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Zielperson unbekannt von Alberts, Jürgen (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 03.03.2015
  • Verlag: 110th
eBook (ePUB)
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Zielperson unbekannt

Vier Topagenten eines deutschen Geheimdienstes fühlen sich unwohl. Man hat sie aufs Abstellgleis geschoben. Aber statt sinnlose Aktenvermerke anzulegen, planen die Geheimdienstler eine spektakuläre Aktion, platziert im Fadenkreuz von Terrorismus und Atomkraft. Plötzlich jedoch gerät die brisante Inszenierung aus den Fugen - und die Nation an den Rand einer Katastrophe. Drei Jahre hat Jürgen Alberts recherchiert. Er ist Affären nachgegangen, hat in Archiven geforscht und sich mit Agenten mehrerer Geheimdienste unterhalten. Er war der einzige westdeutsche Journalist, der mit Hansjoachim Tiedge ausführlich sprechen konnte. Aus der Fülle des gesammelten Materials wurde ein Roman. Ein Realitätsthriller. Es ist der Stoff, aus dem die politischen Skandale sind. Als Buch knisternd, spannend, phantastisch; in Wirklichkeit ein Alptraum. Jürgen Alberts, geb. 1946, Studium in Tübingen und Bremen, Promotion über die BILD-Zeitung, lebt als Schriftsteller und Journalist in Bremen. Seine zahlreichen Romane, darunter auch Krimis, sind mehrfach ausgezeichnet worden.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 231
    Erscheinungsdatum: 03.03.2015
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783958656864
    Verlag: 110th
    Größe: 313 kBytes
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Zielperson unbekannt

1

"Hohlkopf drei Strich siebzehn", die dunkle Stimme legte eine Pause ein, "keinen blassen Schimmer."

"Soweit bin ich noch nicht", antwortete Helmut Tappert, der an diesem Morgen Kaiser werden wollte. "Was ist mit Zehennagel vier halb zwölf?"

"Das ist doch ganz einfach, denk an Sonnenschein im Winter", kam es prompt zurück.

"Ach ja, klar", Tappert schrieb das Wort hin.

"Ich komme wieder. Roger."

Immer die alten Töne vom alten Bach. Er saß vier Büros weiter, war zwei Gehaltsstufen über ihm und stand kurz vor der Pensionierung. Helmut Tappert konzentrierte sich wieder auf den laufenden Wettbewerb. Wie immer hatten sie den Konspi abgestellt, um sich ganz dieser Aufgabe widmen zu können. Das machte zwar keinen guten Eindruck, wenn dauernd die Leitung besetzt war, aber wer würde sie schon anrufen. Vielleicht würde man sie sogar loben, dass sie so früh am Morgen eine Aktivität entfalteten. Da gab es ganz andere Gestalten, die um die Zeit im Büro nichts als die Morgenlektüre erledigten. Hatte doch ein früherer Präsident gesagt: "Jeder meiner Männer muss mindestens fünf Tageszeitungen lesen." Er hatte diesem öffentlich geäußerten Begehren jedoch keine Dienstanweisung folgen lassen. Der Hörer lag neben dem Konspi. Durch das Wählen einer Nummer war er zum Schweigen gebracht.

Das Telefon klingelte. Die hausinterne Amtsleitung. "Schulterstück ganz oben?", fragte eine krächzende Stimme.

"Ja, hab ich, sag ich aber nicht", gab Tappert zurück, "nur so viel: ein Maikäfer im April."

"Das zählt nicht als Hinweis, Helmut, Hinweise müssen konkret sein, sonst zahlst du in die Kasse, ist das klar?" Gönnerwein konnte einen widerlichen, militärischen Tonfall anschlagen, so dass Tappert den Hörer ein wenig vom Ohr nahm.

"Gut, gut, ich sag mal weißer Schimmel", er wusste, dass damit alles verraten war.

"Danke, Kamerad. Und immer daran denken, die Parole muss stimmen. Ist das klar?"

Tappert legte den Hörer sacht auf die Gabel, ohne zu antworten. Er mochte diesen Gönnerwein nicht, sein ganzes Gehabe, sein Auftrumpfen, wenn er von der Aktion sprach. DER Aktion, wie er sie nannte.

Kurt Gönnerwein lebte nicht wie die anderen. Familie, Eigenheim, bescheidenes Auto. Er war und blieb Einzelkämpfer. Befriedigte gelegentliche Bedürfnisse in luxuriösen Bordellen oder, was auch vorgekommen war, nach Dienstschluss im Amt. Das hatte bei einigen zu seiner Reputation hinzugetan. Tappert griff zum Hörer und wählte die Nummer von Nutzke. Der war noch nie Kaiser geworden, weil er einfach den Kopf nicht dazu hatte.

Erst nach mehrmaligem Ruf nahm Nutzke ab. "Nutbohm", sagte er.

"Quatsch, Fritz! Ich bin's, Helmut. Was macht denn Brust-bein Mitte hoch zwei?"

"Wart mal", Nutzke zögerte. Tappert wusste, dass sein jüngerer Kollege erst mal in die Verschlüsselung schauen musste, um zu wissen, was er gefragt worden war.

"Brillenschlange", kicherte Nutzke.

"Oh, danke, Fritz, sehr liebenswürdig." Tappert füllte die Buchstaben ein. Hatte ihm der Rollschuhfahrer tatsächlich das Lösungswort verraten, anstatt, wie es üblich war, einen Hinweis zu geben. Jetzt fehlten ihm nur noch drei Worte.

Fritz Nutzke hatte eine steile Karriere hinter sich, obwohl er erst siebenundzwanzig Jahre war. Er hätte es zu etwas bringen können. Nicht nur, weil er der einzige war, der morgens mit Rollschuhen ins Amt kam. Er ließ sich von seiner Frau am Hauptbahnhof absetzen, schnallte die teuren Skates unter und sauste dann in Höchstgeschwindigkeit bis zur Inneren Kanalstraße. Autofahrer, die ihm zu folgen versuchten, hatten stets das Nachsehen. Außerdem besaß Fritz Nutzke einen schwarzen Neufundländer, dessen rosa Zunge zur Seite hing und triefte. Man hatte ihn trotz dieser Panne in Frankfurt zum Regierungsoberinspektor befördert, A 10. Aber diese Gehaltsstufe konnte auch schon die letzte sein. Nur ungern dachte Fritz Nutzke an seine Nie

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