mach's mol gud und mir sehn uns die Tach hoffendlich endlich. Adela, dann."

Frau Meier musste schmunzeln. Wenn Gottlieb Carl sich dazu herabgelassen hatte, das ihm total verhasste Telefon anzufassen, ja gar auf einen Anrufbeantworter zu sprechen, dann musste schon irgendetwas im Argen liegen. Doch davon wollte sie sich heute nicht aus der Ruhe bringen lassen. Heute war ihr Abend. Den ganzen Tag kümmerte sie sich seit einem Jahr nun um das Leid anderer. Irgendwann war auch sie endlich mal dran.

Nachdem die Wohnung gut gelüftet war, drehte sie die Heizung voll auf und den Fernseher an. Es war kurz nach sechs und im ZDF ermittelte gerade mal wieder irgendeine SOKO. Derart viele Verbrechen, wie in Deutschland über den Bildschirm flackerten, gab es nicht mal, wenn man die reale Verbrechensstatistik verdoppeln, ja verdreifachen würde. Dennoch machte sie es sich auf dem Sofa gemütlich, kroch unter ihre leicht verfilzte Plüschdecke mit dem Leopardenmuster und stellte fest, dass sie das alles hier schrecklich vermisst hatte. Gut, Paul hatte ein schickes Haus. Eigentlich konnte man es glatt als Villa bezeichnen. Sie hatte dort ihr eigenes Schlafzimmer, ein Ankleidezimmer, ein angrenzendes Bad, und all das war zusammen schon größer als die Grundfläche ihrer Dreizimmerwohnung, hier in der Bergstraße. Aber irgendwie war "daham"

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