text.skipToContent text.skipToNavigation
background-image

Wolfsgebiet Kriminalroman von Graf, Edi (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.07.2019
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
11,99 €
inkl. gesetzl. MwSt.
Sofort per Download lieferbar

Online verfügbar

Wolfsgebiet

Der Wolf ist zurück im Schwarzwald. Seit ein einzelnes Tier dutzende von Schafen getötet hat, ist der Nordschwarzwald Wolfsgebiet. Als im Wald neben der Leiche eines Mädchens Wolfsspuren im Schnee gefunden werden, steht der graue Jäger als Täter fest. Doch die Tübinger Journalistin Linda Roloff stößt auf Spuren, die auf einen kaltblütigen Mörder schließen lassen, der mit Isegrims Waffen tötet. Zusammen mit dem afrikanischen Safariführer Alan Scott sucht sie nach der Fährte des Wolfs und macht dabei eine grausame Entdeckung ... Edi Graf, Jahrgang 1962, studierte Literaturwissenschaft in Tübingen und arbeitet als Moderator und Redakteur bei einem Sender der ARD. Zuhause ist er in Rottenburg am Neckar. Seit über 30 Jahren bereist der Autor den afrikanischen Kontinent und lässt neben seinen Protagonisten, der Journalistin Linda Roloff und ihrer Fernliebschaft, dem Safariführer Alan Scott, die gemeinsam zwischen Schwarzwald und Afrika ermitteln, auch Tierwelt und Natur tragende Rollen zukommen. Er greift aktuelle und bewegende Themen auf und liefert dazu detailliert recherchierte Hintergründe, die er geschickt in den Plot integriert. Durch authentisch beschriebene reale Handlungsorte haucht er seinen Krimis Echtheit und Leben ein.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 409
    Erscheinungsdatum: 10.07.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783839261040
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Serie: Linda Roloff 8
    Größe: 2173 kBytes
Weiterlesen weniger lesen

Wolfsgebiet

5

Das schrille Scheppern der Haustürglocke riss Harald Haag aus dem Schlaf. Er schielte auf seinen Wecker und erkannte durch die Lamellen der herabgelassenen Jalousien, dass es draußen schon hell war. Kurz nach halb neun ...

Früher hatte er selbst bei Spätdienst um diese Zeit längst im Bus nach Pforzheim gesessen, frisch geduscht und rasiert, den kleinen Rucksack mit der Thermoskanne Kaffee und dem Vesperbrot, das ihm seine Katja liebevoll gerichtet hatte, neben sich auf der freien Sitzbank und den Blick hinaus auf die Landschaft, die sich zwischen den Dörfern erstreckte.

Er hatte es geliebt, in der Arbeitspause im Baumarkt seinen Kaffee zu trinken und das Wurstweckle auszupacken, den Duft der groben Hausmacher Leberwurst einzuatmen und den ersten Bissen zu genießen. Eine hauchdünne Schicht Butter unter der Leberwurst musste sein, und genau so schmierte ihm Katja sein Brötchen, jeden Morgen, jeden Tag.

Seitdem er geschieden war, leistete er sich weder Butter noch Leberwurst. Nicht einmal Brötchen. Im Kühlschrank fanden sich - wenn überhaupt - drei, vier Flaschen Bier und ein Glas Essiggurken. Der Joghurt war oft abgelaufen, der Käse verschimmelt. Er war kein Hausmann. Und kein Ehemann mehr.

Nicht einmal ein richtiger Vater. Trotzdem lag im Kühlschrank immer wenigstens eine Tafel Kinderschokolade für Luisa. Mindestens. Manchmal, wenn er wusste, dass sie kam, auch ein Überraschungsei. Das mochte sie.

Der zweite schrille Schepperton der Haustürglocke schien ungeduldiger und lauter als der erste und Harald Haag wälzte sich aus dem Bett und machte Licht. Er hatte in Unterhose und Unterhemd geschlafen, zog das Hemd an, das von gestern noch auf der anderen, unbenutzten Hälfte des Doppelbetts lag, und schrie laut: "Jaaaaaa! Ich komm ja!", als die Haustürglocke zum dritten Mal schepperte. Seit sie ihm gekündigt hatten, war er nicht mehr so früh aufgestanden.

Das Scheppern nervte noch ein viertes Mal. Da scheint es jemand verdammt eilig zu haben , dachte Harald Haag, als er in die Jeans schlüpfte, sich Wollsocken anzog und ohne Schuhe aus dem Schlafzimmer wankte. Der Flur war noch dunkel, da alle Jalousien unten waren, doch er kannte den Weg durch den L-förmigen Gang.

Statt des Schepperns dröhnte ihm nun ein dumpfes Poltern von der Haustür entgegen, Fäuste schlugen gegen das milchige Glas und Haralds Hand fuhr zum Lichtschalter, um dem Ungeduldigen zu signalisieren, dass er auf dem Weg war.

"Geht's noch?", fauchte er zornig und bog um die Ecke Richtung Eingang. Der Schnee im Hof leuchtete in hellem Grau. Harald Haag erkannte durch das Milchglas die dunkle Silhouette eines Mannes im Gegenlicht des sonnigen Morgens. Er sah den Schattenriss der Arme und der zu Fäusten geballten Hände, die jetzt ein Trommelfeuer gegen die Tür eröffneten.

"Sag mal, spinnst du? Hör sofort auf!", schrie er dem Unbekannten entgegen. Der schien ihn gehört zu haben und das Faustfeuer setzte aus. Zwei Schritte und Harald war an der Tür.

"Wer ist da?", rief er so laut, dass man es draußen hören konnte.

"Ich! Los, mach schon auf!"

Er erkannte die aufgebrachte Stimme von Role Gassner.

"Mach auf, oder ich schlag dir die Tür ein!", drohte Role jetzt und das Faustfeuer trommelte erneut gegen die Tür.

Harald Haag zögerte. Er wusste, dass der Neue seiner Ex ein grober Klotz war und auch schon in Rottenburg eingesessen hatte, vielleicht sogar mehrmals. Drogen, Diebstahl, Sachbeschädigung, Körperverletzung. Auch er hatte mit ihm schon Auseinandersetzungen gehabt, Streitereien wegen Katja oder Luisa, doch es war nie zum Äußersten gekommen. Leere Drohungen, eine aufgeschlagene Bierflasche, ein Kratzer im Auto aus einer Wut heraus, mehr nicht.

"Los, mach auf!", brüllte Role weiter. "Ich will zu Luisa!"

Luisa, durchfuhr es Harald. Wieso Luisa? Sie war doch gar nicht bei ihm!

Er drückte die Klinke nieder und

Weiterlesen weniger lesen

Kundenbewertungen