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Zeitriss Thriller von Ride, Christopher (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 19.04.2013
  • Verlag: Bastei Lübbe AG
eBook (ePUB)
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Zeitriss

Wenige Jahre in der Zukunft: Ein unerklärliches Phänomen verwandelt die USA über Nacht in ein Entwicklungsland. Der Forscher Wilson Dowling entdeckt die Ursache in alten Geschichtsbüchern, die offenbar plötzlich eine völlig neue Historie wiedergeben.

Dort ist die Rede von einem Mann, der angeblich unsterblich ist und Kugeln mit der bloßen Hand fängt. Er verändert im Jahr 1898 den Lauf der Geschichte: Mit seinen Fähigkeiten führt er die Rebellen des chinesischen Boxeraufstandes zur Weltherrschaft.

Wilson muss einen Weg finden, ihn aufzuhalten. Denn ansonsten wird es die Welt wie er sie kennt, nie gegeben haben.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 509
    Erscheinungsdatum: 19.04.2013
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783838709161
    Verlag: Bastei Lübbe AG
    Originaltitel: The First Boxer
    Größe: 1597 kBytes
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Zeitriss

2.

Peking, China

Verbotene Stadt

Palast der Irdischen Ruhe

14. Juni 1860

Ortszeit: 14.04 Uhr

Unternehmen Esra - Tag 103

Cixi stöhnte vor Wut. "Finde heraus, wer der Verräter ist!", fauchte sie. "Er hat die Qing betrogen und muss bestraft werden! Seine Familie muss bestraft werden!"

Li Lien-ying, Großeunuch am Drachenthron, und seine beiden Gehilfen standen im 45-Grad-Winkel vornübergebeugt und hefteten ihren Blick auf den glänzenden Steinboden.

Die zornigen Schritte der kaiserlichen Gemahlin, die in ihrem Audienzraum auf und ab stürmte, klapperten durch die kühle Stille des Palastes. Sie konnte nicht glauben, dass die Qing bei Dalian so leicht besiegt worden waren. General Ling war allzu selbstsicher gewesen, stellte sie nun fest. Dennoch, er hatte immerhin eine Streitmacht befehligt, die fünfmal so stark war wie die der Briten und Franzosen. Sie kochte vor Wut. Er hatte versagt! Er hatte ihren Gemahl enttäuscht, den Sohn des Himmels, den siebten Kaiser der Qing-Dynastie. Er hatte das Reich der Mitte im Stich gelassen.

Nun war China einmal mehr der Gnade der böswilligen Fremden ausgeliefert, wie schon nach dem ersten Opiumkrieg. Der anschließende Vertrag von Nanking war ein Desaster gewesen. Die Briten hatten Hongkong an sich gerissen und zusammen mit den Franzosen und den Deutschen in den Hafenstädten Shanghai, Ningpo, Futschou, Kanton und Amoy diplomatische Vertretungen eingerichtet. Sie verlangten sogar Vertretungen im Herzen des Landes - innerhalb der Mauern Pekings! Das würde sie nicht dulden. Noch würde sie jemals dem Handel mit Opium zustimmen. Eher würde sie von eigener Hand sterben. Und jetzt schien es, als begehrten auch die Amerikaner, Italiener, Russen und Japaner ein Stück von China. Cixi reckte schnuppernd die Nase in die Luft und verzog angewidert das Gesicht. Ihr war, als könnte sie den Verwesungsgestank der fremden Teufel riechen, wie er über die hohen Mauern des Palastes wehte.

Sie verabscheute die abendländischen Völker mehr als alles andere auf der Welt. Sie betrieben den schimpflichen Opiumverkauf. Sie verlangten Rechte, die sie nicht verdienten. Sie wagten es, die Macht des Kaiserhofes herauszufordern. Wenn ihr Gemahl diesen Horden nicht mit strenger Haltung entgegentreten wollte, dann würde sie es selbst tun.

"Ihr müsst Euren Zorn fahren lassen, Edle Kaiserliche Gemahlin", riet Li Lien.

Cixi näherte sich flink und fixierte ihn mit glühendem Blick. "Ist mein Zorn nicht schön?", fragte sie ein wenig beißend.

Der Großeunuch war ein imposanter Mann von einsachtzig, der am Hof alle überragte. Die durchschnittliche Größe der Chinesen betrug nur einen Meter fünfzig. Die kaiserliche Gemahlin selbst maß einen Meter sechzig. Wie die meisten der fast dreitausend Eunuchen, die in der Verbotenen Stadt lebten und arbeiteten, war Li Lien als kleiner Junge kastriert worden; man hatte ihm sowohl den Hodensack als auch den Penis entfernt. Der einzige intakte Mann, der sich nach Einbruch der Dunkelheit noch in der Verbotenen Stadt aufhalten durfte, war der Kaiser. Um seinen enormen Harem zu bewachen, war die Beschäftigung von Eunuchen, der sogenannten Halbmänner, ein notwendiges Übel. Nur so war zu gewährleisten, dass ein Kind, das in dem riesigen Palastkomplex empfangen wurde, tatsächlich sein Abkömmling war. Die Eunuchen verrichteten jegliche Arbeit, vom Kochen und Putzen bis zur Gartenpflege und Verwaltung; sie stellten sogar die Palastwache.

Cixi blickte zu ihrem Großeunuchen auf. An den Schläfen seines geschorenen Hauptes zeigte sich ein feines Adernetz, das einzige Anzeichen seiner heftig wachsenden Furcht. Mit Absicht schob sich Cixi vor sein Gesicht und füllte sein Blickfeld aus. "Findest du mich nicht mehr schön?", fragte sie.

Es herrschte Stille in dem großen Saal, solange er über die Antwort nachdachte. "Ihr seid immer schön. Und ich bedarf Eurer wie der Morgenhimmel der Sonne."

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