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Zufälle und Mordfälle Kriminalroman von Mucha, Martin (eBook)

  • Erscheinungsdatum: 01.11.2014
  • Verlag: Gmeiner-Verlag
eBook (ePUB)
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Zufälle und Mordfälle

In drei eigenst"ndigen, doch zusammenh"ngenden Storys folgt Arno Linder dem Weg ins Jenseits der Legalit"t. Jung und unschuldig kommt er nach Wien. Dort geht so ziemlich alles schief, was schiefgehen kann, und bevor er sich's versieht, steckt er bis ber beide Ohren in einem Schlamassel aus toten Polizeigener"len, halb nackten M"dchen und zwielichtigen Gesch"ftsm"nnern. Doch das ist erst der Anfangÿ- und verhaftet werden nur die Unschuldigen. Dr. Martin Mucha, geboren 1976 in Graz, studierte in Wien Philosophie, Geschichte und Theologie. Er arbeitet seit ber zehn Jahren im Bereich Drehbucherstellung f r Kino- und Fernsehfilme. Seiner ausgedehnten Reiset"tigkeit, vor allem nach Asien und Afrika, entsprang bislang ein Bild-Text-Band ber Afghanistan und Tadschikistan. Seine Arno-Linder-Krimireihe mit dem viel beachteten Deb t Papierkrieg (2010) und den Folgeb"nden Seelenschacher (2011, Shortlist Leo-Perutz-Preis), Beziehungskiller (2012) und Erbschleicher (2014) erscheint im Gmeiner-Verlag. Zudem ist ein Beitrag von ihm in der Anthologie ¯Wiener Seele® erschienen.

Produktinformationen

    Format: ePUB
    Kopierschutz: watermark
    Seitenzahl: 142
    Erscheinungsdatum: 01.11.2014
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 9783734992704
    Verlag: Gmeiner-Verlag
    Größe: 1830 kBytes
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Zufälle und Mordfälle

1. Kapitel

Im Leben sind die Türen manchmal offen und manchmal geschlossen. Das findet man aber erst heraus, wenn man hindurch will. So oder so endet das dann entweder mit einer Beule am Kopf und Narbengewebe an der Großhirnrinde oder mit einem vollständig unbekannten Gefühl der Freiheit, das einer vollständig neuen Lebenssituation geschuldet ist.

Das Leben wäre nicht, was es ist, wenn dieses vollständig neue Gefühl der Freiheit nicht in den allermeisten Fällen eine Nachwirkung der schweren Gehirnerschütterung wäre, die man sich zugezogen hat, als man versuchte, durch die vermeintlich offen stehende Tür ins Freie zu gelangen. Mir jedenfalls geht das ständig so.

Damals mit dem Beginn des Studiums schien eine solche Tür aufzugehen, ein neuer Lebensabschnitt zu beginnen und das alte, langweilige, vertraute Elternhaus, die stumpfsinnige Schule und die Fremdbestimmung durch Eltern und Lehrer zu Ende zu gehen. Ich rannte, so schnell ich konnte, auf die Tür zu, aber leider weiß ich bis heute nicht, ob ich es hindurch geschafft habe. Es kann schließlich auch sein, dass ich mir damals den Kopf so angeknallt habe, dass ich seitdem im Koma liege und alles nur geträumt habe. Wer weiß. Allerdings besser so ein Koma als sonst irgendein Leben.

Mit einem Tramperrucksack voller Unterhosen und Socken, mit drei Hemden, einer Jacke und viel Optimismus stand ich vor der Tür meiner ersten eigenen Wohnung. Es war halb elf abends, ich war gerade mit dem Zug in Wien angekommen und hatte ohne größere Probleme in die Schüttelstraße im II. Bezirk gefunden. Meine Wohnung lag Nr. 77 im vierten Stock. Gezählte 196 Stufen hinauf. Wohnung ist ein wenig viel gesagt, laut Beschreibung handelte es sich um ein Zimmer mit einer Küche, in der auch das WC und die Dusche untergebracht waren. Immerhin hatte das Ganze Fenster.

Ich trat ein, und mir fiel sofort das erste Problem auf: die Fenster. Es gab sie, im Ganzen vier. Allerdings gab es keine Fensterscheiben. Ich konnte die kalte Nachtluft durch meine zukünftige Wohnung strömen spüren. Sehen konnte ich nichts, weil entweder der Schalter kaputt war, die Glühbirne defekt oder die Wohnung keinen Strom hatte. Doch das war gar nicht so schlimm. Dunkelheit ist schließlich auszuhalten. Was viel bitterer war: das fehlende warme Wasser. Wohnung dunkel, Luft eiskalt, Wasser eiskalt, und ich hatte kein Bett. So was ist teuer, also konnte ich mir keines kaufen, und das von zu Hause hatte im Rucksack einfach keinen Platz gefunden. Also deckte ich mich mit meiner Winterjacke zu, legte die Hemden unter den Kopf und versuchte einzuschlafen.

In dieser Nacht schlief ich nicht viel. Dafür hörte ich die Autos unten auf der Schüttelstraße und das Rauschen der Bäume am Donaukanal. Was mich noch am Schlafen hinderte, war die Ameisenkolonie, die irgendwo unter mir im uralten Parkettboden wohnte und die meine Körperwärme wahrnahm und nun nachsehen kam, was da los war.

Am nächsten Morgen nahm ich fünf Schilling, die gabs damals noch, und ging zum nächsten Telefon, denn Handys gabs noch nicht. Von dort rief ich meinen Vermieter an. Der meinte kühl, dass die Fenster im Laufe des nächsten Monats eingesetzt werden würden und die Wiener Gas- und Elektrizitätswerke schon vorbeikommen würden, um mir Heizung, Warmwasser und Licht zu schenken.

Also harrte ich im guten Glauben auf die Rettung in der Wohnung aus. Die Tage wurden kürzer und kälter, aber niemand kam, um mir die Segnungen der Zivilisation zu bringen. Inzwischen hatte ich mich durch das Warten in endlosen Schlangen würdig gezeigt und war immatrikuliert und inskribiert. Wie durch ein Wunder hatte ich mein Institut gefunden und die ersten Lehrveranstaltungen belegt.

Meine Tage teilten sich in die Stunden auf der Uni, die ich damit verbrachte, kein Wort zu verstehen, und die Stunden in der Wohnung, daheim kann ich es nicht nennen, die ich damit verbrachte zu frieren. Zu essen gabs auch

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