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Zerschnitten Thriller von Cleave, Paul (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 08.08.2016
  • Verlag: Heyne
eBook (ePUB)
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Zerschnitten

Henry Cutter hat viele Menschen ermordet - sehr viele Menschen. Doch die Morde finden nur in seiner Imagination statt, denn er ist ein berühmter Thrillerautor. Eines Tages behauptet Cutter allerdings, die geschilderten Taten tatsächlich begangen zu haben. Niemand glaubt dem Autor, denn unlängst wurde bei ihm eine voranschreitende Demenz diagnostiziert. Cutter kann keiner Erinnerung mehr trauen. Das Problem ist nur, dass in seiner Umgebung plötzlich schreckliche Morde geschehen. Bestialisch - wie in den Büchern von Henry Cutter ...

Paul Cleave wurde am 10. Dezember 1974 in Christchurch, Neuseeland geboren, dem Ort, wo auch seine Romane spielen. Dem Fan von Stephen King und Lee Child gelang mit seinem Debütroman Der siebte Tod auf Anhieb ein internationaler Erfolg, der in Deutschland monatelang auf den ersten Plätzen der Bestsellerlisten stand.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 496
    Erscheinungsdatum: 08.08.2016
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783641188498
    Verlag: Heyne
    Originaltitel: Trust No One
    Größe: 1120 kBytes
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Zerschnitten

KAPITEL 1

"Der Teufel steckt im Detail", sagt Jerry. Damals war er der Teufel, an die Details jedoch kann er sich kaum noch erinnern. Lediglich an das Gesicht der Frau und daran, wie sie den Mund öffnete und nichts weiter hervorbrachte als ein Oh . Niemand weiß, was er sagen wird, wenn seine Zeit gekommen ist. Oscar Wilde machte auf seinem Totenbett eine Bemerkung zu den scheußlichen Tapeten im Zimmer - einer von ihnen müsse gehen, er oder sie. Allerdings hatte Jerry irgendwo gelesen, dass man nicht weiß, ob Wilde das tatsächlich gesagt hat. Bestimmt hätte er keinen so lakonischen Kommentar abgegeben, wenn Jerry sich in sein Haus geschlichen und ihn mit einem Messer an die Wand genagelt hätte. Vielleicht hätte er dann gesagt, das tut ja viel mehr weh als gedacht, aber nichts, woran man sich heute noch erinnern würde.

Jerry schweift schon wieder ab. Er hasst das, o Mann, und wie er das hasst.

Die Polizistin, die ihn anstarrt, macht ein Gesicht, wie man es eher bei einer verletzten Katze vermuten würde. Sie ist Mitte zwanzig, und beim Anblick ihrer Gesichtszüge wäre er am liebsten wieder der Teufel. Sie hat schöne lange Beine, blondes schulterlanges Haar, eine sportliche Figur und eine gesunde Hautfarbe. Er kann den Blick nicht von ihren blauen Augen abwenden. Sie trägt einen engen schwarzen Rock und ein körperbetontes dunkelblaues Oberteil, dass er ihr am liebsten vom Leib reißen würde. Sie reibt ihren Daumen unablässig gegen den Ballen ihres Ringfingers, der wie bei einem Gitarristen mit Hornhaut überzogen ist. An der Wand lehnt ein uniformierter Polizist mit einem Oberlippenbart wie aus einer Cop-Serie der 80er-Jahre; die kräftigen Unterarme hat er verschränkt, und um die Taille trägt er einen Gürtel voller Utensilien, die dazu dienen, renitente Bürger in Schach zu halten. Er wirkt gelangweilt.

Jerry redet weiter. "Die Frau war etwa dreißig Jahre alt und hieß Susan. Allerdings hat sie ihren Namen mit einem Z geschrieben. Heutzutage benutzen die Leute alle möglichen merkwürdigen Schreibweisen. Das liegt an den Handys", sagt er und wartet darauf, dass die Frau nickt, doch das tut sie nicht, ebenso wenig wie der Cop, der mit seinem Körper die Wand abstützt. Jerry merkt, dass seine Gedanken schon wieder abschweifen.

Er holt tief Luft, hält die Armlehnen des Stuhls noch fester umklammert und rutscht darauf herum, um es sich bequemer zu machen. Dann schließt er die Augen und konzentriert sich, richtet seine Gedanken wieder auf Suzan mit Z, auf Suzan mit ihrem zu einem Pferdeschwanz zusammengebundenen schwarzen Haar, auf die braun gebrannte Suzan mit ihrem attraktiven Lächeln, deren Tür um drei Uhr morgens nicht abgeschlossen war. In so einer Gegend hat Jerry damals gewohnt, aber während der letzten dreißig Jahre hat sich eine Menge verändert. Verdammt, er hat sich ebenfalls verändert. Bevor die Simserei und das Internet die Sprache verhunzt haben, waren die Menschen weniger misstrauisch. Oder einfach bequemer. Er weiß es nicht. Allerdings weiß er noch, dass es ihn überrascht hat, wie leicht es war, in ihr Haus zu gelangen. Er war neunzehn Jahre alt, und Suzan war die Frau seiner Träume.

"Ich weiß noch, wie ich mich dabei gefühlt habe", sagt Jerry. "Niemand vergisst, wie es war, als er das erste Mal einen Menschen getötet hat. Bevor ich es getan habe, stand ich mit ausgebreiteten Armen im Garten, als könnte ich den Mond umarmen. Das war ein paar Tage vor Weihnachten. Es war der längste Tag des Jahres. Ich kann mich noch an den wolkenlosen Himmel erinnern und daran, dass ich beim Anblick der unendlich weit entfernten Sterne in dieser Nacht das Gefühl hatte, als wäre die Zeit stehen geblieben." Er schließt die Augen und versetzt sich in jenen Moment zurück. Er kann die Luft förmlich riechen. "Ich weiß noch, wie ich in dieser Nacht dachte, dass Menschen geboren werden und sterben", sagt er, die Augen immer noch geschlossen, "und dass den Sternen das

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