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Zeit der Mörder Roman von Torreck, Ulf (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 11.11.2019
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Zeit der Mörder

Oktober 1947. In einem kleinen irischen Dorf erschießt der Maler Claas Straatmann einen Fremden, der in sein Haus eingebrochen ist. Alles deutet auf Notwehr hin. Doch die Aussage, die Straatmann bei dem jungen Inspector Lynch macht, führt zurück in eine dunkle Zeit. In Wahrheit heißt der vermeintliche Maler nämlich Carl von Maug und war während der deutschen Besetzung von Paris damit beauftragt, den furchtbarsten Serienkiller Frankreichs zu jagen. Die Geschichte, die er erzählt, reißt den Inspector in einen Strudel aus Hass und Gewalt. Doch Lynch kommt der Verdacht, dass Straatmann lügt...

Ulf Torreck, geboren 1972 in Leipzig, arbeitete bereits früh als Barmann, später als Journalist und Filmkritiker. Nach längeren Aufenthalten in Südostasien, Frankreich, Irland und Großbritannien begann er, Novellen und Romane zu schreiben. Seit April 2011 veröffentlichte Ulf Torreck unter dem Pseudonym David Gray fünfzehn Thriller und Kriminalromane, die regelmäßig Spitzenpositionen in den E-Book-Charts erreichten. Für seine historischen Thriller "Das Fest der Finsternis" (ebenfalls bei Heyne erschienen) und "Zeit der Mörder" recherchierte Torreck mehrere Jahre lang und befasste sich intensiv mit den dunklen Seiten des Menschen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 576
    Erscheinungsdatum: 11.11.2019
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641218829
    Verlag: Heyne
    Serie: Heyne Bücher 43917
    Größe: 3139 kBytes
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Zeit der Mörder

4

DERMOT SASS NACKT auf der Bettkante und schaute nachdenklich die Wand des winzigen Schlafzimmers an. Das Bett war zerwühlt und roch nach Schweiß und Sex. Unter der dünnen Steppdecke zeichnete sich der Leib seiner Verlobten Melissa ab. Dermot war nicht sicher, ob sie ihn vielleicht aus halb geschlossenen Augen betrachtete.

Eigentlich hätten sie beide nicht hier zusammen in diesem Zimmer sein dürfen. Erst recht hätten sie keinen Sex haben sollen. Die drei Kondome, die sie seit gestern Mittag dabei verbraucht hatten, waren beinah so schwer zu bekommen gewesen wie ein zweiköpfiger Papagei, der in drei Sprachen »Guten Morgen!« krächzten konnte. Dermot hatte sie schon seit Wochen in seinem verschlossenen Safe im Büro verwahrt. Zwar war es in der Republik Irland nicht direkt verboten, Kondome zu besitzen, aber vertrieben werden durften sie nicht. Weswegen Dermot die Dinger von einem ehemaligen Schulkameraden kaufte, der sie mit einem heftigen Preisaufschlag aus Liverpool einschmuggeln ließ. Dermot war ein guter Katholik, und es hatte ihn durchaus Überwindung gekostet, hier mit Melissa gegen die Gebote der Kirche und seiner Familie zu verstoßen. Aber was sollte an ein bisschen Liebe am Nachmittag eigentlich so falsch sein? Falls Gott wirklich nicht gewollt hätte, dass die Iren Sex miteinander hatten, dann wäre ihm ja wohl etwas Besseres eingefallen, um sie davon abzuhalten, als Verbote und vom Höllenfeuer predigende Priester.

Die Wohnung, in die sie gekommen waren, um zum ersten Mal miteinander zu schlafen, gehörte dem Besitzer eines Tabakshops, dessen Adresse unter jüngeren Polizeioffizieren und Beamten kursierte. Es gab eine lange Warteliste mit Interessenten dafür. Dermot hatte einen vollen Wochenlohn hingeblättert, um an deren Spitze zu gelangen und sich die beiden kleinen Zimmer für knapp vierundzwanzig Stunden sichern zu können. Aber die Mühe war es wert gewesen. Trotz seiner nagenden Schuldgefühle der Heiligen Mutter Kirche gegenüber fühlte Dermot sich gerade, vielleicht zum allerersten Mal in seinem Leben, wirklich erwachsen und wie ein Mann.

Melissa bewegte sich unter der Decke, streckte ihre Beine aus und drehte sich zur Wand. Dabei atmete sie ruhig.

Dermot sah zu ihr hinüber und konnte immer noch kaum fassen, dass sie wirklich hier war, nackt unter dieser Decke und immer noch nass geschwitzt vom Sex mit ihm.

In Frankreich, Amerika und sogar im völlig zerstörten Deutschland, so hatte Melissa ihm berichtet, ging man bei Weitem nicht so streng gegen unverheiratete Paare vor, die einen Unterschlupf für ein bisschen vorehelichen Sex suchten.

Melissa rührte sich neben ihm im Bett. Sie schlug träge die Decke beiseite, stützte den Kopf in die Hand und schaute Dermot an. Mit diesem ganz besonderen Blick, der ihn jedes Mal aufs Neue leicht verunsicherte, weil darin so gar keine Spur von Scham lag.

Aber ihre Mutter war Amerikanerin und ihr Vater Protestant. Sie hatten sogar noch weniger Ehrfurcht vor den Geboten des Herrn als Dermots Familie, die vom Gemeindepriester zu Hause wegen ihrer angeblich lockeren Moral schon immer etwas schief angesehen worden war.

»Du siehst aus, als ob du vor irgendetwas Angst hättest, Dermot. Vor mir kannst du keine haben. Das hätte ich gemerkt. Was ist es dann?«, fragte Melissa leise.

Dermot, dem nicht bewusst gewesen war, dass er ängstlich wirkte, schüttelte den Kopf. »Es ist dieser Fall. Straatmann, du weißt schon. Ich habe das Gefühl, er will mich hinters Licht führen. Ich glaube, der Assistant Commissioner, Ian McGuiness und dieser Franzose - die Männer, die er einbestellt hat - wissen viel mehr über ihn als ich.«

Melissa strich ihm mit der rechten Hand über den Rücken. Das fühlte sich gut an. Erregte ihn.

»Vergiss das doch jetzt, Dermot. Wir sind hier. Zusammen.«

»Hm ...«, sagte Dermot und wandte sich ih

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