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Zeckenbiss Thriller von Thiesler, Sabine (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 23.04.2018
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Zeckenbiss

Die Großstadt, ein Moloch, Brutstätte des Verbrechens. Faruk lernt von Kindesbeinen an, dass man als Krimineller am besten fährt. Er ist Mehrfach- und Intensivtäter, kommt aber immer wieder mit geringen Strafen davon. Bis irgendwann etwas Schreckliches geschieht. Wenig später mordet ein Mann scheinbar wahllos, sucht sich komplett unterschiedliche Opfer. Und erst allmählich wird klar, dass er mit all seinen Taten einen grausamen Plan verfolgt ... Sabine Thiesler, geboren und aufgewachsen in Berlin, studierte Germanistik und Theaterwissenschaften. Sie arbeitete einige Jahre als Schauspielerin im Fernsehen und auf der Bühne und schrieb außerdem erfolgreich Theaterstücke und zahlreiche Drehbücher fürs Fernsehen (u.a. Das Haus am Watt, Der Mörder und sein Kind, Stich ins Herz und mehrere Folgen für die Reihen Tatort und Polizeiruf 110). Bereits mit ihrem ersten Roman "Der Kindersammler" stand sie monatelang auf den Bestsellerlisten. Ebenso mit den folgenden Büchern "Hexenkind", "Die Totengräberin", "Der Menschenräuber", "Nachtprinzessin", "Bewusstlos", "Versunken", "Und draußen stirbt ein Vogel", "Nachts in meinem Haus" und zuletzt: "Zeckenbiss".

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 560
    Erscheinungsdatum: 23.04.2018
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641215576
    Verlag: Heyne
    Größe: 3529 kBytes
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Zeckenbiss

13

Jedes Mal, wenn Wolfgang Bergmann die Treppe zu seiner Wohnung hinaufstieg, kam die Erinnerung wieder hoch. Mit Macht. Niemand erwartete ihn. Karin nicht. Und Jenny nicht. Seine Wohnung war leer. Nach einer Weile gewöhnte er sich daran, aber das Nachhausekommen war schwer.

Im Treppenhaus roch es muffig. Niemand kam auf die Idee, ab und zu mal ein Flurfenster zu öffnen. Wenn er es tat und eine halbe Stunde später noch einmal danach sah, war das Fenster hundertprozentig wieder geschlossen. Als würde ein leiser Luftzug die Pest ins Treppenhaus wehen.

Frau Seesen im ersten Stock hatte wieder ihren Müll vor die Tür gestellt, unsortiert, und er fand es widerlich, Joghurtbecher, gebrauchte Slipeinlagen, leere Büchsen von Katzenfutter und Fischgräten durch die leicht durchsichtige Plastiktüte zu erkennen. So brauchte er nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, wie Frau Seesen lebte. Noch nicht einmal die Blumen würde er sich von ihr gießen lassen.

Aber zum Glück hatte er keine Blumen, und Frau Seesen war er nur ganz selten auf der Treppe begegnet. Er wusste, dass sie weiße Haare hatte, aber ob sie kurz oder lang waren, konnte er nicht sagen.

Ihm gegenüber im dritten Stock wohnte Giorgio Falerni, ein "pianista". Er legte Wert auf diese Berufsbezeichnung, dabei war er ein armseliger Alleinunterhalter, den man für Hochzeiten und Feste aller Art buchen konnte. "Die kleine Nachtmusik" spielte er zum Abendessen, mit "Hossa, hossa, hossa" läutete er den Tanz ein.

Wolfgang mochte den Italiener, der vor Heimweh fast verrückt wurde, jedes Jahr zwei Kilo abnahm, mittlerweile ein Schatten seiner selbst war und auf jedem Fest ab dreiundzwanzig Uhr nur noch italienische Sehnsuchtsschnulzen spielte, während ihm die Tränen übers Gesicht liefen.

Giorgio bekochte sich täglich, es war seine Maßnahme gegen das Heimweh. Wenn er aß, ging es ihm besser.

Wolfgang kochte für sich selbst so gut wie nie, aber wann auch immer er bei Giorgio klingelte, tischte der ihm italienische Köstlichkeiten auf. Und Giorgio war glücklich, wenn es Wolfgang schmeckte.

Wolfgang revanchierte sich hin und wieder mit Kinokarten, einem Spaziergang durch den Zoo oder einer Dampferfahrt auf dem Wannsee.

Giorgio bezeichnete Wolfgang, sein Gegenüber auf dem Flur, als "beste amico del mondo". Für Giorgio war Wolfgang eben "numero uno!", das hatte er ihm oft genug und immer wieder gesagt.

Falls nötig, wäre Wolfgang für den einsamen, traurigen italienischen Nachbarn durchs Feuer gegangen. Und umgekehrt.

Bei Giorgio war heute alles still. Wolfgang hörte keine Musik, nichts. Auch ansonsten war es ruhig, als wäre das ganze Haus verwaist.

Wolfgang schloss seine Tür auf. Alles okay. Es war wie immer. Er war allein in seiner Bude und konnte sich zum Teufel noch mal nicht damit abfinden.

Im Flur ließ er seine Tasche fallen und ging zur Station des Telefons im Wohnzimmer. Kein Licht blinkte. Niemand hatte versucht, ihn anzurufen, niemand hatte auf den Anrufbeantworter gesprochen.

Als er sich Schuhe und Jacke ausgezogen und ein Bier aufgemacht hatte, rief er Karin an. Sie hob sofort ab, als hätte sie neben dem Telefon gesessen und auf einen Anruf gewartet.

"Hi, hier ist Wolfgang", sagte er. "Wie geht's?"

"Gut."

"Geht's dir wirklich gut?"

"Ja, ja, ja. Ich habe heute zu viel Lakritze gegessen, darum geht es mir vielleicht ein bisschen schlecht, weißt du, aber dann war ich am Strand, und dann war es wieder besser."

"An welchem Strand?"

"Na, am Strand eben."

"Wo ist ein Strand, zu dem du gehen könntest?"

"Gleich hinter Potsdam. Da waren

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