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Zeig dich, Mörder von Begley, Louis (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 10.01.2015
  • Verlag: Suhrkamp
eBook (ePUB)
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Zeig dich, Mörder

Jack Dana war als US-Marine an den einschlägigen Kriegsschauplätzen der Welt im Einsatz. Nach einer Verletzung beginnt er zu schreiben, und gleich sein erster Roman wird ein großer Erfolg. Als er von einer längeren Reise zurückkehrt, muss er erfahren, dass sich sein Onkel Harry, der wie ein Vater für ihn war, in seinem Wochenendhaus auf Long Island das Leben genommen hat. Doch Jack, der seinen Onkel besser kennt als jeder andere, glaubt nicht an Selbstmord. Wollte jemand Harry aus dem Weg räumen? Doch weshalb? Und welche Rolle spielt Kerry Black dabei, die schöne Kollegin Harrys, der Jack zusehends verfällt? Jack verstrickt sich immer tiefer in die Machenschaften der einflussreichen Kanzlei, bei der Harry gearbeitet hat - und gerät bald selbst in Lebensgefahr ... Louis Begley hat mit Zeig dich, Mör der einen eleganten und dabei fesselnden Roman geschrieben, der die Leser von den Bürotürmen New Yorks mitten nach Long Island führt. Geistreich und hintersinnig entblättert er die protzigen Fassaden malerischer Wochenendhäuser - und inszeniert ein Katz-und-Maus-Spiel, das den Leser um seinen Helden Jack Dana bangen lässt. Louis Begley, 1933 in Polen geboren, arbeitete bis 2004 als Anwalt in New York. Als Schriftsteller wurde er mit seinem Roman Lügen in Zeiten des Krieges weltweit bekannt. Seine Bücher wurden in 18 Sprachen übersetzt und vielfach ausgezeichnet.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 302
    Erscheinungsdatum: 10.01.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783518739891
    Verlag: Suhrkamp
    Originaltitel: Killer Come Hither
    Größe: 875 kBytes
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Zeig dich, Mörder

I

Dies ist eine wahre Geschichte. Die Namen bestimmter Personen habe ich geändert, um die Betroffenen zu schützen. Sonst habe ich nichts verborgen. Mit meinem Gewissen bin ich im Reinen. Was ich getan habe, würde ich ohne jedes Zögern wieder tun. Manche werden meinen, ich hätte mich an die Regeln halten sollen - auf das Strafrecht vertrauen und hinnehmen, dass der Mörder Strafmilderung gegen Schuldbekenntnis aushandelt. Sei's drum. Ich verachte Feiglinge und scheinheilige Weicheier und ihre selbstgefällige Naivität.

Mein Name ist Jack Dana. Ich bin ehemaliger Offizier der Marineinfanterie und war Zugführer der Force Recon. Ich bin auch Autor von drei erfolgreichen Büchern. Das erste schrieb ich im Militärkrankenhaus Walter Reed, wo man mich operierte, um die Schäden an meinem Beckenknochen in Ordnung zu bringen, die mir die Kugeln eines Taliban-Heckenschützen bei Delaram (einem üblen Ort in der afghanischen Provinz Helmand) zugefügt hatten, knapp eine Minute bevor mein Team ihn erschoss. Es klingt vielleicht seltsam, dass jemand wie ich - der die härtesten Kampfschulen des Marinekorps mit Auszeichnung absolviert hat, Schulen, in denen man lernt, Feinde abzuknallen, die das Pech haben, in Schussweite zu sein, oder ihnen, wenn sie nah genug sind, ein Messer zwischen die Rippen zu jagen -, dass so einer anfängt, Romane zu schreiben. Jedes Ding hat seine Zei t ; so ist es eben. Was ich gelernt hatte, wendete ich bei Einsätzen im Irak und in Afghanistan an, und im Häuserkampf während des zweiten Gefechts um Falludscha merkte ich, wie leicht es ist, einen Mann umzubringen. Man drückt langsam auf den Abzugshah n ; die Patrone findet ihr Ziel, und der Mann sackt zusammen und kippt um. Noch einfache r : Man wirft eine Rucksackladung Sprengstoff durch ein Fenster, und das Haus stürzt ein. Ich hätte auch einfach weiter damit gemacht, aber nach den Reparaturen, auf die meine Chirurgen so stolz waren, war ich zwar wieder in exzellenter Verfassung, doch für einen Offizier der Marineinfanterie war sie nicht mehr exzellent genug. Was soll's. Bücherschreiben war gewissermaßen eine Rückkehr in das Leben, das ich mir für mich vorgestellt hatte, bevor wir am 11. September 2001 angegriffen wurden.

Ich bin das einzige Kind eines Philosophieprofessors an der Harvard University und einer Flötistin, die in einem Bostoner Kammerorchester spielte, und aufgewachsen bin ich in einem komfortablen Schindelhaus an einer Nebenstraße der Brattle Street in Cambridge, Massachusetts. Nach dem Ende meiner Schulzeit in einem Internat in New Hampshire, das auch mein Vater und sein einziger, etwas jüngerer Bruder besucht hatten, ging ich nach Yale. Warum Yale statt Harvard, der Alma Mater meines Vaters und meines Onkel s ? Ich wollte nicht im langen Schatten meines Vaters stehen. Aus dem gleichen Grund hütete ich mich vor der Philosophie und studierte stattdessen griechische und römische Alte Geschichte, da auch ich eine akademische Karriere anstrebte. Dass ich aus Cambridge weggegangen war, sollte ich jedoch bald bitter bereuen. Im Frühling meines ersten Collegejahres wurde meine schöne und begabte Mutter krank. Weihnachten desselben Jahres war sie tot, Opfer eines grausam aggressiven Ovarialkarzinoms. Mein Vater war grenzenlos verzweifelt. Ich fuhr an den Wochenenden zu ihm, so oft ich konnte, aber meistens mühte ich mich vergeblich, ihm aus der Depression herauszuhelfen. Er hatte sich nie ganz von den Wunden und anderen Traumata erholt, die er im Vietnamkrieg erlitten hatte. Im Winter meines letzten Collegejahres traf ihn ein schwerer Schlaganfall. Vom Genick abwärts gelähmt, glitt er nach und nach in ein Wachkoma, und Onkel Harry konnte die Klinik schließlich unter Einsatz seiner gesamten ruhigen Autorität und juristischen Kompetenz dazu bewegen, das Patiententestament meines Vaters und meine Wünsche zu respektieren und die lebenserhaltenden Apparate abzuschalten. Wir begru

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