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Zürcher Dämmerung Kriminalroman von Moritz, Michael (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 24.06.2019
  • Verlag: Emons Verlag
eBook (ePUB)
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Zürcher Dämmerung

In Zürich wird die Welt entschieden Roger Stahl, ehemaliger Elite-Soldat der Schweizergarde, soll in Zürich den verschwundenen Vater einer Mathematikerin suchen, die an einem brisanten Forschungsprojekt arbeitet. Dabei geht es nicht nur um Milliarden, sondern auch um die Macht auf dem digitalen Weltmarkt. Stahl, der für einen alten Kumpel vorübergehend als Geschäftsführer eines Striplokals im Kreis 4 fungiert, nimmt den Auftrag an. Der Weg in einen tiefen Sumpf aus Intrigen und Verrat beginnt ... Michael Moritz, 1968 in Freiburg geboren, studierte Schauspiel an der Folkwang-Hochschule in Essen und spielte an renommierten Schauspielhäusern. Moritz schreibt für Theater, Film und Hörfunk und lehrt Theater an deutschsprachigen und internationalen Hochschulen. Derzeit ist er als Theaterregisseur international tätig.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: none
    Seitenzahl: 272
    Erscheinungsdatum: 24.06.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783960414964
    Verlag: Emons Verlag
    Größe: 2847 kBytes
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Zürcher Dämmerung

EINS

"Du brauchst das nicht zu tun", sagte sie und kaute nervös am Nagel ihres rechten kleinen Fingers.

Stahl stellte die Einkaufstaschen auf den Küchentisch und räumte die Esswaren in den Kühlschrank.

"Gib mir lieber Geld. Am besten, du steckst es in den Briefkasten. Dann fühle ich mich nicht so beschissen."

Stahl kramte im Hängeschrank über dem Spülbecken und suchte nach einer Pfanne.

"Willst du jetzt etwa auch noch kochen? Du spinnst wohl. Das mache ich selber. Sag mir lieber, wo du Lilly versteckt hast. Sie ist nämlich meine Tochter." Sie war laut geworden. Ihre Stimme kippte und brach in den hohen Tönen zusammen. Die beiden Kleinen kamen in die Küche. Stahl konnte keine Ähnlichkeit mit Lilly erkennen. Dafür hatten sie die traurigen Augen von Matthi. Ob er auch in der Wohnung war? Stahl hatte nicht in die Zimmer gesehen. Er war nur gekommen, um das Essen zu bringen. So wie er es einmal wöchentlich tat, seit er der Beistand von Lilly war. Lilly hatte ihn darum gebeten. Sie hätte es nicht ertragen, dass es ihr gut gehen sollte und ihre Halbgeschwister weiterhin im Elend ihrer Eltern hausten. Also spielte Stahl den Samariter, so gut er es vermochte, und kaufte einmal die Woche ein. Aber er wollte weder mit Nina noch mit Matthi etwas zu tun haben. Er kannte Junkies, wusste zu gut, wie seine eigene Mutter geendet hatte. Irgendwann gab es keine Hoffnung mehr ausser dem nächsten Schuss. Und sowohl Nina als auch Matthi hatten ihren Bogen längst überspannt. Es war nur eine Frage der Zeit, bis er brach. Vielleicht würde sich die Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde dann endlich der beiden Kleinen annehmen. Stahl hatte mehrere Male dort angeklopft. Sie hatten ihn vertröstet. Die Heime seien voll. Sie hätten keine Kapazitäten. Ausserdem gehe die Mutter einer regelmässigen Arbeit nach. Ein Witz. Sie war als Putzfrau im Cabaret "Barbados" geführt. Tatsächlich aber wurde sie dort für ein paar Franken täglich mehrmals gevögelt.

"Machst du wieder Omeletten?", fragte der Kleine und leckte mit der Zunge über die Lippen.

"Wenn ich wüsste, wo die Pfanne ist", sagte Stahl.

"Die hat Matthi. Er setzt sich gerade einen Schuss", sagte die Schwester, kaum einen Kopf grösser als der Zwerg.

"Mit einer Omelettenpfanne? Da genügt doch ein Löffel."

"Er zittert zu stark", sagte Nina und kicherte heiser. "Ich wollte ihm helfen, aber er hat Angst, dass ich ihm das Zeug klaue. Arschloch!" Sie stiess sich von der Wand ab. "Ich hole die Pfanne. Die Kinder brauchen was zu essen." Sie verschwand.

Stahl nahm die Eier aus dem Kühlschrank.

"Mit Speck?", fragte der Kleine.

Stahl nickte.

Geschrei ertönte aus einem der Zimmer. Es polterte und krachte. Glas barst. Die Kinder liefen beide aus der Küche, dorthin, von wo der Lärm kam. Warum Kinder immer ihren Eltern helfen wollten?

Stahl kümmerte sich nicht. "Pack schlägt sich, Pack verträgt sich", murmelte er. Ein Spruch, der sich ihm eingebrannt hatte, seit er sechs Jahre alt war. Seine Alten hatten sich ordentlich verdroschen. Die Mutter mussten sie mit der Ambulanz ins Spital bringen. Alfred ging für zwei Tage in den Bau. Eine schaulustige Nachbarin hatte schief gelächelt und diesen Satz gesagt. Und Stahl erinnerte sich an beides. An den Satz und an das schiefe Lächeln. Auch er hatte gerade schief gelächelt, als er den Satz gesprochen hatte.

Das Geschrei wurde lauter. Jetzt mischten auch noch die Kinder mit. Stahl stützte sich auf das Spülbecken und atmete tief durch. Was tat er sich da an? Nein. Er war kein Sozialarbeiter. Er tat es für Lilly. Er drehte den Wasserhahn auf und drückte seinen Kopf unter den kalten Strahl. Das Geschrei verstummte. Er hörte nur das Plätschern. Es tat gut. Noch fünf Sekunden länger. Das genügte. Er schüttelte sich und suchte nach einem sauberen Geschirrhandtuch, um sich die Haare damit zu trocknen. Fehlanzeige. Sauber war hier gar nichts. Dafür roch es verbrannt.

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